Philip Murphy

US-Botschafter sieht Berlin als Stadt der Visionen

In seiner Hauptstadtrede in der amerikanischen Botschaft sprach US-Botschafter Philip Murphy über Erwartungen, die er an Berlin hat. Der Diplomat lobte die Hauptstadt, die eine Signalwirkung für die ganze Welt besitzen würde.

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Berlin sei die Stadt, die Visionen beflügelt, dass Wunder wahr werden können. Hier sei eine jahrzehntelange Teilung überwunden worden, und hier habe die Demokratie gesiegt. Berlin symbolisiere für die ganze Welt den Wandlungsprozess von der Unfreiheit hin zu einer freiheitlichen pluralistischen Gesellschaft. Diese Signalwirkung hinaus in die ganze Welt hob US-Botschafter Philip D. Murphy in seiner Hauptstadt-Rede hervor. Nach dem russischen Kollegen Wladimir Grinin war er der zweite Botschafter, der auf Bitten der Stiftung Zukunft Berlin über seine Erwartungen an die deutsche Hauptstadt sprach.

Die Stadt und ihre Menschen müssten, so Murphy vor einem kleinen Kreis geladener Gäste im Ernst Cramer Saal der amerikanischen Botschaft mit Blick auf den Pariser Platz, Zuwanderer nicht als Last, sondern als Bereicherung empfinden. „Woher die Menschen auch immer kommen, welche Hautfarbe und welche Religion sie haben – ihnen muss das Gefühl vermittelt werden, einer ,von uns' zu sein und nicht als ,die' separiert zu werden.“

Kulturelle Vielfalt stärkt

Damit hob der Botschafter die Bedeutung der Integrationspolitik als zweiten Schwerpunkt seiner Rede hervor. Als Gäste hatte Murphy zwei Deutsche mit ausländischen Wurzeln eingeladen, um sie nach ihren Erfahrungen zu befragen. Die in Berlin lebende Autorin Rose Anne Clermont, als Tochter haitianischer Einwanderer in New York geboren, meinte, dass die kulturelle Vielfalt Deutschland stärker mache. Sie bedauere, dass von Ausländern in Deutschland geborene Kinder – anders als in den USA – nicht automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten. Das würde viele Eltern motivieren, sich schneller und stärker zu integrieren.

Auch Martin Hyun lebt in Berlin, er wurde in Krefeld geboren, ein Elternteil stammt aus Korea, er ist Schriftsteller, früher hat er als Profi Eishockey gespielt. Auch er sieht in der kulturellen Vielfalt einen kreativen Schub für Deutschland. Andererseits ist er enttäuscht über die Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das sei besonders schmerzhaft für alle, die Teil dieser Gesellschaft werden wollten. Die Folge sei oft Resignation und Auswanderung.

Zurück nach Berlin und des Botschafters Erwartungen an die deutsche Hauptstadt: Mancher „Alt- West-Berliner“ hegt die Befürchtung, seit der Wiedervereinigung seien viele Amerikaner enttäuscht, dass deren frühere Rolle als Schutzmacht nicht ausreichend gewürdigt werde. Philip Murphy will von einem Gefühl der Undankbarkeit nichts wissen. „Wir haben unser Ziel erreicht. Berlin, Deutschland und Europa sind nicht länger geteilt. Deshalb sind wir nicht mehr so präsent hier. Unsere Beziehungen sind jetzt darauf gerichtet, global die neuen Herausforderungen zu meistern. Zusammen mit Deutschland.“