Gesundheit

Berliner Klinik-Konzerne streiten um die Macht

Seit Finanzsenator Ulrich Nußbaum das Geldproblem der Charité ins Visier genommen hat, sind Berlins Spitzenmediziner in Aufruhr. Im Unterschied zum landeseigenen Klinikkonzern Vivantes schreibt die Uni-Klinik Verluste. Dafür aber lebt sie vom Ruf exzellenter Wissenschaftler. Zwei Systeme in Rivalität.

Es war eine Pyramide, die die Professoren der Berliner Charité in Rage brachte. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hatte das Problem des Klinikums mittels Dreieck dargestellt. Die Spitze mit der Fakultät und ihren Spitzenmedizinern mache 20 Prozent aus, beherrsche aber den Krankenhausbetrieb und führe schließlich zu einem Jahresverlust von 20 Millionen Euro.

Die Professoren verstanden die Pyramide als Sperrspitze gegen ihre Arbeit und beschwerten sich in einem Brief beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Es geht in diesen Monaten um die Macht im Gesundheitswesen.

Auf der einen Seite steht die Charité, die in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feiert. Altehrwürdig. Hoch angesehen. Mit 3000 Klinikbetten, 10.000 Beschäftigten an vier Standorten. Aber mit einem Jahresverlust von knapp 20 Millionen Euro. Auf der anderen Seite steht der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes mit ebenfalls etwa 10.000 Ärzten, Pflegern und Schwestern, 5000 Betten in neun Krankenhäusern.

Im Unterschied zur Charité macht Vivantes Gewinne. Der nach eigenen Angaben größte kommunale Klinikkonzern Deutschlands erwirtschaftete 2008 einen Überschuss von 2,4 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Wettbewerb zwischen Charité und Vivantes um das Geld des Senats für bauliche Investitionen. Allein die Charité braucht 650 Millionen Euro.

Letztlich ist es aber auch eine Systemfrage. „Es geht um den Weltruf der Charité“, sagt Vorstandschef Karl Max Einhäupl. Das Ansehen der Charité generiert sich im Wesentlichen aus der wissenschaftlichen Arbeit der Professoren. Nach ihrem Verständnis muss die Forschung auch etwas kosten dürfen. Dafür entstehen Spitzen-Arbeitsplätze in der Gesundheitsstadt Berlin. Vivantes versteht sich dagegen in erster Linie als Versorger der Berliner Patienten und will die Kranken schnell wieder fit machen. Mit Umsatz macht man Gewinn.

Rivalität zeigt sich auch politisch

Die Rivalität der Mediziner zeigt sich auch in den politischen Fronten. Vivantes erhält Rückendeckung von der Linkspartei und ihrer Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher, während die Charité auf Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) setzt. Dazwischen sitzt der Finanzsenator, den Berlins Regierender Bürgermeister aus Bremerhaven geholt hat, um alte Strukturen aufzubrechen. Nun soll der Finanzsenator die beiden Konzerne zum gemeinsamen Agieren verpflichten. Das fusionierte Großlabor soll nur ein Anfang sein.

Die Rivalität kristallisiert sich exemplarisch im Südwesten der Stadt. Die Zukunft des Steglitzer Uniklinikums Benjamin Franklin, das zur Charité gehört, ist offen. Erwogen wird eine Teilung: Hier die Professoren und ihre Forschung (Charité), da die Krankenversorgung (Vivantes).

Dafür müsste Vivantes sein Auguste-Viktoria-Klinikum aufgeben, um so zu sparen. Das sieht zumindest Nußbaums Plan vor. Noch ist nichts beschlossen. In der SPD gibt es auch Stimmen, die eine Entscheidung erst nach der Wahl 2011 fordern. Der Kampf geht weiter.