Selbstmordversuch

Kapitän von Ausflugsschiff rettet Ertrinkenden

Helfer in der Not: Der Angestellte einer Berliner Reederei hat einen 20-Jährigen in Moabit aus der Spree gezogen. Mit Kopfsprung und Rettungsring brachte er den Mann an Land.

Foto: Steffen Pletl

Mit einem beherzten Sprung vom Ausflugsdampfer „Bellevue“ hat ein Kapitän in Moabit einen jungen Mann vor dem Ertrinken in der Spree bewahrt. Am Dienstagabend war ein 20-Jähriger gegen 17.30 Uhr von der Gotzkowskybrücke gesprungen, um sich das Leben zu nehmen, bestätigte die Polizei am Mittwoch. Der Angestellte der Reederei Winkler habe den 20-Jährigen zu einem Rettungsring gezogen und ans rettende Ufer gebracht.

„Als ich den Mann am Kragen zu fassen bekam, ist er dem Tod näher als dem Leben gewesen“, sagt Dominique Meier. Der 28 Jahre alte Schiffsführer hatte nur wenige Augenblicke Zeit, um die entscheidenden Kommandos zu geben: „Fahrgastschiff stoppen – Bootsmann zum Steuerruder – Mensch im Wasser, Richtung 11 Uhr!“ Dann rief er dem Mann in der Kombüse noch zu, ihm einen Rettungsring hinterher zu werfen. Einen Moment später war der junge Mann aus dem Stadtteil Staaken bereits in die Spree gesprungen.

Auf dem Weg vom Schiffsführerstand zur Reling lagen auf dem Vorderdeck die Schuhe und das Sakko des 28-Jährigen. Hilferufe hörte Meier nur von der Gotzkowskybrücke. Dort hatten Passanten beobachtet, wie der lebensmüde Mann in die Spree gesprungen war. „Vom Boot aus sah ich nur sporadische Handbewegungen im Wasser“, erinnert sich der Vater eines fünfjährigen Jungen. Die einzigen Anzeichen dafür, dass im Wasser jemand um sein Leben kämpft. In diesen dramatischen Sekunden erschienen ihm die 20 oder 30 Meter Entfernung zu dem Ertrinkenden unglaublich weit, so Dominique Meier. Zunächst hatte er versucht, den Mann unter den Armen zu ergreifen, was ihm misslang. Im letzten Moment habe er den 20-Jährigen am Hemdkragen zu fassen bekommen und zu dem Rettungsring gezogen, der auf der Wasseroberfläche trieb. Ohne Meiers schnelles Reagieren wäre der Mann zweifellos ertrunken.

Dominique Meier konnte den äußerlich unversehrten Mann an der Anlegestelle nahe der Gotzkowskybrücke an Land bringen. Dort wartete bereits ein Notarzt, der den Lebensmüden versorgte und in eine Klinik einlieferte. Für den Binnenschiffer war die Hilfe selbstverständlich, sagt er. Am Mittwoch war er wieder im Dienst. Weil er in seinem Betrieb Springer ist und arbeitet, wo Not am Mann ist, dieses Mal auf der „Fortuna“.