Krankenhausversorger

Vivantes schickt Fachkräfte nach Offenbach

Der kommunale Berliner Krankenhausversorger Vivantes wird sich um das wirtschaftlich in Not geratene Klinikum Offenbach kümmern. Nicht mit Geld, sondern mit Fachkräften.

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Vivantes wird sich um das wirtschaftlich in Not geratene Klinikum Offenbach kümmern. „Wir sind gebeten worden zu helfen“, sagte Geschäftsführer Joachim Bovelet. Nach dem Motto „kommunal hilft kommunal“ wolle man dies jetzt tun. Eine finanzielle Beteiligung werde es aber nicht geben.

Der Interimsvertrag läuft vorerst für ein halbes Jahr. Konkret sieht er vor, dass fünf leitende Mitarbeiter des Berliner Krankenhauskonzerns nach Offenbach entsandt werden. Franziska Mecke-Bilz, die bei Vivantes die Position der Direktorin des Pflege- und Betreuungsmanagements inne hat, wird ab Montag als Geschäftsführerin in Offenbach eingesetzt. Vier weitere Vivantes-Mitarbeiter sollen in Hessen eine erste Analyse der wirtschaftlichen Situation und Struktur der Abläufe vornehmen. Die vorgesehene Vergütung des Management-Vertrags bleibe unter der Ausschreibungsgrenze, hieß es.

Der am Mittwoch unterschriebene Vertrag läuft ab Montag. Die Stadt Offenbach rettete das Klinikum im Juli mit einer Finanzspritze von 30 Millionen Euro vor der drohenden Insolvenz. Diesen Zuschuss erhielt das 800-Bettenhaus nur unter der Bedingung, sich einem Verbund anzuschließen. Eine Kooperation mit Partnern vor Ort scheiterte, das Klinikum Offenbach wählte deshalb den Partner in Berlin.

Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums Offenbach, begrüßte eine längerfristige Kooperation. „Vivantes steht für eine hohe Managementexpertise und eine vorbildliche Konzernstruktur“, sagte er. In den nächsten Monaten soll entschieden werden, wie es weitergeht.

Vivantes schloss eine langfristige Kooperation nicht aus. Der Aufsichtsrat habe in solchen Sachen auch Mitspracherecht, sagte eine Sprecherin. Vivantes-Chef Bovelet ist seit längerer Zeit auf der Suche nach Kooperationspartnern. Er favorisiert eine Fusion mit der Charité – in den letzten Monaten rückten kommunaler Versorger und Uniklinikum enger zusammen. Er favorisiert außerdem die Gründung einer kommunalen Aktiengesellschaft, die der Geschäftsführung von Vivantes mehr Freiheiten ließe. Andere Kliniken warteten nur darauf, sich dieser AG anschließen zu können, betonte Bovelet vor einigen Monaten in Fachkreisen.

Schon jetzt ist Vivantes der deutschlandweit größte und bekannteste kommunale Krankenhauskonzern. Im vergangenen Jahr fuhr er 6,3 Millionen Euro Gewinn ein, seit sieben Jahren kann er nach eigener Aussage schwarze Zahlen vorweisen. Rund 500.000 Berliner Patienten werden in über 100 Kliniken und Instituten von Vivantes behandelt. Der Krankenhauskonzern hält über 5000 Betten und beschäftigt rund 13.500 Mitarbeiter. Zur Klinikkette zählen unter anderem neun Krankenhäuser, 12 Pflegeheime und ambulante Krankenpflege.

Zuletzt geriet das kommunale Klinikum in negative Schlagzeilen. Eine ehemalige Altenpflegerin, die in einem Reinickendorfer Heim tätig war, hat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen Vivantes geklagt und Recht bekommen. Sie hatte den strikten Sparkurs des Unternehmens und die daraus resultierenden Pflegemängel kritisiert und war daraufhin fristlos gekündigt worden.