Studie

Berliner Luft macht Hauptstädter optimistisch

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Berliner glauben an eine positive Entwicklung der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands und sind optimistisch, was die Sauberkeit ihrer Umwelt angeht.

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Berliner schauen optimistisch in die Zukunft. Das zeigt die aktuelle Zuversichtsstudie der Allianz und der Universität Hohenheim. Mit „großer Zuversicht“ oder mit „Zuversicht“ – so sehen 42 Prozent der Berliner der Entwicklung in Deutschland in den kommenden Monaten entgegen. Das sind stattliche zwölf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit diesem Ergebnis liegt Berlin auf Rang zwei im Vergleich von 14 deutschen Städten in Deutschland mit über 500000 Einwohnern. Nur die Kölner sind mit 43 Prozent noch ein klein wenig optimistischer als die Berliner.

Auf den hinteren Plätzen liegen die Städte Düsseldorf, Essen sowie Dresden mit nur 24 Prozent Zukunftsoptimisten. Die größten Verlierer in Sachen Zuversicht sind überraschend München und Düsseldorf. Während in der bayrischen Hauptstadt 2010 noch 46 Prozent Optimisten lebten, sind es aktuell nur noch 34 Prozent. In Düsseldorf glauben gar nur noch 27 Prozent an eine positive Zukunftsentwicklung (2010 noch 39 Prozent).

Die Wissenschaftler ermittelten in verschiedenen Feldern. Im Bereich allgemeine Wirtschaftslage sind die Berliner am zuversichtlichsten. 42 Prozent schätzen die Erwartungen für die deutsche Wirtschaft demnach optimistisch ein. Das ist ein Plus von drei Prozentpunkten gegenüber dem vergangenen Jahr. Klima und Umwelt sehen die Berliner mit 39 Prozent ähnlich hoffnungsvoll wie 2010. Als Grund nennen die Forscher: Die Berliner Luft ist gut. Die Stadt hat den zweitgeringsten CO2-Ausstoß pro Einwohner und Jahr und liegt damit weit unter dem deutschen Durchschnitt. Wenig Positives erwarten die Berliner indes von der Gesundheitspolitik der Republik: Im Bereich gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung blicken nur neun Prozent der Befragten optimistisch auf das nächste Jahr.

Neben der allgemeinen Entwicklung Deutschlands wollten die Forscher außerdem wissen, wie die Deutschen die Entwicklung ihres persönlichen Umfelds sehen. Hier sind die Berliner zwar mit 66 Prozent „sehr zuversichtlich“ oder „zuversichtlich“, aber nur auf Platz sechs im Vergleich mit anderen deutschen Städten. Die Berliner liegen gleichauf mit Nürnberg, aber weit hinter den Spitzenreitern Essen, Frankfurt und Stuttgart. In Baden-Württemberg sehen stolze 74 Prozent der Befragten zuversichtlich in die Zukunft. Mit sechs Punkten Zuwachs ist Berlin aber immerhin schon optimistischer als noch im Vorjahr. Schlusslichter sind in diesem Bereich Hannover, Dortmund und Dresden.

Trotz der jüngsten Debatte über steigende Mieten und Immobilienpreise bewerten sie die Zukunft des eigenen Zuhauses mit 83 Prozent am positivsten. „Selbst ungelöste Probleme wie steigende Wohnungspreise, können einen Anstieg der Zuversicht für das persönliche Leben bei den Berlinern nicht verhindern“, sagt Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Im Bereich Familie, Partnerschaft und Kinder hat die Zuversicht der Berliner im Vergleich zum Vorjahr zwar etwas abgenommen. Aber immer noch 66 Prozent sehen die Zukunft ihres familiären Umfelds positiv. Der Optimismus gegenüber ihrer eigenen Versorgung bei Krankheit und Pflege ist hingegen um fünf Punkte auf 51 Prozent gestiegen, während die Erwartungen an die finanzielle Versorgung im Alter mit 38 Prozent pessimistisch bleibt.

Für die gesamtdeutschen Ergebnisse der Studie stellten die Wissenschaftler einen erheblichen Stimmungsumschwung im Spätsommer fest. Noch im Juli waren so viele Menschen wie nie seit Beginn der Erhebung der Zuversichtsstudie im Jahr 2007 optimistisch gegenüber der allgemeinen Wirtschaftslage gewesen. Mehr als die Hälfte der Befragten sahen der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands zuversichtlich entgegen. Dieser Wert brach jedoch im August dramatisch ein. Nur noch 38 Prozent der Befragten teilten diesen Optimismus, im September waren es sogar nur noch 35 Prozent. Das ist der radikalste Stimmungsumschwung binnen eines Quartals in den vergangenen vier Jahren. Dennoch, im Vergleich zum Tiefstpunkt der Stimmung im März 2009 liegt die aktuelle Zuversicht höher. Damals bewertete nur jeder Zehnte die wirtschaftliche Zukunft positiv. Die aktuelle Studie basiert auf repräsentativen Befragungen von mindestens 500 bis 1000 Männern und Frauen über 14 Jahren. Die Allianz und Universität Hohenheim stellen Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen.