Keine Obergrenze in Sicht

Warum in Berlin die Nebenkosten weiter steigen

Die Berliner zahlen für ihre Wohnungen immer höhere Nebenkosten, wie eine aktuelle Abfrage in einer Preisdatenbank für Strom, Wasser und Müll zeigt. Morgenpost Online mit den Gründen für die stark gestiegenen Abgaben.

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Die Nebenkosten machen das Wohnen nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland immer teurer. Dabei gibt es unter den deutschen Großstädten deutliche Preisunterschiede – bei einzelnen Kosten wie etwa Müllentsorgung beträgt die Differenz sogar bis zu 99 Prozent. In Berlin, so das Ergebnis der Preisdatenbank, das der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Montag in Potsdam vorgestellt hat, lebt es sich dabei noch vergleichsweise günstig. Jedoch sind auch hier die Kosten für Energie, Wasser und Müll um rund acht Prozent gestiegen. Die Brandenburger dagegen mussten lediglich drei Prozent mehr zahlen.

Für den großen Preisvergleich wurden die Ver- und Entsorgungspreise in den 61 größten brandenburgischen Städten sowie in Berlin und 18 weiteren deutschen Großstädten verglichen. Veröffentlicht werden in der seit 2007 alljährlich vorgelegten Datenbank erstmals nur noch Preise, die dem BBU von den Ver- und Entsorgern zuvor bestätigt wurden. „Hohe Beteiligungsquoten von bis zu 90 Prozent zeigen, dass Ver- und Entsorger die öffentliche Diskussion nicht länger scheuen. Das ist für uns sehr erfreulich“, so BBU-Vorstandmitglied Maren Kern.

Um den Berlinern und Brandenburgern ungefähre Hinweise zu geben, mit welchen Preisen sie zu rechnen haben, hat der BBU zudem die Kostensteigerungen für ein standardisiertes, mit Erdgas beheiztes Modellhaus berechnet. In dem Gebäude mit 30 Wohnungen, die jeweils 60 Quadratmeter groß sind und von zwei Personen bewohnt werden, müsste der Standardhaushalt mit Stand 1. Januar 2011 im Land Brandenburg demnach rund drei und in Berlin rund acht Prozent mehr für Energie, Wasser und Müllentsorgung zahlen als im Vorjahr. In Brandenburg bedeutete das für die Haushaltskasse der Mieter eine jährliche Mehrbelastung von rund 58 Euro auf nunmehr 1870 Euro, in Berlin wären es etwa 140 Euro mehr und damit 1800 Euro. Ver- und Entsorgungsdienstleistungen sind in Berlin damit zwar immer noch günstiger als im Durchschnitt des Landes Brandenburg. Die Differenz ist für den Fall des Modellhaushalts mit rund 70 Euro pro Jahr aber vergleichsweise klein. „Wie schon bei den Mieten, findet die Hauptstadtregion jetzt vielleicht auch bei den Ver- und Entsorgungsdienstleistungen allmählich zu einer Angleichung“, vermutet Kern.

Spitzenpreise für Berliner Wasser

Eine aus Sicht des BBU bedenkliche Spitzenposition nimmt Berlin jedoch immer noch bei den Wasserpreisen ein, obwohl diese seit 2009 kaum mehr erhöht wurden. In keiner einzigen Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern sind die Preise auch nur annähernd so hoch wie in Berlin. Für Trink-, Abwasser und Niederschlagswasser zahlen nur die Einwohner von kleineren Städten wie Potsdam (6,28 Euro pro Kubikmeter) und Halle/Saale (5,97 Euro) und Chemnitz (5,13 Euro) noch mehr als die Berliner. Mit durchschnittlich 5,10 Euro pro verbrauchtem Kubikmeter ist das Berliner Wasser 52 Prozent teurer als etwa in Köln (3,36 Euro). Bei einem Jahresverbrauch von 100 Kubikmetern müsste der Berliner Modellhaushalt also 510 Euro bezahlen.

Größter Preistreiber bei den Betriebskosten sind, wenig überraschend, jedoch die stark gestiegenen Energiepreise. In der deutschen Hauptstadt sind die Preise für Gas um satte 16,3 Prozent gestiegen. Für den BBU-Musterhaushalt bedeutet das eine Mehrbelastung von rund 83 Euro. Berlin rückt damit beim Gaspreis ins Mittelfeld der Versorger auf, nachdem es im Vorjahr noch zu den günstigsten Städten gezählt hatte. „Die Verbraucher sehen sich den Preissprüngen hilflos ausgesetzt“, so die BBU-Chefin. Kurzlebige Preisanhebungen oder -senkungen hätten mit der Inflationsentwicklung weniger zu tun als eher mit Energie-Spekulationen, so Kern weiter: „Hier brauchen wir eine stärkere Preisaufsicht.“ Das ginge vor allem über leistungsfähige Kartellbehörden.

Ebenso wie die Gaspreise sind auch die Strompreise kräftig gestiegen. Die Berliner zahlen für eine Megawattstunde (MWh) zum 1. Januar 2011 rund 59 Euro. Strom verteuerte sich vom 1. Januar 2010 bis zum 1. Januar 2011 um 10,1 Prozent. Die Kilowattsunde (kWh) kostete in Berlin rund 25 Cent. Der Musterhaushalt müsste hier bei einem Jahresverbrauch von 2500 kWh rund 628 Euro ausgeben. Das bedeutet eine Mehrbelastung von fast 58 Euro.

Noch vergleichsweise günstig sind dagegen die Preise für Fernwärme. Die Megawattstunde kostete zum 1. Januar 2011 in Berlin knapp 76 Euro. „Da von Vattenfall keine Bestätigung des entsprechenden Vorjahrespreises für den BBU-Modellhaushalt vorliegt, ist jedoch kein Jahresvergleich möglich“, bedauert Kern.

Erfreulich niedrig sind dagegen weiterhin die Berliner Müllentsorgungspreise. Während Potsdamer bereits 2009 rund 43 Prozent mehr für die Entsorgung zahlen mussten, hatten sie 2010 erneut tiefer in die Tasche zu greifen: Die Müllabfuhr verteuerte sich nochmals um 9,8 Prozent (34,45 Euro pro Kubikmeter) , während die Berliner lediglich ein Prozent mehr zahlen müssen (23,16 Euro). Für seine 3,12 Kubikmeter Müllaufkommen pro Jahr würden dem BBU-Modellhaushalt hier rund 72 Euro in Rechnung gestellt. Die Mehrbelastung beträgt damit moderate 80 Cent.

Ver- und Entsorgungsdienstleistungen seien insgesamt im Land Brandenburg oft deutlich teurer als in Berlin, so Maren Kern. So kostet Fernwärme im brandenburgischen Durchschnitt rund 30 Prozent, Gas rund acht Prozent und Strom über zehn Prozent mehr als in Berlin. Am deutlichsten ist die Preisdifferenz jedoch mit über 110 Prozent beim Müll. Im Land Brandenburg seien zudem auch die regionalen Preisunterschiede oft eklatant.

Ein Drittel der Warmmiete

„Die Betriebskosten machen mittlerweile rund ein Drittel der Warmmiete aus“, so Maren Kern. Deshalb sei mehr Transparenz auf den Märkten für betriebsrelevante Ver- und Entsorgungsleistungen dringend geboten. Eine Vielzahl von Preis- und Tarifbestandteilen erschwere den Verbrauchern aber oft den Vergleich. Mit der Preisdatenbank will der BBU für Abhilfe sorgen. Kern: „Die Verbraucher sollen fragen können, wieso sie in ihrer Stadt mehr für eine Leistung bezahlen müssen als in einer anderen.“