Neue Konzepte

Wie das Strandbad Müggelsee saniert werden soll

Das Bad am Müggelsee in Berlin-Köpenick muss dringend saniert werden. Eine Ausschreibung scheiterte zwar, doch nun gibt es auf einmal zwei neue Konzepte. Während ein Investor alte DDR-Bauten nutzen will, denkt ein anderer eher an Abriss.

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Der Eintritt zum Strandbad Müggelsee ist kostenlos. Egal, ob im Sommer oder Winter. Und der weite Blick über den See fasziniert zu jeder Jahreszeit. Doch die denkmalgeschützten Gebäude aus den 20er-Jahren verfallen. Reparaturen auf dem Gelände muss das Bezirksamt Treptow-Köpenick bezahlen, denn die Bäderbetriebe haben das Strandbad 2006 abgegeben. Das Amt hat zwei Vereine beauftragt, das Areal am Fürstenwalder Damm zu bewirtschaften. Aber es sucht langfristig einen privaten Investor und Betreiber, der das traditionsreiche Bad saniert und wirtschaftlich erfolgreich führt. Eine Ausschreibung scheiterte. Doch jetzt liegen dem Bezirksamt zwei Konzepte vor, ein drittes ist angekündigt.

Die Pläne einer Ingenieurgruppe um den Köpenicker Wilfried Wolff sehen vor, Besucher durch ein breit gefächertes Angebot das ganze Jahr über ins Strandbad zu holen. Dazu sollen alle vorhandenen Gebäude genutzt werden. Im so genannten Würfel aus DDR-Zeit, der früher eine Diskothek beherbergte, sind Schwimmbecken, Bäderlandschaft und hochwertige Gastronomie geplant. Die bestehende Sauna soll durch Physiotherapie-Praxen ergänzt werden. Ein Sportzentrum mit Fitnessräumen und ein Kindergarten sind als Nutzer der alten Gebäude vorgesehen, die vom Architekten Martin Wagner entworfen wurden. Er plante auch das Strandbad Wannsee.

Im aktuellen Konzept der Ingenieure sind die Sport-, Bade- und Saunaräume durch unterirdische Gänge verbunden. Als Investor will ein Unternehmen aus Schöneiche auftreten, das die Bäderlandschaft selbst betreiben und die anderen Angebote weiter vergeben möchte. Wolff zufolge ist es die Kühne Pool &Wellness Technik Gmbh. Ein Biergarten für die Strandbad-Besucher im Sommer ist auf der Terrasse vorgesehen. In den Arkaden können Pächter kleine Läden führen. Die Freiflächen im Bad soll ein gemeinnütziger Verein betreuen. Eintrittsgeld ist nicht vorgesehen. Zwischen sieben und acht Millionen Euro wolle das Unternehmen in Instandsetzung, Umbau und denkmalgerechte Sanierung investieren, sagte Wolff. Er hofft auf eine baldige Entscheidung der Stadträte. Der Investor brauche Rechtssicherheit, um weiter planen zu können, so der Ingenieur. „Egal, ob sich das Amt für unser Konzept oder ein anderes entscheidet.“

Auch die Architekten Gil Wilk und Ana Salinas haben ihre Pläne für das Strandbad den Stadträten und der Bürgermeisterin vorgestellt. Man wolle den Strand entsiegeln, das Würfelgebäude zurückbauen und an die historische Gestalt anknüpfen, sagte Gil Wilk. „Wir wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren.“ Wilk hat vor Jahren das Badeschiff entworfen. Es liegt seit 2004 vor der Treptower Arena und ist zur stadtbekannten Attraktion geworden. Im Strandbad Müggelsee plant er ein Restaurant, das das ganze Jahr über geöffnet hat und für Betriebsfeiern oder Geburtstagspartys zur Verfügung steht. Im Sommer soll es einen Biergarten geben, auch die Currywurstbude und den Eisladen für den Strandbetrieb, und ein Sportzentrum.

Besucher des Strandbads sollen wieder Eintritt zahlen, aber der Preis wird Wilk zufolge niedriger sein als der, den die Bäderbetriebe verlangen. Etwa viereinhalb Millionen Euro kalkulieren die Architekten für ihr Vorhaben. Einen Geldgeber und potenzielle Betreiber habe man gewinnen können, sagte Wilk. Auch er wartet auf das Votum des Bezirksamtes. 2011 werde die Entscheidung fallen, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD).

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