Bode-Museum

Besucheransturm bei "Renaissance"-Ausstellung

Die Sonderausstellung "Gesichter der Renaissance" im Bode-Museum ist mit einem starken Andrang von Besuchern gestartet. Dennoch mussten die Besucher nicht lange warten – das Museum nutzt ein besonderes Ticketsystem, um Schlangen zu vermeiden.

Sie ist unbestritten die Ausstellung des Jahres und weckt Erinnerungen an den herausragenden Erfolg der „MoMA“. Im Bode-Museum hat am Donnerstag die Sonderausstellung „Gesichter der Renaissance“ ihre Pforten für die Besucher geöffnet. Bereits am Nachmittag waren mehr als 1200 Tageskarten verkauft. Der Kurator der Ausstellung, Stefan Weppelmann, zeigte sich zufrieden: „Ich freue mich über die vielen erwartungsvollen Besucher und den wundervollen italienischen Sonnenschein am ersten Ausstellungstag.“ Viele Kunstinteressierte waren schon am frühen Morgen zur Museumsinsel gekommen, um geduldig auf die Eröffnung der Ausstellung zu warten.

Eckart Kindel und seine Frau Reglinde kennen das. Schon einmal haben sie sich auf den Weg gemacht, um die „Gesichter der Renaissance“ zu bewundern. Damals sorgten sie für Heiterkeit bei den Museumsangestellten. „Wir haben erst am Ticketschalter bemerkt, dass wir ein Jahr zu früh da waren“, erzählt Kindel und lacht. Ein Glück, dass er und seine Frau in Berlin wohnen. Zur Museumsinsel haben sie es nicht weit. Am Donnerstag gehörte das Paar zu den ersten Besuchern. Nur zehn Minuten musste es warten. Mit ihren Early-Bird-Tickets konnten sie schon um halb zehn ins Museum, eine Stunde vor Beginn der normalen Öffnungszeit. Der Vorteil: „Man hat einen freien Blick auf die Porträts“, sagt Eckart Kindel. Denn nur 150 dieser Early-Bird-Tickets gibt es für jeden Ausstellungstag. Für viele Tage sind sie schon ausverkauft.

Besucher begeistert

Heinz Hinterleitner hat noch zwei der begehrten Tickets ergattern können. Er wohnt in der Nähe von Nürnberg und ist öfter mit seiner Frau in Berlin. „Meist für Museumsbesuche“; sagt er. Worauf er sich dieses Mal am meisten freue, sei wohl offensichtlich, sagt er. „Auf den Leonardo da Vinci natürlich.“ Dessen Porträt der „Dame mit dem Hermelin“ ist eine Leihgabe des Krakauer Czartoryski-Museums und für viele der unbestrittene Höhepunkt der Ausstellung.

Der zehnjährige Julien aus München hat es sich auf der Bordsteinkante bequem gemacht. Scheinbar desinteressiert wickelt er seine langen, blonden Haare um den rechten Zeigefinger. Doch der Eindruck täuscht. Julien langweilt sich ganz und gar nicht. Er liebt Kunstausstellungen und freut sich auf die „Gesichter der Renaissance“. Das Warten stört ihn nicht. „Bei Nofretete war die Schlange viel länger“, sagt er und klingt dabei wie ein weitgereister Kunstkenner. In München war Julien schon in jedem Museum. Seine Mutter nehme ihn immer mit, sagt er. Zurzeit verbringt er die Ferien bei seiner Großmutter in Berlin. Hanne Ogiolda freut sich über das Interesse ihres Enkels. Dabei weiß Julien gar nicht so genau, wo dieses große Interesse herkommt. „Ich finde Kunst einfach schön und die Geschichten spannend“, sagt er.

Streifzüge durch Berliner Museen

Einfach nur neugierig sind Hermann und Marlene Elseberg aus Osnabrück. Sie sind für ein paar Tage in Berlin und wollten sowieso ein Museum besuchen. „Da passte es gut, als wir gestern von dieser Sonderausstellung gelesen haben“, sagt Hermann Elseberg. Kunstexperten sind die beiden nicht. „Wir sind interessiert und gespannt, was uns erwartet“, sagt Marlene Elseberg.

Gut informiert ist hingegen Sabine Barthel. Sie geht regelmäßig auf Streifzüge durch die Berliner Museen. „Meistens gehe ich im Winter und am liebsten in den Gropius-Bau“, sagt sie. Eigentlich sei sie kein Fan von Sonderausstellungen. Doch die „Gesichter der Renaissance“ wolle sie sich nicht entgehen lassen. Sabine Barthel hat ihre Nichte mitgenommen. Ausgiebig erzählt sie ihr von den ausgestellten Porträts und deren Geschichte. „Wir sind direkt am ersten Tag gekommen, bevor der Andrang zu groß wird“, sagt sie. Die Wartezeiten der „MoMA“ sind unvergessen. Rund 30 Minuten werden sie wohl Geduld haben müssen, sagt Sabine Barthel. Als die Ausstellung um zehn Uhr öffnet, stehen sie und ihre Nichte fast am Ende der Warteschlange.

Flexibles Ticketsystem

Am Nachmittag ist die Menschenmenge vor den Ticketschaltern am Bode-Museum dann deutlich zusammengeschrumpft. „Keine 15 Minuten hat es gedauert, bis wir unsere Tickets hatten“, sagt Ralf Rost. In die Sonderausstellung kann er allerdings noch nicht rein. Ungefähr zwei Stunden müssen er und sein Freund Maik Richter warten. Dann werden sie per SMS informiert. Eine Wartenummer auf der Eintrittkarte sorgt dafür, dass nie mehr als 300 Besucher gleichzeitig Zutritt haben. So werden lange Warteschlangen an den Kassen vermieden. Wie die Wartezeit sinnvoll genutzt werden kann, schlagen die Berliner Museen auf ihrer Homepage vor. Dort gibt es eine Liste aller Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Rost und Richter freuen sich über das flexible Ticketsystem. „Es wäre nur praktisch, wenn es an allen Kassen auf der Museumsinsel auch Tickets für alle Museen gäbe“, sagen sie. Mit dunkler Sonnenbrille und lässigem T-Shirt wirken die beiden nicht wie typische Kunstfans. Dabei seien sie durchaus sehr interessiert, sagt Ralf Rost. Als sie im vergangenen Jahr in Berlin unterwegs waren, stand der Besuch der Nofretete auf dem Programm.

Für Amanda Seiffert sind solche Besuche Teil ihres Studiums. An der Technischen Universität Berlin studiert sie Kunstgeschichte. „Ich mag die Renaissance“, sagt sie. Mit Freundin Kerstin Przybilla, ebenfalls Kunsthistorikerin, will sie unter den „Gesichtern der Renaissance“ Neues entdecken. „Ich möchte die Gemälde sehen, die sonst nicht in Berlin ausgestellt sind“, sagt sie. Bis zum 20. November hat sie jetzt Zeit dafür.