Tierschutz

Berlins Katzen sollen einen Chip bekommen

Klaus Lüdcke, Tierschutzbeauftragter des Berliner Senats, fordert mehr Auslaufflächen für Hunde sowie eine Markierung für Katzen. Er verwies auch auf die schwierige finanzielle Situation der Tiersammelstellen.

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Der Zirkus ist doch eigentlich eine tolle Sache. Feuerspucker, Akrobaten und Seilspringer führen waghalsige Stunts auf. In bunten Kostümen unterhalten junge Menschen ihr Publikum. Und das alles unter einem riesigen Zeltdach. „Ich bin ein großer Fan davon“, sagt Klaus Lüdcke. Nur bei einem Thema versteht der Tierschutzbeauftragte des Berliner Senats überhaupt keinen Spaß. Wenn Bären und andere Wildtiere durch die Manege geführt werden. „Die gehören da nicht hin“, sagte Lüdcke am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Tierschutzberichtes. Innerhalb des letzten Jahres hat er 450 Hinweise aus der Berliner Bevölkerung erhalten, dass Wildtiere im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden.

Auch das Schicksal der beiden Berliner Stadtbären Maxi und Schnute lässt Lüdcke nicht los. Über die Zukunft der beiden Tiere im Zwinger von 1939 seien Gespräche mit dem Bezirk Mitte als Eigentümer gelaufen. „Der Zwinger ist mir ein Dorn im Auge“, sagte Lüdcke. Die Haltung sei nicht artgerecht, entspreche aber gerade so noch den gesetzlichen Anforderungen. Lüdcke forderte, die beiden Bären in einem Bärenpark unterzubringen, um ihnen „wenigstens noch einen angenehmen Lebensabend zu ermöglichen“. Das sei schließlich kostenlos möglich. Der Bezirk habe sich aber bislang dagegen ausgesprochen. Nach den Wahlen sollen weitere Gespräche folgen. 1800 weitere Anfragen und Hinweise erhielten Lüdcke und sein Team im letzten Jahr; die meisten drehten sich um Verstöße gegen das Tiergesetz.

Hundekotproblem nicht gelöst

Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke), die am Dienstag gemeinsam mit Lüdcke den Tierschutzbericht vorstellte, unterstützt die Arbeit des Tierschutzbeauftragten. „Sein Engagement genießt über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung“, sagte die Senatorin.

Ein großes Problem in der Stadt ist nach wie vor der Hundekot. Das sieht auch Lüdcke so. „An einigen Stellen ist es besser geworden, aber nicht überall“, sagte er. Als positives Beispiel nannte der Tierschutzbeauftragte die vier Hundegärten im Bezirk Reinickendorf oder das Pankower Auslaufgebiet Arkenberge. „In der Nähe von Auslaufgebieten und dort, wo Tütenspender stehen, hat sich das Hundekotproblem fast erledigt“, heißt es dazu im aktuellen Tierschutzbericht. Dort sei die Stadt sauber. Allerdings helfe das nicht den von Hundekot betroffenen innerstädtischen Kiezen, hier bestehe Handlungsbedarf, so Lüdcke.

Mit großer Sorge blickt der Tierschutzbeauftragte auch auf den Handel mit Welpen. „Die Tiere werden ihrer Mutter viel zu früh entrissen“, sagte Lüdcke. Da die Tiere auf die Muttermilch und den sozialen Kontakt verzichten müssen, werden sie dann oft krank. Die Behandlung beim Tierarzt werde für die Besitzer extrem teuer, so Lüdcke. Zudem forderte der Tierschutzbeauftragte die Markierung von Katzen mit elektronischen Chips und eine verstärkte Kastration. Die Kosten für die Chips seien den Tierbesitzern, deren Katzen oft keine reinen „Stubentiger“ seien, zuzumuten, sagte Lüdcke. Immerhin zahle jeder Hundebesitzer auch Steuern für sein Tier. Die Ausstattung mit Chips für Katzen kostet 35 Euro pro Tier, so Lüdcke.

Schwierige finanzielle Situation in Tierheimen

Kritisch stellt sich die finanzielle Situation in der Tiersammelstelle beim Tierheim Berlin dar. Das Land zahlte zwar im Jahr 2009 einen Zuschuss von knapp 675.000 Euro, allerdings reicht das nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Mit 3,6 Millionen Euro stand die Einrichtung im Minus. Mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen musste das Defizit ausgeglichen werden. Ein Grund für das Minus: Laut Lüdcke dauert es lange, bestimmte Tiere zu vermitteln. Kampfhunde werden im Schnitt über 500 Tage von den Mitarbeitern betreut, ehe sich ein Käufer findet.

Ein weiteres Thema, das in Berlin immer wieder zu Diskussionen führt, sind die Stadttauben. Klaus Lüdcke stellte dazu klar: „Die Tiere sind keine Schädlinge.“ Eine gesundheitliche Gefahr gehe von ihnen nicht aus. 10.000 Tauben gibt es laut Lüdcke in der Hauptstadt. In Wedding sei es mit dem Aufstellen von Taubenschlägen gelungen, die Tiere von der Straße und aus Bahnhöfen zu vertreiben.

Seit vier Jahren ist Klaus Lüdcke ehrenamtlicher Tierschutzbeauftragter des Senats. Die Amtszeit ist jeweils auf zwei Jahre begrenzt. Senatorin Lompscher möchte auch in Zukunft an dem Amt festhalten. „Ich glaube, dass es sich bewährt hat“, sagt sie. Auch Klaus Lüdcke hat noch Freude an seinem Job, er möchte weiter für sein Ziel arbeiten: den Tierschutz in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. „Denn da gehört er hin“, sagte Lüdcke.