Deutsche Bahn

Keine Fusion von Berliner und Hamburger S-Bahn

Die S-Bahnen aus den beiden Großstädten bleiben weiterhin eigenständig. Eine Zusammenlegung würde nur wenig Kosten sparen, Mitarbeiter und Fahrzeuge wären nicht austauschbar.

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Die Berliner S-Bahn bleibt weiter eigenständig. Die Deutsche Bahn hat Meldungen über eine geplante Zusammenlegung des krisengeschüttelten Unternehmens mit der S-Bahn Hamburg als falsch zurückgewiesen. „Eine Fusion steht nicht an und ist auch nicht geplant“, sagte der für den Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Ulrich Homburg am Montag. „Für beide Bahnen gilt: Sie erfüllen ihre Aufgaben gemäß der laufenden Verkehrsverträge. In Berlin heißt das vor allem, dass die S-Bahn mit Unterstützung des DB-Konzerns alles daran setzt, schnellstmöglich wieder zum alten Angebot in der gewohnten Qualität zurückzukehren.“

Der Bahnkonzern reagierte damit auf Berichte vom Wochenende, wonach es im Vorstand Überlegungen geben soll, im Zuge einer Verschlankung des Konzerns zahlreiche Tochtergesellschaften – darunter die S-Bahnen der beiden größten deutschen Städte – zusammenzulegen. Damit sollen Strukturen vereinfacht und Kosten gespart werden. Gegen eine Fusion der beiden S-Bahn-Unternehmen spricht indes, dass sie zwar technisch ähnlich, aber eben nicht kompatibel sind. So können sie weder Mitarbeiter noch Fahrzeuge austauschen. Einzig im Managementbereich wären geringfügig Einsparungen möglich, sagen Experten. Sie verweisen aber zugleich darauf, dass gerade die Missachtung technischer und betrieblicher Besonderheiten durch die alte Geschäftsführung erheblich zu den bis heute anhaltenden Problemen der Berliner S-Bahn beigetragen habe.

Aufgrund von Sicherheitsproblemen an Rädern und Bremsen sowie Wartungsversäumnissen verfügt die Nahverkehrstochter der Bahn seit Juli 2009 nicht mehr über ausreichend Züge, um die von Berlin und Brandenburg bestellten Fahrleistungen zu erbringen. Die Länder reagierten darauf mit Strafabzügen in dreistelliger Millionenhöhe. Zugleich muss die S-Bahn erhebliche Einnahmeausfälle verkraften, weil sie die verärgerten Fahrgäste mit Freifahrtmonaten und verbilligten Tickets zu entschädigen versuchte. Beides trug mit dazu bei, dass die Berliner S-Bahn im Vorjahr einen Rekordverlust von 222 Millionen Euro einfuhr, der vom Mutterkonzern übernommen werden musste.

Die Hamburger S-Bahn, die seit mehr als 100 Jahren in der Hansestadt unterwegs ist, steht deutlich besser da. Im Vorjahr hat sie mehr als 220 Millionen Fahrgäste befördert, vier Prozent mehr als 2009. Sie rühmt sich, dass 94,5 Prozent ihrer Züge 2010 pünktlich waren. Ihre Berliner Schwester kommt laut Verkehrsverbund gerade mal auf eine Pünktlichkeit von 80 Prozent. Das liegt auch daran, dass Fahrten – wie etwa auf der Linie S45 und S85 – völlig ausfallen.

Immerhin konnte die S-Bahn am Montag den vor mehr als zwei Jahren vom Land Brandenburg bestellten Zehn-Minuten-Takt auf der S25 nach Teltow aufnehmen. Dadurch würde sich auch das Angebot in der Innenstadt deutlich verbessern, sagte ein S-Bahn-Sprecher. So fahre im Nordsüd-Tunnel jetzt tagsüber wieder etwa alle vier Minuten ein Zug.