Bauarbeiten

Berliner Autofahrer erwartet neue Staufalle

Wegen maroder Fahrbahndecken und Versorgungsleitungen werden zahlreiche Straßen in Mitte saniert. Darunter die vielbefahrene Torstraße. Dagegen kann der Verkehr auf der Straße des 17. Juni nach den Bauarbeiten wieder ungehindert fließen.

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Berlins staugeplagte Autofahrer müssen sich auch in den nächsten Wochen auf zahlreiche Engpässe speziell in der östlichen Innenstadt einrichten. Kaum, dass die Sperrungen etwa auf der Straße des 17.Juni aufgehoben sind, kündigte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) eine lange Liste neuer Bauarbeiten an. Ganz oben steht dabei erneut eine wichtige Ost-West-Verbindung, nämlich die Torstraße. Die Straße hatte in den vergangenen Jahren stadtweite Berühmtheit erlangt, weil nirgendwo anders nach Frost und Schnee so viele Schlaglöcher aufbrachen, wie auf der viel befahrenen Magistrale zwischen Rosenthaler Platz und Oranienburger Tor.

Rechtzeitig vor dem nächsten Winter will der Bezirk nun drei weitere Straßenabschnitte sanieren. Im September und Oktober sollen 800 Meter Fahrbahn einen neuen Belag erhalten – unter anderem zwischen Rosenthaler Platz und Gartenstraße sowie zwischen Borsig- und Chausseestraße. Die genauen Termine für die Arbeiten stehen noch nicht fest. „Wir wollen sie aber möglichst auf die Zeit der Herbstferien konzentrieren“, sagte Thomas Schuster vom Straßen- und Grünflächenamt. 250.000 Euro aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Senats stehen für diese Arbeiten bereit. Straßenschäden will der Bezirk ab Montag bis zum 28.?August auf der Bornholmer Straße (zwischen Bösebrücke und Jülicher Straße) sowie ab 1.September auf der Potsdamer Straße (zwischen Lützowstraße und Schöneberger Ufer) beseitigen lassen.

Straße des 17.Juni wieder frei

An anderer Stelle kann dagegen der Autoverkehr wieder einigermaßen ungehindert rollen: Nach fast zwei Wochen Vollsperrung ist etwa die Straße des 17. Juni wieder geöffnet. Knapp 3,3 Millionen Euro hat das Land Berlin in die Erneuerung der Gehwege entlang der Straße sowie in die Schaffung von Strom- und Wasseranschlüsse investiert, damit die Straße besser für Großveranstaltungen genutzt werden kann. Dieses Projekt ist jetzt weitgehend abgeschlossen. Zuletzt wurde nun noch die Fahrbahn im Bereich zwischen dem Platz des 18.? März und der Yitzhak-Rabin-Straße sowie zwischen Kleinem und Großem Stern erneuert. Finanziert werden die insgesamt 550.000 Euro teuren Arbeiten ebenfalls aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Senats.

Doch längst nicht alle großen Straßenbauarbeiten konnte der Bezirk rechtzeitig zum Ende der Sommerferien abschließen. Besonders ärgerlich dürfte dabei für viele Autofahrer der weiter bestehende Engpass auf der Seestraße in Wedding sein.

Seit gut drei Wochen lässt der Bezirk auf dem wichtigen Zubringer zur Stadtautobahn die Fahrbahn sanieren. Kosten: 320.000 Euro, das Geld dafür kommt ebenfalls aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Senats. Noch bis 22.August steht in beiden Richtungen nur jeweils eine Fahrspur zur Verfügung. „Wir sind über die lange Bauzeit selber nicht glücklich“, sagte Stadtrat Gothe. Grund dafür seien aber auch Auflagen der Verkehrslenkung Berlin (VLB), die im Auftrag des Senats alle großen Bauprojekte so koordinieren soll, dass der Verkehr in der Stadt nicht zusammenbricht. Verlangsamt würden die Arbeiten auch dadurch, dass auf der Seestraße nur an einer Spur pro Richtung gearbeitet werden darf. „Für ein hohes Bautempo und geringe Baukosten sind Vollsperrungen immer besser, aber das geht bei einer so wichtigen Durchgangsstraße leider nicht“, so Baustadtrat Gothe.

Schon den gesamten Sommer über wird an zahlreichen Stellen im Berliner Straßennetz intensiv gebaut. Allein in Mitte gibt es aktuell rund 50 große Bauplätze. Nicht selten sind neuralgische Punkte wie etwa der Tunnel unter dem Alexanderplatz oder die Leipziger Straße betroffen. Nicht immer geht es dabei um das Sanieren löchriger Fahrbahnen. An vielen Stellen sind auch Versorgungsunternehmen wie die Berliner Wasserbetriebe oder Vattenfall dabei, ihre Leitungen zu erneuern.

Großer Nachholbedarf

„Im konkreten Einzelfall tut mir jede Sperrung, jeder Stau für die betroffenen Verkehrsteilnehmer leid. Andererseits beklagen sich die Autofahrer zu Recht über marode Straße und Wege, und deren Zustand kann man eben nur durch Bauarbeiten verbessern“, sagte Baustadtrat Gothe. Berlin mache derzeit eine enorme Verjüngungskur und die Menschen sollten froh darüber sein, dass die Stadt auch die finanzielle Kraft dafür habe. Gerade in der östlichen Stadthälfte gebe es aufgrund der jahrelangen Vernachlässigung noch immer einen großen Nachholbedarf.

Ein zweites Problem sei der schlechte Zustand vieler unterirdischer Leitungen. „Ein Großteil der Stadt-Infrastruktur ist inzwischen um die 100 Jahre alt, da ergibt sich jetzt ein enormer Erneuerungsbedarf“, so Gothe. Der Baustadtrat weist jedoch den Vorwurf etwa des Automobilklubs ADAC zurück, es mangele an einer sinnvollen Koordinierung der Arbeiten. Gothe rollte eine große Innenstadt-Karte aus, in der detailliert mehr als 100 Baustellen eingezeichnet sind. „Solche Karten gibt es bis ins Jahr 2018, die werden auch ständig aktualisiert.“ Allerdings seien die Arbeiten etwa der Wasserbetriebe zeitlich kaum zu beeinflussen. So habe es vor einigen Jahren auch auf Wunsch der Industrie- und Handelskammer eine Liberalisierung gegeben, die es den Unternehmen erlaubt, die Straßen „zu jeder Zeit und jedem Ort“ ohne Genehmigung des Tiefbauamts zu öffnen. Einzig eine geringe Sondernutzungsgebühr müsse dann gezahlt werden. Diese sei aber so gering, dass dadurch kaum der Druck entstehe, die Arbeiten möglichst rasch zu beenden. „Daran etwas zu ändern, sollte ernsthaft vom Senat überlegt werden“, sagte Gothe.