Gewaltattacke

Vater verprügelt - Polizei sucht vierten Täter

Ein 53 Jahre alter Berliner war von vier Jugendlichen verprügelt worden, als er seine Tochter schützen wollte. Für Unverständnis sorgte die Tatsache, dass der brutale Vorgang von der Polizei relativ spät öffentlich gemacht wurde.

Foto: Buddy Bartelsen

Ein 53-jähriger Mann wird vor den Augen seiner 22 Jahre alten Tochter von Jugendlichen verprügelt und schwer verletzt. Wieder eine neue Attacke, die die Gemüter erhitzt: Vier gewaltbereite Teenager schlagen und treten in Tempelhof hemmungslos auf einen Erwachsenen ein und können flüchten, bevor irgendjemand dem Opfer zu Hilfe kommt. Immerhin konnten drei von vier Verdächtigen schon wenig später gefasst, der vierte zumindest identifiziert werden. Dennoch bleibt die ernüchternde Erkenntnis: Auch der verstärkte Einsatz zusätzlicher Sicherheitskräfte von BVG und Polizei konnte den neuerlichen Gewaltexzess im U-Bahnhof Ullsteinstraße nicht verhindern.

Zwei Tage nach dem brutalen Übergriff waren die Ermittlungen der Polizei am Mittwoch noch in vollem Gange. Das Opfer Ralf L. sei noch nicht von Kripobeamten angehört worden. Und die jeweilige Tatbeteiligung der Verdächtigen müsse ebenfalls konkret geklärt werden, so ein Polizeisprecher. Alle Tatverdächtigen hätten einen Migrationshintergrund, hieß es weiter.

Wie Morgenpost Online erfuhr, soll der nach kurzer Flucht gestellte 16-Jährige bereits wegen mehreren Gewaltdelikten polizeibekannt sein. Tayssir K. ist als sogenannter „kiezorientierter Mehrfachtäter“ aktenkundig. Das bedeutet, der 16-Jährige mit ungeklärter Staatsbürgerschaft könnte bald als Intensivtäter eingestuft werden, falls er weiterhin straffällig wird. Ob die beiden gefassten 13-Jährigen ebenfalls schon wegen Straftaten bekannt sind, konnte ein Polizeisprecher gestern nicht sagen. Offen sei auch noch, ob es von dem Angriff auf den 53-Jährigen verwertbare Videoaufnahmen gebe. Die Polizei hatte alle gefassten Tatbeteiligten gleich nach der Vernehmung noch am Montag den Eltern übergeben. Der namentlich bekannte vierte Verdächtige konnte laut Polizei bis Mittwoch nicht gefasst werden.

Erschreckend ist, wie brutal die vier Jugendlichen über Ralf L. herfielen, als er seine Tochter Madeleine beschützen wollte. Die Tochter hatte offenbar auf der Bahnhofstreppe einen der Jugendlichen aus Versehen leicht gestreift. Das reichte, um den brutalen Angriff auszulösen. Die Jugendlichen bedrohten die 22-Jährige und gingen sofort zu viert aggressiv auf den Vater los. Gemeinsam drängten sie ihr Opfer auf den Bahnsteig. Dort brachten sie den Mann zu Fall und prügelten weiter auf ihn ein. Bei den von der Polizei erwähnten „Gesichtverletzungen“, so wurde zudem am Mittwoch aus Sicherheitskreisen bekannt, handelt es sich um einen Jochbeinbruch und eine Netzhautablösung. Die Polizei räumte diese Details auf Anfrage ein. Dennoch konnte Ralf L. bereits zwei Tage nach den Überfall Montagabend wieder aus der Charité Campus Benjamin-Franklin in Steglitz entlassen werden. Die Ehefrau des 53-Jährigen ist ausgebildete Krankenschwester und somit in der Lage, ihren Mann zu Hause zu pflegen.

Für Unverständnis sorgte die Tatsache, dass der brutale Vorgang von der Polizei relativ spät öffentlich gemacht wurde. Statt wie zu erwarten am Dienstagmorgen vom Pressedienst gemeldet, wurde der Vorgang erst am Dienstagnachmittag publik. „Dieses Vorgehen ist für mich nicht nachvollziehbar und erweckt den Eindruck, dass möglicherweise etwas verharmlost werden sollte. Immerhin war die Polizei doch erfolgreich, hatte die Täter gefasst oder zumindest namhaft gemacht“, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Trapp, gleichzeitig Vorsitzender des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus. Die Polizei begründete ihr Vorgehen damit, dass es „noch offene Fragen zum Vorfall und notwendige Anfragen“ bei den zuständigen Dienststellen gegeben habe.

Dass diese Gewalttat nicht verhindert werden konnte, da sie offenbar aus einem spontanen Entschluss der Täter erfolgte, könne er verstehen, so Innenexperte Trapp. Doch fehlendes Polizeipersonal führe bei Tätern auch zu verringerter Abschreckung.