Soziales Wohnen

Wenn Erzbischof Woelki seine Mieter besucht

Rainer Maria Woelki hat einem Haus in Neukölln einen Besuch abgestattet, das seit kurzem einem Wohnungsunternehmen der katholischen Kirche gehört. In den Wohnungen leben vor allem Migranten vom Balkan.

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Fenster im Hof sind zerschlagen, verblichene Vorhänge flattern im Wind. Doch der Kies im Hinterhof ist sorgfältig geharkt, der Müllplatz aufgeräumt, und ein großes Zelt wartet auf die Bewohner. Das Mietshaus in der Harzer Straße in Neukölln hat schon schlechtere Tage gesehen.

„Wir haben hier eine relativ große Ansiedlung von Menschen aus einem Vorort von Budapest“, erläutert die Neuköllner Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD). Lange galt das Haus als Problemfall: Der Eigentümer kümmerte sich nicht um das Haus, kassierte nur die Miete und hatte zum Schluss 90.000 Euro Schulden bei den Wasserbetrieben. „Es gab Müllberge im Hof und Ratten in den Wohnungen.“

Seit einigen Wochen gehört das Haus nun der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH, einem Wohnungsunternehmen der katholischen Kirche. Und am Mittwoch hatte das Haus prominenten Besuch: Rainer Maria Woelki, der neue Erzbischof von Berlin, kam nach Neukölln, um sich anzusehen, wie sich das Unternehmen um die Armutsmigranten vom Balkan kümmert. Schnell ist das Eis gebrochen: Ohne Berührungsängste unterhält sich Erzbischof Woelki mit den Hausbewohnern, fragt Kinder und Jugendliche ob sie in den Kindergarten gehen, wie es ihnen in der Schule gefällt und welche Berufswünsche sie haben.

Neue Fenster vor dem Winter

Benjamin Marx, Hausverwalter der Wohnungsbaugesellschaft, berichtet von großen Plänen. „Noch vor dem Winter wollen wir in alle Wohnungen neue Fenster einbauen, im nächsten Jahr soll das Gebäude wärmesaniert werden.“ Ziel der Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft sei es, dass das Mietshaus nicht zu einem Ghetto wird. „Wir wollen hier langfristig ein normales, soziales Wohnen haben“, sagt Marx.

Doch noch sind bis zu zehn Personen in einer 50-Quadratmeter-Wohnung untergebracht. Auch das war dem früheren Eigentümer offenbar egal. „Wir wollen die Wohnsituation entspannen, und Menschen, die hier ausziehen, anderswo eine neue Wohnung anbieten“, verspricht Marx. „Und wir wollen eine bessere Durchmischung in dem Mietshaus.“ Nur den Kaufpreis für das Mietshaus will der Hausverwalter nicht verraten.

Rainer Maria Woelki interessiert sich sichtlich für die Zukunftspläne der Wohnungsbaugesellschaft. Neugierig fragt er nach, besichtigt zum Schluss selbst eine der Wohnungen. Und aufmerksam registriert der Erzbischof, dass die meisten der fast 500 Bewohner einer benachbarten Pfingstkirche angehören, deren Pastor selbst in dem Gebäude wohnt. „Ich finde das toll, dass unsere Wohnungsbaugesellschaften hier so einen Beitrag zur Integration von Menschen in die Gesellschaft leisten“, sagt Woelki. „Ich bin sehr angetan von dem, was hier entstanden ist, und hoffe, dass wir uns auch künftig für die Menschen hier engagieren können.“