Prozess

Als Polizisten getarnte Täter überfallen Millionär

Ein Gangster-Duo ist zu hohen Strafen verurteilt worden. Wegen schweren Raubes, Urkundenfälschung und Amtsanmaßung müssen die zwei Täter für eine lange Zeit ins Gefängnis.

Sie sind ein trauriges Duo: der 45-jährige Igor L. und der zwei Jahre jüngere Günther W. Beide haben einen Großteil ihres Lebens hinter Gittern verbracht. Und beide stehen nun wieder einmal vor einer Moabiter Strafkammer. Aber nicht, wie so oft zuvor, wegen Einbruchs. In der Anklageschrift ist diesmal von schwerem Raub und von Amtsanmaßung die Rede.

Kopf dieser Zwei-Mann-Gang ist der klein gewachsene, korpulente Igor L. Er war es, der im Frühjahr bei dem Besuch einer Gaststätte im Ortsteil Westend auf das spätere Opfer Hartmut N. aufmerksam wurde. Der 68-jährige Kaufmann sei „ungewöhnlich gut gekleidet“ gewesen, sagte Igor L. vor Gericht. Er habe „eine schwere goldene Kette und eine sehr teure Uhr getragen“. Igors Interesse wurde noch verstärkt, als im Restaurant getuschelt wurde, Hartmut N. sei Millionär. Er fahre einen Porsche und besitze ein luxuriöses Haus mit Schwimmbad.

Der erfahrene Einbrecher Igor L. wusste dann schnell, wo sich dieses Haus befand. Vermutlich war es gut gesichert. Deswegen hatte er diesmal auch einen anderen Plan. Er und sein Kumpan Günther W., den er im Gefängnis kennengelernt hatte, erschienen am 4. September dieses Jahres bei ihren Opfern als Beamte der Steuerfahndung. Diese Rolle spielten sie sehr überzeugend. Die Vorlagen für die Dienstausweise und den Durchsuchungsbeschluss hatte Igor L. im Internet heruntergeladen. Hartmut N. wurde nicht stutzig, obwohl sein Nachname falsch geschrieben war. Er ließ die Ganoven ins Haus, zeigte seine Räume, seine beiden Tresore. Und er soll auch noch lachend gesagt haben, dass er ahne, wer ihn da zu Unrecht zu denunzieren versuche.

Opfer mit dem Tode bedroht

In den Tresoren befand sich jedoch nicht das von den Ganoven erhoffte Bargeld. Deswegen verließen sie zunächst ohne Beute das Haus. Igor L. informierte noch sehr freundlich, dass Herr N. in Kürze einen Brief von der Staatsanwaltschaft bekommen werde, mit dem Hinweis, das Verfahren werde eingestellt.

Herr N. und seine Frau seien „sehr nett und höflich“ gewesen, sagte er vor Gericht. Und eigentlich habe er sie in Ruhe lassen wollen – wären da nicht die hartnäckigen, drohenden Gläubiger gewesen, bei denen er hohe Schulden hatte.

So kamen die Ganoven zwölf Tage später noch einmal zur Familie K. Diesmal sogar mit einem gefälschten Haftbefehl. Hartmut N. und seine Ehefrau wurden gebeten, ihre Kellerräume zu zeigen. Alles sehr freundlich. Das änderte sich jäh, als Hartmut N. den Schlüssel für einen der Tresore nicht herausgeben wollte. Weil dieser sich doch angeblich bei seiner Hausbank befinde. „Er war kein guter Lügner“, befand Igor L. Er soll dann nach Erinnerung seines Opfers die mitgeführte Schreckschusspistole entsichert und drohend „dann erschieße ich Ihre Frau!“ gesagt haben. Worauf Hartmut N. sofort die Tresorschlüssel herausgegeben habe. Hernach wurde das verängstige Ehepaar in den Weinkeller gesperrt und der Tresor geplündert: Goldschmuck, wertvolle alte Uhren, antike Münzen.

Der Schaden beträgt nach Schätzung von Hartmut N. mehr als eine Viertelmillion Euro. Weitaus schmerzhafter, das wurde vor Gericht deutlich, empfindet Hartmut N. jedoch die psychischen Folgen für seine Frau: Sie leide unter Angstzuständen, gehe kaum noch aus dem Haus, fahre nicht mehr mit dem Auto, berichtete er mit tränenerstickter Stimme. Auch eine Therapie habe bislang nicht helfen können.

Für die Angeklagten sind die Konsequenzen diesmal spürbar. Günther W. wird zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Igor L. muss für acht Jahre und drei Monate hinter Gitter. Bei ihm wurde noch eine widerrufene Bewährungsstrafe hinzuaddiert.