Verunglückter Bauarbeiter

Unfalltod überschattet Grundsteinlegung am BBI

Eigentlich sollte die Grundsteinlegung für das Airport-Center ein hoffnungsvoller Tag werden, doch der Tod eines Arbeiters auf der Baustelle des zukünftigen Hauptstadtflughafens überschattete die Zeremonie. Es ist bereits der dritte Unfalltote am BBI.

Foto: dpa / dpa/DPA

Auf der Baustelle des künftigen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld ist am Mittwoch der Grundstein für das erste große Bürogebäude gelegt worden. Mehr als 300 Gäste hatten sich am Vormittag auf der Baustelle in der Airport City eingefunden, um dem symbolischen Baubeginn für das 60-Millionen-Euro- Projekt beizuwohnen.

Doch die Feierlichkeiten wurden durch den tragischen Unfalltod eines Bauarbeiters überschattet. Gegen 8.30 Uhr war der Mann bei Betonsägearbeiten am Südpavillon des neuen Flughafens nach Angaben von Flughafenchef Rainer Schwarz sieben Meter tief und auf eine Betondecke gestürzt. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen sei jede Hilfe zu spät gekommen. Der aus Hamburg stammende 59-Jährige erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Die Ermittlungen zur Unfallursache übernahmen die Kriminalpolizei und das Amt für Arbeitsschutz.

„Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen“, sagte Schwarz vor Beginn der Grundsteinlegung und bat die Anwesenden um eine Schweigeminute. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte seine Teilnahme an der Feier wegen des tragischen Unfalls kurzfristig abgesagt. Das teilte Ralph Esser, Geschäftsführer des Projektentwicklers Fay Projects mit. Fay Projects baut das neue „Berlin-Brandenburg Airport Center“ und will es bis zum April nächsten Jahres und damit vor der Eröffnung des neuen BBI am 3. Juni 2012 fertigstellen. Das sechsgeschossige Gebäude wird dann schlüsselfertig und vermietet an den Eigentümer, die HCI Capital AG und ihren geschlossenen Immobilienfonds „HCI Berlin Airport Center“ übergeben. Die gute Lage unmittelbar am Terminal und an der Schnittstelle zwischen Luftverkehr, Straße und Schiene gewährleiste eine positive Rendite, sagte HCI-Vorstandschef Ralf Friedrichs.

Gesundheitszentrum zieht auch ein

Entstehen werden 18.700 Quadratmeter Bürofläche. Erste Mietverträge wurden nach Angaben von Fay Projekts bereits mit den Airlines Air Berlin, Lufthansa und Easyjet sowie mit den Flughafen-Dienstleistern Globeground und Acciona abgeschlossen. Unter den Mietern sind auch die Flughafengesellschaft, die hier Teile ihrer Verwaltung unterbringen wird, sowie die AOK und die Duty-free-Läden-Betreiber Gebrüder Heinemann. „Kurz vor dem Abschluss“ steht jetzt der Mietvertrag für ein medizinisches Zentrum mit Arztpraxen, Apotheke und Optiker, sagte Projektmanager Clemens Rapp von Fay Projects am Mittwoch. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Berliner Klinikkonzern Vivantes und der Sana-Kliniken. Das Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann, das noch vor einem Jahr mit Vivantes für das Projekt im Gespräch war, hat sich Rapp zufolge zurückgezogen.

Die flughafeneigene Airport City ist im Vergleich zu anderen Gewerbeflächen rund um den Flughafen am weitesten entwickelt. Auf den 16 Hektar direkt am künftigen Terminal drehen sich seit dem vergangenen Herbst die Kräne. Die Hochbauten sowie die Stahlbetonskelette der Parkhäuser sind längst zu erkennen. 10.000 Parkplätze und ein Mietwagencenter sind geplant.

Airport City kostet eine Viertelmilliarde Euro

Darüber hinaus entsteht ein Vier-Sterne-Hotel, das die Steigenberger-Gruppe betreibt, sowie das Büro- und Dienstleistungszentrum von Fay Projects. Vor einigen Tagen erst wurde der Grundstein für ein Luftfrachtzentrum gelegt. Der Flughafen ist überdies dabei, ein weiteres Hotel zu akquirieren. Alle Gebäude gruppieren sich um einen zentralen Platz, der den Namen Willy-Brandt-Platz tragen wird und den Blick auf das Terminal freilässt. In der Airport City wird insgesamt mehr als eine Viertelmilliarde Euro verbaut.

Bei der symbolischen Grundsteinlegung am Mittwoch – das erste Stockwerk des Bürohauses steht bereits – wurde neben der Berliner Morgenpost und Münzen auch eine Gedenkschrift für den verunglückten Bauarbeiter einbetoniert.

Bereits der dritte Tote

Es ist der dritte Tote auf der Baustelle des Großflughafens seit Beginn der Bauarbeiten im September 2006. Im vergangenen Jahr im Juni war ein 51-jähriger Brandenburger bei Ausschachtarbeiten von einer Baggerschaufel tödlich verletzt worden. Ein Jahr zuvor starb ein 49 Jahre alter Bauarbeiter aus Bayern. Ein Fahrer eines Baufahrzeuges hatte beim Rückwärtsfahren den Mann übersehen und überfahren.

Die Baustelle am BBI-Terminal spiegelt sich in der Scheibe eines Reisebusses. Am Morgen kam hier ein Bauarbeiter ums Leben Patrick Pleul