Deutschland-Reise

Warum der Papst in Neukölln übernachtet

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Foto: dpa / dpa/DPA

Papst Benedikt XVI. wird nach der geplanten Messe vor 70.000 Menschen im Berliner Olympiastadion in der Apostolischen Nuntiatur in Neukölln übernachten. Die Anwohner freut es - durch den massiven Polizeischutz sind Straftaten zurückgegangen.

Die Vögel zwitschern, Laubbäume heben sich von dem düsteren grauen Berliner Himmel ab. Rund um die Apostolische Nuntiatur in Neukölln erinnern das dichte Grün und die gelb-weiße Flagge entfernt an die vatikanischen Gärten. Wie in der Zentrale in Rom holpert hier auch nur selten ein Auto über das Kopfsteinpflaster, der Verkehr rauscht in der Ferne. Der Schein trügt. Ausgerechnet der Papst wird demnächst die Stadtidylle stören. Am 22.?September wird Benedikt XVI. für eine Nacht am Südstern erwartet, wie die U-Bahn-Station in der Nähe heißt. Die Sicherheitsvorkehrungen in Berlins Problemkiez laufen auf Hochtouren.

Die Übernachtung in der heiligen Botschaft ist nur eine von Dutzenden Stationen der dreitägigen Deutschland-Reise des Papstes. In Erfurt sind das Priesterseminar und das Ursulinen-Kloster als Bleibe im Gespräch, im Freiburg soll Benedikt im Priesterseminar einkehren. In Berlin wird das Kirchenoberhaupt nach der Landung in Tegel zunächst den politischen Teil der Tour absolvieren und am späten Nachmittag dann im Olympiastadion vor 70.000 Menschen eine Messe feiern. Danach wird sich der päpstliche Tross in Richtung Neukölln bewegen.

Die Nachbarn bleiben entspannt. Isidoro Pucciarelli zum Beispiel. Er sitzt vor seiner „Spelonca di Bacco“ in der Lilienthalstraße, liest Zeitung, auf dem Tisch steht eine Espresso-Tasse. Unter dem Glas?tresen reihen sich Salamirollen und Käsequadrate, seit zwölf Jahren betreibt der Süditaliener den kleinen Delikatessladen. Er erinnert sich amüsiert daran, wie vor mehr als einem Jahrzehnt auf der Straßenseite gegenüber der Grundstein für die päpstliche Botschaft gelegt wurde und das Millionenprojekt das Viertel in Atem hielt.

An der Nahtstelle zwischen Kreuzberg und Neukölln war die West-Berliner Welt lange mehr oder weniger in Ordnung. Neben der Johannis-Basilika, die heute Berlins polnische Pfarrei beherbergt, wuchsen die Bäume ungestört in den Himmel. Auf dem Flughafen Tempelhof, etwa 300 Meter Luftlinie entfernt, landeten noch Flugzeuge, der „Rosinenbomber“ drehte für Touristen seine Runden.

„Hasenheiden brauchen keine Botschaft“, lautete das Motto einer Bürgerinitiative - und wohl erst recht keine päpstliche, war damals die Stimmung. Das Viertel hat sich mittlerweile vom Bauschock erholt. Der silbergraue Bürokasten hat sich eingefügt in die Szene. Eine Handvoll Menschen, einige Geistliche, halten Roms Stellung. Der päpstliche Nuntius, der Schweizer Erzbischof Jean-Claude Périsset, ist seit 2007 der oberste Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland.

„Wir haben keine Überfälle mehr“, sagt Traudel Jans, die seit 27 Jahren einen Friseursalon gegenüber der Nuntiatur betreibt. Der Polizeischutz halte offenbar die Einbrecher fern, die, wie sie vermutet, sich aus Drogendealern aus der benachbarten Hasenheide rekrutieren. „Davor ist hier zehnmal eingebrochen worden.“

Der Papstbesuch bringt Traudel Jans nicht aus der Ruhe. Die Polizei habe schon ein totales Parkverbot angekündigt, auch ein Baugerüst müsse weg. Traudel Jans macht sich nur Sorgen, dass ihre Kundinnen wohl nur unter Polizeibegleitung durch die Sperrzone in den Salon kommen können.

Am Morgen danach wird der Weg dann zum Salon Kalamistra frei sein. Schon um 7.30 Uhr will Benedikt in einer Privatmesse in der Kapelle der Nuntiatur beten. Und nach einem Treffen mit Islam-Vertretern wird er weiterziehen.

( dpa )