Eifersuchtsdrama in Wedding

Polizei fahndet nach Mörder von zwei Frauen

Ein 25-Jähriger hat im Berliner Ortsteil Wedding auf ein voll besetztes Auto geschossen. Dabei wurden zwei Frauen getötet und ein Mann lebensgefährlich verletzt. Die Polizei fahndet nach dem flüchtigen und bewaffneten Täter.

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Mann erschiesst zwei Frauen, verletzt auch andere. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus.

Video: Reuters
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Donnerstagvormittag, Kolberger Straße in Wedding, westlich vom Humboldthain: Auf der ruhigen Wohnstraße peitschen gegen 10.20 Uhr plötzlich mehrere Schüsse auf. Ein Mann in einer Lederjacke zielt mit einer Pistole auf die Fahrerseite eines Autos und drückt immer wieder ab. Schreie gellen über die Straße, der Kopf des Fahrers im dunkelblauen Mitsubishi Carisma fällt auf das Lenkrad, bleibt regungslos liegen. Der Schütze umrundet den Wagen, der kurz zuvor aus einer Parklücke gefahren war. Erneut feuert er auf das voll besetzte Auto. Dann rennt der Mann in Richtung Wiesenstraße davon und ist im nächsten Moment verschwunden. So beschreibt Angelika T., die kaum 20 Meter vom Tatort entfernt in einem Büro gearbeitet hat, die Schießerei. Zwei ihrer Arbeitskollegen versuchen noch, den Täter zu verfolgen, verlieren den jungen Mann aber schnell aus den Augen. „Der muss sich hier sehr gut auskennen“, sagt Angelika T.

Passanten leisten Erste Hilfe

Sie selber hilft mit anderen Passanten, die Beifahrertür der betagten Limousine aufzureißen, doch sie klemmt. Dann steigen ein Mann und eine Frau offensichtlich unter schwerem Schock aus dem Wagen. Mindestens drei Einschusslöcher weist die Karosserie auf. Ein Kollege von Angelika T. reißt sich sein T-Shirt herunter und versucht, die heftigen Blutungen des angeschossenen Autofahrers zu stoppen. Die Ersthelfer reagieren instinktiv, während andere Passanten tatenlos herumstehen. Erst später versteht Angelika T. das fürchterliche Geschehen. Sie bricht in Tränen aus. „Der Mann hatte sogar noch nachgesehen, ob er getroffen hat. Mit der in die Luft erhobenen Pistole“, berichtet die Frau bestürzt.

Wenig später treffen Notarztwagen und Funkstreifen am Tatort unweit der Einmündung in der Wiesenstraße ein. Von den drei Frauen aus dem Wagen sind eine 45-Jährige und eine 22-Jährige von Schüssen getroffen – es soll sich um Mutter und Tochter handeln. Die ältere der beiden stirbt noch am Tatort, die jüngere Frau wird, ebenso wie der Fahrer, ins Krankenhaus gebracht.

Zwei der Autoinsassen werden nicht von dem Pistolenschützen getroffen, leiden jedoch unter schweren Schockzuständen. Sie sollen die Ex-Frau des Täters und ihr neuer Lebensgefährte sein. Beide werden nach einer Erstversorgung durch Notfallsanitäter in Krankenhäuser gebracht. Zuvor können sie den ersten Polizisten, die am Einsatzort eintreffen, noch mitteilen, dass sie den Schützen kennen. Es handelt sich um den 25 Jahre alten Mehmet Y.

Die Polizei sperrt den Unglücksort weiträumig ab, gleichzeitig beginnt die Fahndung nach dem Pistolenschützen. Das Verbrechen zieht rasch zahlreiche Schaulustige an, die die Szenerie hinter den Absperrbändern und aus umliegenden Fenstern verfolgen. Dabei wird heftig diskutiert. Der Täter habe mit der Pistole in der Hand hinter einer Häuserecke auf seine Opfer gewartet, will ein Anwohner beobachtet haben. Nach seinen Schilderungen waren die Frauen und Männer bereits auf ihr Auto zugerannt, so, als würden sie vor jemandem flüchten. Nachdem sie den Mitsubishi erreicht hätten, habe der Schütze das Feuer eröffnet. Ein schockierter Anwohner beschreibt die Szenerie nach den Schüssen „als schrecklich und unwirklich“. Er habe zum Tatzeitpunkt an seinem Computer gespielt, bei dem er selber imaginär geschossen habe – bis ihm auffiel, dass in der Nähe gerade echte Schüsse abgefeuert werden. Erst dann sei er auf die Straße gestürmt und habe die Verletzten gesehen.

Kriminaltechniker untersuchen unterdessen den Tatort und die nähere Umgebung nach Spuren. Über das von Schüssen am Kotflügel und Fahrertür getroffene Auto wird ein Zelt gestellt; falls es regnet, sollen keine Spuren vernichtet werden. Nur die Frontscheibe des Mitsubishis ist heil geblieben, der Wagen wird am Nachmittag zu weiteren Untersuchungen mit einem Transporter auf ein Polizeigelände geschleppt.

Fest steht bereits, dass das Auto entweder stand oder sehr langsam fuhr, als die ersten Schüsse fielen, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Der Wagen sei nach dem Anschlag schräg zur Fahrbahn zum Stehen gekommen. Am Tatort kommen auch Sprengstoffspürhunde des Landeskriminalamtes zum Einsatz. Tatsächlich entdecken die speziell ausgebildeten Tiere in Bodenritzen und an anderen Stellen weitere Patronenhülsen.

Für die Polizei steht unterdessen fest, dass von einer Beziehungstat auszugehen ist. Es gibt Gerüchte, dass der 25-Jährige ganz gezielt eine Gelegenheit gesucht habe, seine Ex-Frau und ihren neuen Lebensgefährten gleichzeitig zu treffen. Die Beamten der 3.Mordkommission ermitteln mit Hochdruck und fahnden nach dem Täter. Wie Zeugen berichten, war er nach dem Anschlag die Wiesenstraße entlang in Richtung Pankstraße gelaufen. Dort verliert sich die Spur des 25-Jährigen.

SEK in Bereitschaft

Jetzt werden Bewegungsprofile des Gesuchten erstellt, sein persönliches Umfeld und mögliche Aufenthaltsorte ermittelt. Ein Spezialeinsatzkommando hält sich bereit, weil damit zu rechnen ist, dass der Gesuchte erneut seine Pistole benutzen wird.

Am späten Nachmittag kommt die nächste schockierende Nachricht: Auch die lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebrachte Frau ist tot. Bereits zwei Stunden nach der Bluttat haben die behandelnden Ärzte im Krankenhaus den Hirntod der 22-jährigen Frau festgestellt.

Zahlreiche Angehörige der betroffenen Familie, die nur wenige Meter vom Tatort entfernt an der Hochstraße wohnt, betrauern lautstark unter Tränen den Tod der jungen Frauen. Wie schon andere Passanten zuvor werden auch diese verzweifelten Menschen von Seelsorgern betreut. Der 27-jährige Fahrer ringt auch am Abend noch auf der Intensivstation einer Klinik um sein Leben.

Die Fahndung nach dem Pistolenschützen, der zwei Menschen getötet und einen weiteren lebensgefährlich verletzt hat, bleibt bis in den Abend zunächst ohne Erfolg. Ein Ermittler erklärt aber, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Gesuchte aufgespürt und festgenommen wird.

Polizei und Staatsanwaltschaft suchen jetzt nach dem tatverdächtigen Mehmet Y.. Sie fragt:

Wer kann Angaben zu den Geschehnissen am Tatort machen?

Wer kann Hinweise zum derzeitigen Aufenthaltsort des Y. geben?

Hinweise nehmen die 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße 30 in Berlin-Schöneberg unter der Rufnummer (030) 4664- 911333 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Das Bild des Gesuchten finden Sie auf der Internetseite der Berliner Polizei.