100 Jahre

Cumberland – Ein Haus mit bewegter Historie

Das Haus Cumberland war usprünglich ein Hotel, diente im 1. Weltkrieg als Munitions-Beschaffungsamt und war Set zahlreicher Filme. Jahrzehntelang wurde vergeblich ein Eigentümer gesucht. Jetzt sollten in dem Gebäude Wohnungen entstehen – doch dann kam das Feuer.

Foto: Sergej Glanze

Gerade erst schien die Zukunft des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm 193–194, das fast zehn Jahre leer stand, gesichert. Eine Investorengemeinschaft aus den drei Unternehmern Thomas Bscher, Detlef Maruhn und Dirk Germandi hatte das denkmalgeschützte Ensemble mit den drei Innenhöfen für 29 Millionen Euro von der Orco Germany Mitte vergangenen Jahres erworben. Die Bauarbeiten, um das Denkmal aus dem Jahr 1911/12 umzubauen, hatten begonnen, der Verkauf der Eigentumswohnungen lief blendend.

Wohnen am Kudamm

Während im Vorderhaus in der ersten Reihe am Kudamm Läden, Büros und ein 500 Quadratmeter großes Restaurant entstehen sollen, planen die Immobilienentwickler ab dem ersten Quergebäude Wohnungen; zur Freude des Bezirks, der nicht nur im Kudamm-Jubiläumsjahr die gelungene Mischung aus Wohnen, Kultur und Arbeiten am Kurfürstendamm befördern will. 200 moderne Wohnungen sollen in den alten, denkmalgeschützten Gemäuern entstehen. „Bis auf elf Wohnungen sind alle verkauft, wir haben eine Riesennachfrage, und jetzt das“, sagt Dirk Germandi erschüttert, nachdem er Freitagmittag am Brandort eingetroffen ist. 120 der geplanten Wohnungen und Penthäuser sollten bereits Ende 2012 fertig sein. Insgesamt 120 Millionen Euro werden investiert.

Errichtet wurde der riesige Gebäudekomplex, der sich mit Seitenflügeln über drei Innenhöfe bis zur Lietzenburger Straße erstreckt, von Robert Leibnitz, dem Architekten des alten Hotel Adlon. Nach der Fertigstellung wurde das Haus zunächst als Boarding-Palast genutzt. Doch das Konzept, den Gästen mehrzimmerige Suiten mit eigenen Hausdienern zur Verfügung zu stellen, ging nicht auf. Das luxuriös eingerichtete Hotel ging bereits 1913 in Konkurs, wurde aber zunächst noch von einer Dresdener Hotel-AG übernommen und unter dem Namen „Haus Cumberland“ weitergeführt. Im Ersten Weltkrieg wurde dann dort das Waffen- und Munitions-Beschaffungsamt Berlin des Kriegsministeriums im Gebäude untergebracht.

Etwa seit 1922 residierte in dem mittlerweile reichseigenen Haus das Reichswirtschaftsministerium. Auch die Oberpostdirektion Berlin hatte dort jahrelang ihren Sitz, ab 1936 dienten die großzügigen Zimmerfluchten dann den unterschiedlichsten Behörden. Zuletzt war dort die Oberfinanzdirektion untergebracht. Sie zog 2002 aus. Etliche Filmprojekte nutzten das Haus, das dem Bund und dem Land Berlin je zur Hälfte gehörte, als Kulisse. Nur die Ladengeschäfte blieben noch bis zum Schluss vermietet. Die jahrzehntelange Suche der Oberfinanzdirektion nach einem Käufer war von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Das Eckgrundstück Kudamm 190–192 an der Schlüterstraße gehörte ursprünglich mit zum Verkaufspaket, war jedoch Ende 2002 separat verkauft worden. Thomas Bscher, der jetzt das Vorderhaus des Cumberland entwickeln wird, hatte es erworben. 2006 erwarb Orco die Immobilie dann nach eigener Auskunft für fast 40 Millionen Euro.

Eigentümer bleiben optimistisch

Das Unternehmen, das auch die kommunale Gewerbesiedlungs-Gesellschaft (GSG) vom Land Berlin gekauft hatte, wollte das brachliegende Baudenkmal für Berliner und Touristen zu einem attraktiven Lifestyle-Standort entwickeln. Mit einem Notverkauf verabschiedete sich Orco von seinem Berliner Vorzeigeprojekt.

Germandi, Maruhn und Bscher wollen sich durch den Brand am Freitag, dem 13., nicht von ihrem ambitionierten Vorhaben abbringen lassen. So schnell wie möglich soll jetzt das Löschwasser aus dem Gebäude gepumpt werden, damit die Arbeiten im Kudamm-Jubiläumsjahr weiter zügig voranschreiten können.