Prozess

Kranke Berlinerin zerstörte Kunstwerke in Flick-Schau

Knapp fünf Jahre nach einer Attacke auf zwei Kunstwerke der Flick-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin saß eine inzwischen 39-Jährige auf der Anklagebank. In einer spektakulären Aktion hatte sie sich mit einem Handstand rückwärts auf eine Installation und auf ein weiteres Kunstwerk gestürzt. Doch das Landgericht stellte das Verfahren nun ein.

Das Verfahren gegen eine Berlinerin, die im September 2004 zwei Kunstwerke einer Flick-Ausstellung im Hamburger Bahnhof demoliert hatte, ist am Montag vom Landgericht Berlin eingestellt worden. Zu Prozessbeginn gegen die 39-Jährige hatten die Richter die Öffentlichkeit zum Schutz der offenbar psychisch kranken Hobby-Malerin aus Spandau ausgeschlossen.

In einer spektakulären Aktion hatte sich die Krankengymnastin laut Staatsanwaltschaft am 22. September 2004 mit einem Handstand rückwärts auf eine Installation sowie ein weiteres Werk des verstorbenen New Yorker Künstlers Gordon-Matta Clark gestürzt. Außerdem soll die Frau mehre Personen geschlagen und bespuckt haben.

Das Gericht verfügte nun ihre Unterbringung in einer Klinik zur Bewährung. Solange die Berlinerin keine weiteren Taten begeht, bleibt sie damit auf freiem Fuß. Die unter Wahnvorstellungen leidende Frau muss regelmäßige ärztliche Kontrollen nachweisen, sich einen Betreuer suchen und regelmäßig Medikamente einnehmen.

Seit 1998 leidet die Berlinerin an einer seltenen Störung. Sie musste ihr Medizinstudium aufgeben, schilderte die Anklägerin das tragische Schicksal der jungen Frau. Nach Angaben der Staatsanwältin ist die Aktion bei der Ausstellung des prominenten Kunstsammlers Friedrich Christian Flick im Hamburger Bahnhof der Krankheit geschuldet. Es komme zu unkontrollierten Bewegungen und Ausfällen wie der Hopserei auf den Skulpturen, erklärte die Anklägerin am Rande des Prozesses. An die Aktion im Hamburger Bahnhof konnte sich die Krankengymnastin nach Angaben der Staatsanwältin kaum erinnern.

Die Wächter hatten an jenem Tag im September 2004 tatenlos verharrt, als die Berlinerin in der Flick-Ausstellung im Hamburger Bahnhof randalierte. Erst die Polizei konnte die spektakuläre Aktion stoppen. Bei ihrem skurrilen Auftritt soll die Berlinerin gerufen haben, „Flick, jetzt kann ich dir vergeben“. Ein politischer Hintergrund wurde aber nicht angenommen.

Die Ausstellung mit der Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick war wegen der NS-Vergangenheit der Unternehmerfamilie umstritten. Die beiden beschädigten Objekte „Office Baroque“ und „Graffiti Truck“ waren mit 980.000 Euro versichert. Beide Werke sollen schwer beschädigt worden sein.

Die 39-Jährige soll außerdem Polizisten attackiert haben, weil ihr im Dezember 2003 der Zutritt zum Bundesrat verwehrt worden war. Ferner soll sie mehrfach Passanten auf der Straße geschlagen und bespuckt haben. Ein erster Prozessanlauf war gescheitert, weil die gelernte Krankengymnastin nach Angaben von Zeugen auch im Gerichtssaal herumgetobt war. Das Verfahren war nicht öffentlich.