Papst in Berlin

Im Olympiastadion werden die Plätze knapp

In sechs Wochen kommt der Papst nach Berlin. Und die Sitzplätze für seine Messe im Olympiastadion sind schon fast alle vorreserviert. Auch Berlins Hotels sind nahezu ausgebucht.

„Ratzefummel“ und „Ökumene-Eis“: Das gibt es bisher zwar nur in Freiburg und Erfurt, doch der offizielle Online-Shop der Deutschen Bischofskonferenz zum Papstbesuch in Deutschland lässt auch bei Berlinern keine Wünsche offen. Kugelschreiber, T-Shirts, Armbänder und Leuchtkerzen sind Bestseller. Die Einnahmen sollen einen Teil der Reisekosten von rund 25 bis 30 Millionen Euro refinanzieren.

Die Papst-Pilger werden also vorbereitet sein, der Heilige Vater kann kommen. Am 22. September ist Benedikt XVI. in der Hauptstadt, trifft Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anschließend wird Gottesdienst gefeiert: Um 18.30 Uhr findet die Heilige Messe im Olympiastadion statt. „Das Stadion wird voll“, sagt Stefan Förner vom Erzbistum Berlin. Das Bistum registriert die Anmeldungen, die im Internet unter www.papst-in-deutschland.de abgegeben werden können.

Rund 63.000 Gläubige haben ihre Teilnahme am Gottesdienst bereits zugesagt, täglich gehen 500 bis 1000 neue Kartenbestellungen ein. 70.000 Besucher passen in das Fußballstadion, dann ist die Sitzplatzkapazität ausgeschöpft. „Wenn wir voll sind, dann überlegen wir, was passiert“, sagt Förner. Einen konkreten Plan B gebe es aber noch nicht.

Sechs Wochen vor dem Papstbesuch am 22. September sind in Berliner Hotels nur noch wenige Zimmer rund um diesen Termin verfügbar. Fast alle Hotels seien für diesen Zeitraum bereits „sehr, sehr gut gebucht“, sagt Christian Tänzler, Sprecher von „Visit Berlin“. Das liege aber nicht ausschließlich am Papstbesuch, sondern auch am Berlin-Marathon, der am 25. September stattfindet. „Jedem, der das Wochenende nach dem Papstbesuch in Berlin verbringen möchte, kann ich nur raten, rechtzeitig zu buchen“, sagt Tänzler.

Grund zur Panik bestehe jedoch nicht: Nach Angaben des Tourismusportals verfüge die Hauptstadt über 120.000 Betten in 760 Hotels. „Irgendwo wird es sicher noch freie Plätze geben. Fraglich ist aber, ob es sich dabei dann auch um die gewünschte Preiskategorie handelt“, sagt Tänzler.

Besonders viele Besucher aus Polen

Der September sei die Hochsaison für Stadtreisen, „Visit Berlin“ erwartet erfahrungsgemäß in diesem Monat mehr als zwei Millionen Besucher in der Stadt. Mit einem Ansturm von Gläubigen vor allem aus Polen rechnet das Tourismusportal zum Papstbesuch. Nicht umsonst sei der Gottesdienst am Abend des 22. Septembers vom Schloss Charlottenburg in das Olympiastadion verlegt worden, sagt Tänzler.

Freie Plätze sind auch andernorts rar gesät. „Bei uns sind nur noch wenige Zimmer frei“, sagte ein Sprecher des Hotelunternehmens Accor, das in Berlin nach eigenen Angaben 35 Hotels mit rund 5200 Zimmern betreibt. Eine Sprecherin des Berliner Nobelhotels Adlon bestätigt diesen Trend. Bereits ausgebucht ist das Hotel Albrechtshof. Das Haus gehört zusammen mit sechs anderen Berliner Hotels dem Dachverband Christlicher Hoteliers an. 277 Betten stehen zur Verfügung, aber während des Papstbesuchs„ist definitiv kein Bett mehr frei“, sagte eine Sprecherin des Hauses. Vorrangig Kirchenmitglieder übernachten hier. Die Besonderheit des Hauses ist ein Raum der Stille: die Martin-Luther-King-Kapelle. Es gibt Morgenandachten und auf jedem Zimmer eine Bibel. Sonst unterscheide sich der Albrechtshof aber nicht von anderen Hotels. „Das Christliche spürt man bei uns eher im Miteinander“, sagt Stephanie Lange, Leiterin der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit.

Stefan Förner vom Erzbistum Berlin glaubt hingegen an ein Tages-Event: Der Gottesdienst gehe bis 20.30 Uhr, anschließend „werden wohl viele Besucher eine Nachtschicht einlegen und morgens wieder abreisen“ – ohne eine Übernachtung zu buchen. Vorsichtshalber bringt das Bistum „pflegeleichte Gruppen“ wie Schulklassen und Studenten in Turnhallen katholischer Schulen unter. Dort gebe es zwar noch einige wenige freie Plätze, aber „offensiv bewerben wollen wir diese lieber nicht mehr.“