Polizeipräsident

Für Körtings Wunschkandidat Hansen wird es schwer

Der Ex-Bundesgrenzschützer Udo Hansen soll Nachfolger von Dieter Glietsch als Berliner Polizeipräsident werden - wenn es nach dem Willen von Innensenator Ehrhart Körting geht. Doch es gibt Widerstand gegen den Wunschkandidaten.

Foto: picture-alliance / Berliner_Kuri / picture-alliance

Am Dienstag wird Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Senat seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge von Ex-Polizeipräsident Dieter Glietsch benennen, ein Beschluss zugunsten des ehemaligen Leiters des Bundesgrenzschutzpräsidiums Ost, Udo Hansen, gilt aufgrund der SPD-Mehrheit als sicher. Innerhalb der Polizei und auch im Abgeordnetenhaus stößt diese Entscheidung wegen der Vorbehalte gegen den umstrittenen und aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand versetzten Beamten auf Widerstand. Nach Informationen von Morgenpost Online soll sich Mitbewerber Klaus Keese, er leitet derzeit die Polizeidirektion 1, weitere juristische Schritte offenhalten, um gegen die zu erwartende Senatsentscheidung zu klagen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat für Glietschs Nachfolger in jedem Fall die Messlatte hoch angelegt. „Egal, wer Polizeipräsident wird, er hat viel zu tun“, so Berlin GdP-Chef Michael Purper. „Unsere Erwartungshaltung und die der Mitarbeiter ist hoch. Wir werden ihn an seinen Taten messen. Der Mensch in der Polizei muss wieder in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden.“

Nach Ansicht des Gewerkschafters müsse die Polizei wieder auf der Straße sichtbar werden. Nur so könne sie verhindern, dass Menschen zu Opfern werden. Auf Grund des Personalmangels arbeite die Polizei heute nach dem Feuerwehrprinzip – man komme, wenn man gerufen werde. Tatsächlich müsse die Polizei wieder in die Lage versetzt werden, in den Bezirken, vor Ort in den Kiezen, mit den Bürgern zusammen zu arbeiten. Der andauernde Personalmangel müsse beseitigt werden, Berlin habe in den letzten zehn Jahren etwa 4000 Polizisten verloren.

„Die Kollegen brauchen dringend einen Motivationsschub. Dazu gehören familienfreundliche Arbeitszeiten und verbesserte Bezahlung. Im Vergleich zum Bund und den Ländern verdient ein Polizeimeister in Berlin 190, Führungskräfte sogar bis zu 700 Euro weniger“, so Michael Purper.

Auch die alltägliche Belastung am Arbeitsplatz stelle eine große Aufgabe für den neuen Polizeichef in Berlin dar. Nach GdP-Einschätzungen würden immer weniger Polizisten immer mehr Überstunden leisten. Zwischen 800.000 und einer Million Stunden in den letzten Jahren seien ein Zeichen dafür, dass zu wenige Ordnungshüter zu viele Aufgaben bewältigen müssten.

Polizeiführer gehen davon aus, dass Udo Hansen im Falle einer Ernennung zum Polizeipräsidenten zunächst möglicherweise gegen Kritik wehren muss. „Er hat viele Kritiker, die sich zum Beispiel fragen, wie er diese wichtige und stressige Aufgabe übernehmen könne, wenn er aus gesundheitlichen Gründe vorzeitig aus dem Dienst ausschied“, so ein Beamter. „Polizisten müssen sich immer wieder Leistungstest unterziehen. Wie ist denn die Wiedereingliederung in den Dienst für Herrn Hansen machbar?“

Berlins Vize-Polizeipräsidentin Margarete Koppers hatte sich in den letzten Wochen großes Vertrauen innerhalb des Höheren Dienstes der Hauptstadtpolizei erarbeitet. Die Hoffnung hatte sich breitgemacht, dass sie nach den Wahlen auch neue Polizeipräsidentin werden könnte. „Es hätte Berlins gut zu Gesicht gestanden, eine Frau an einer solch wichtigen Stelle zu haben. Leider ist dies offenbar von der Politik nicht gewollt, was eigentlich eine Demonstration des Misstrauens gegen die beliebte Beamtin darstellt. Das hat sie so auf keinen Fall verdient“, so ein Polizeiführer.