Illegale Bettelmasche

Rumänen handeln in Berlin mit Hundewelpen

Rumänische Banden haben eine neue Bettelmasche entdeckt: Sie lassen Kinder auf der Straße junge Hunde verkaufen. Das verstößt nicht nur gegen das Tierschutzgesetz, sondern die Welpen sind oft nicht geimpft und bringen Krankheiten nach Deutschland.

Die Vorgehensweisen von organisierten Bettlern aus Rumänien sorgen bei Berlinern und Touristen zunehmend für Ärger. Die neuste Masche: Osteuropäische Banden haben den Verkauf von illegal nach Deutschland eingeführten Hundewelpen als Einnahmequelle für sich entdeckt. Rumänische Kinder laufen mit den meist erst acht Wochen alten Tieren über den Hardenbergplatz in Charlottenburg und versuchen, sie zu verkaufen. Das Bezirksamt ist alarmiert.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Bettler aus Osteuropa, die nach Berlin kommen, zugenommen. An Ampelkreuzungen wischen sie bei haltenden Autos die Windschutzscheiben und fordern Geld dafür. Ohne Genehmigung kommen sie mit Musikinstrumenten in Biergärten und auf Schankterrassen, machen laute Musik und betteln die Gäste an. Wochenlang hatte eine Gruppe von Bettlern im diesem Sommer auf dem Pariser Platz Touristen belästigt. Verkleidet als Micky Maus, Tiger, Hühnchen und Gorilla hatten sie sich unter die Reisegruppen gemischt und auf Gruppenfotos gedrängelt. Anschließend forderten sie eine Bezahlung von bis zu fünf Euro. Touristen, die nicht zahlen wollten, wurden über den gesamten Platz verfolgt. Seitdem die Polizei dagegen einschreitet, sind die kostümierten Bettler wieder weg.

Welpen haben Flöhe und Würmer

„Ordnungsamtsmitarbeiter und unsere Amtstierärzte haben in der jüngsten Vergangenheit in fünf Fällen die Tiere gerettet“, sagt Katrin Lück aus dem Büro des zuständigen Stadtrats in Charlottenburg. „Die Tiere hatten ansteckende Krankheiten, Würmer und Flöhe. Wir haben sie in die Tierklinik gebracht, und sollten sie überleben, dann kommen sie ins Tierheim.“ Die rumänischen Kinder haben das Weite gesucht. Nach Augenzeugenberichten werden sie morgens von Erwachsenen mit dem Auto zum Bahnhof Zoo gebracht. Dort sollen sie mit den kleinen Hunden im Schlepptau betteln oder versuchen, diese zu verkaufen. Neben dem illegalen Handel auf öffentlichem Straßenland verstoßen die Händler auch gegen das geltende Tierschutz- und Tierseuchengesetz. Für Tiere im Reiseverkehr muss der Halter den „Blauen Impfpass“ mit sich führen. Darin werden alle notwendigen Impfungen nachgewiesen. Das ist bei den Welpen vom Hardenbergplatz nicht der Fall.

„Diese Tiere sind hochgradig krank. Die Welpen werden viel zu früh von den Müttern getrennt. Jeder kritische Tierfreund ist aufgerufen, sofort die Polizei zu alarmieren“, sagt Marcel Gäding vom Tierheim Berlin. Außerdem würden mit den Hundewelpen viele ansteckende Krankheiten nach Deutschland eingeschleppt, sagt Gäding. „Der Handel nimmt spürbar zu. Das liegt auch an dem Kontrolldefizit an der deutsch-polnischen Grenze.“

Seit Jahren prangert das Tierheim den illegalen Tierhandel an. „Aus polnischen Tierfabriken werden die Welpen illegal über die Grenze gebracht und im Internet oder in der Zweiten Hand angeboten“, sagt Gäding. „Mittlerweile sprechen wir von einem florierenden Bestellwesen.“