Starker Bevölkerungszuwachs

Berlin wächst durch Babyboom und Zuzügler

Berlin wächst. 3.460.700 Einwohner hat die Hauptstadt. Das sind fast so viele wie zu Zeiten des Höchststandes von 1993. Fast 150.000 Zugezogene wurden im vergangenen Jahr gezählt.

Foto: BMO

Die Hauptstadt wächst. Seit den Zeiten des Vereinigungs-Booms der frühen 90er-Jahre hat die Bevölkerung Berlins nicht mehr so stark zugenommen wie im Jahr 2010. Die Zahl der Berliner kletterte nach Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg um 18.000 oder 0,5 Prozent. Damit hat die Stadt jetzt 3.460.700 Einwohner, fast so viel wie zu Zeiten des Höchststandes von 1993.

Der positive Trend speist sich aus zwei Quellen: Der Zuwanderung und dem rekordverdächtigen Babyboom in der Stadt. Zum einen hat der Zuzug aus dem Ausland und den anderen Bundesländern nach Berlin noch einmal zugenommen. 147.800 Menschen zog es 2010 in die deutsche Hauptstadt, das sind so viele wie die Stadt Potsdam Einwohner hat. 2010 kamen fast 4000 mehr als 2009 und so viele wie nie zuvor in den vergangenen 15 Jahren. Gleichzeitig haben mit 131.000 weniger Menschen die Stadt verlassen als im Vorjahr, als wegen einer statistischen Bereinigung besonders viele Fortzüge registriert worden waren.

Die Masse der Neu-Berliner wechselt aus anderen Bundesländern in die Stadt. Knapp 90.000 der neuen Einwohner kommen aus Deutschland, fast 60.000 aus dem Ausland, vor allem aus Polen, den anderen EU-Staaten und der Türkei. Dennoch sank die Zahl der Menschen mit ausländischem Pass in der Stadt. Das führen die Experten vom Amt für Statistik aber immer noch auf die Folgen der Einführung der Steuer-Identifikationsnummern zurück. In diesem Zusammenhang stellen die Behörden fest, dass viele der angeschriebenen Ausländer die Stadt offenbar verlassen haben, ohne sich abzumelden.

Den größten Zuwanderungsgewinn erzielte die Hauptstadt aus den alten Bundesländern. 13.700 Menschen mehr verlegten ihren Wohnsitz aus einem der westlichen Bundesländer in die Stadt als umgekehrt Berliner dorthin zogen. Relativ gesehen ist die Magnetwirkung Berlins für die neuen Bundesländer inklusive des Umlandes jedoch stärker. Der Wanderungsgewinn gegenüber dem Rest von Ostdeutschland beträgt für Berlin 8400 Personen. Und die Stadt sorgt auch dafür, dass Brandenburg nicht noch stärker an Menschen verliert. Denn auch 21 Jahre nach dem Fall der Mauer ziehen immer noch mehr Berliner ins direkte Umland als umgekehrt aus dem Speckgürtel in die Stadt wechseln.

Brandenburg konnte den seit 2001 anhaltenden Bevölkerungsschwund nicht stoppen und verlor erneut 8300 Einwohner. Die Mark zählt jetzt noch 2.503.300 Bewohner.

Bemerkenswert ist jedoch, dass Berlin in Zeiten des demografischen Wandels auch ein beträchtliches „natürliches“ Bevölkerungswachstum verzeichnet. Denn 2010 kamen in Berlin 33.393 Kinder zur Welt, 1289 oder vier Prozent mehr als 2009. Weil nur 32.200 Berliner starben, wuchs die Stadt also auch aus sich heraus. Indirekt ist aber auch dieser Trend eine Folge der Zuwanderung, so die Statistiker. Denn es strömen hauptsächlich junge Leute in die Stadt, die dann hier auch Familien gründen und Kinder bekommen. Der Babyboom findet vor allem in der Innenstadt statt. Vorn bei der Zahl der Geburten liegt weiterhin Pankow.

Das Wachstum der Stadt stellt die Politik vor neue Aufgaben. So dürfte sich durch die vielen Zuzüge der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter verstärken. Und in den östlichen Bezirken, in denen in den vergangenen Jahren Schulen mangels Schülern geschlossen wurden, könnten die Schulplätze in den kommenden Jahren knapp werden. Die Wohnungswirtschaft warnt schon jetzt vor Engpässen. Der Senat müsse nun durch eine aktive Wohnungspolitik dafür sorgen, dass dem Boom nicht die Luft ausgeht, sagte das Vorstandsmitglied des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Maren Kern. Zwischen Bevölkerungszunahme und dem Neubau von Wohnungen klaffe eine Lücke von fast 8000 Wohnungen: „Wenn nicht sehr bald die Rahmenbedingungen für Neubau nachhaltig verbessert werden, ist Berlin beim Wohnen auf dem Weg in ein Angebotsproblem.“ Insbesondere bei den 16.800 Zugezogenen dürfte es sich in vielen Fällen um Single-Haushalte handeln. Der BBU schätzt daher, dass die Zahl der Berliner Haushalte 2010 um rund 12.000 zugenommen hat. Im gleichen Zeitraum wurden in Berlin nach Angaben des Amtes für Statistik aber nur 4321 Wohnungen fertig gestellt.