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KaDeWe soll eine neue Chefin bekommen

Offen bestätigen will es noch niemand, doch die Entscheidung scheint gefallen zu sein: Berlins Luxuskaufhaus KaDeWe bekommt eine neue Chefin. Der alte Chef hatte viel Bewegung in das Haus gebracht. Dass er nun geht, könnte am Geld liegen.

Foto: picture-alliance / dpa / Zentralbild

Kein Kommentar. In Berlin mochte man sich genauso wenig äußern wie in Köln oder Essen. Das war am Mittwoch die sehr einhellige Reaktion auf eine Medienmeldung, in der überraschend verkündet wurde, dass KaDeWe-Chef Patrice Wagner abgelöst werden soll. Und zwar von Ursula Vierkötter, bisher Chefin von Karstadt Köln. „Personalgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht“, sagte Karstadt-Sprecher Michael Scheibe. An diesen hatte Ursula Vierkötter zuvor sehr zügig, aber auch sehr freundlich verwiesen.

Im Traditionskaufhaus am Wittenbergplatz selbst wurde morgens eifrig konferiert. Sagen wollte man nichts zu dem Wechsel. Und doch wird dieser – so hört man – in nicht allzu ferner Zukunft anstehen. Über die Gründe weiß man noch nichts. Ausschlaggebend seien, so wurde spekuliert, Gehaltskürzungen, die auch die Führungsriege der zum angeschlagenen Arcandor-Konzern gehörenden Karstadt Warenhaus GmbH betreffen.

Alle sollen auf Gehalt verzichten

Bereits im Oktober hatte der Essener Konzern ein „Zukunftspakt“ genanntes Programm beschlossen, das massive Einsparungen bei den Personalkosten vorsieht. In den kommenden drei Jahren geht es um eine Summe von insgesamt 345 Millionen Euro. „Normale Mitarbeiter“ des Konzerns sollen auf bis zu zwölf Prozent des Jahreseinkommens verzichten, auf Geschäftsführerebene ist von 20 Prozent die Rede.

Der KaDeWe-Chef wird sich wahrscheinlich bald zu diesen Spekulationen äußern, er gilt als Mann der klaren Worte. Im Oktober 2002 war der 1967 im französischen Tarbes geborene Wagner zum legendären Warenhaus gekommen, nachdem er vier Jahre lang als Geschäftsführer bei den Galeries Lafayette an der Friedrichstraße tätig war. Seit März 2006 war er überdies Chef der sogenannten „Premium Group KarstadtQuelle“, zu der neben dem KaDeWe noch Häuser wie das Alsterhaus in Hamburg oder der Oberpollinger in München gehören.

Wagner hat Luxusoffensive vorangetrieben

Engagiert hat Patrice Wagner in den vergangenen Jahren das Profil des KaDeWe weiterentwickelt, das Vorbild für die anderen Premium-Häuser ist. Im Jahr 2007 hatten er und sein Team im großen Stil den 100. Geburtstag des Hauses gefeiert, nachdem seit 2004 noch einmal 40 Millionen Euro in die Modernisierung investiert worden waren. Das große Thema des vergangenen Jahres war die Erweiterung der Luxus-Boulevards im Erdgeschoss, außerdem wurde das gesamte Markenportfolio kontinuierlich weiterentwickelt. „Es gibt nichts Vergleichbares in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa“, hatte Wagner Anfang Dezember stolz verkündet. Ausruhen war nie seine Sache, in regelmäßigen Abständen veranstaltete er große Events mit Stars wie Schauspielerin Liz Hurley oder Designer Tommy Hilfiger. Am 4. Februar soll die prachtvolle Ausstellung „Marokko“ eröffnet werden.

Es wird sich zeigen, ob Ursula Vierkötter diese Linie weiterverfolgen wird und wenn ja, ab wann dies tatsächlich der Fall sein wird. Seit 2006 ist die studierte Diplomkauffrau Chefin des Kölner Karstadt-Hauses. Bewusst hat die 43-jährige Vorzeige-Managerin dieses auch verstärkt auf die Bedürfnisse weiblicher Kunden ausgerichtet. Ursula Vierkötter hatte bereits als Trainee bei Karstadt Köln angefangen und im Laufe ihrer Karriere verschiedene kleinere Häuser kennengelernt.

Das Berliner Flaggschiff mit seinen 2000 Mitarbeitern, das sich mit Häusern wie Harrods in London und den Galeries Lafayette in Paris misst, dürfte eine Herausforderung werden: Pro Jahr werden an der Tauentzienstraße 300 Millionen Euro Umsatz gemacht.