Tarifverhandlungen

Auch Intensivstationen von Charité-Streik betroffen

Die Gewerkschaften einigten sich mit der Charité zwar darauf, Rettungsstellen und Intensivstationen nur teilweise zu bestreiken. Dennoch müssen andere Berliner Kliniken bei den meisten Fällen in die Bresche springen.

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Mit einer Notdienstvereinbarung wollen Charité und Gewerkschaften verhindern, dass Patienten von Montag an durch den unbefristeten Streik der Pflegekräfte zu Schaden kommen. Am Freitag haben beide Seiten die Vereinbarung unterschrieben, mit der die Versorgung für akute Notfälle gesichert wird. Das ist auch nötig, denn bei dem angekündigten Streik in den Häusern der Charité ist kein Bereich ausgenommen. Auch Rettungsstellen und Intensivstationen sind vom Ausstand der Pflegekräfte betroffen. Wie in den anderen Bereichen auch werden hier von Montag an nur so viele Pflegekräfte im Einsatz sein wie sonst an den Wochenenden.

Andere Kliniken sollen einspringen

Die Charité hat Feuerwehr und Rettungsdienste gebeten, für die Dauer des Streiks vorrangig andere Kliniken in Berlin anzufahren. Die Senatsverwaltung für Gesundheit hat am Freitag alle anderen Krankenhäuser angeschrieben, dass sie sich in den Rettungsstellen auf mehr Patienten einstellen müssen. „Es gibt zwar ein Recht auf Streik, aber die Patientenversorgung darf nicht unter dem Arbeitskampf leiden“, sagt Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Die Senatsverwaltung sei ständig im Gespräch mit den Tarifpartnern, direkte Eingriffsmöglichkeiten habe der Senat jedoch nicht.

Kai Gersch, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, appelliert an beide Tarifpartner, die Eskalation des Arbeitskampfes so schnell wie möglich zu beenden und den Patienten ein Maximum an Versorgung zu gewährleisten. Die Forderungen der Pflegemitarbeiter seien berechtigt, sagt Gersch. Die Charité könne nicht allein auf finanzielle Zwänge verweisen, wenn sie es gleichzeitig unterlasse, nötige Strukturveränderungen zu vollziehen. Die Patientensicherheit müsse absoluten Vorrang haben, so der Gesundheitsexperte der FDP.

Grüne haben Verständnis für den Streik

Heidi Kosche, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, findet vor allem den Ausstand in den Rettungsstellen problematisch. „Gerade hier ist die Situation auch ohne Streik schon sehr angespannt“, sagt Kosche. Dennoch habe sie Verständnis für das Pflegepersonal. Leider müsse es häufig erst zu unzumutbaren Zuständen kommen, damit die Verantwortlichen zum Handeln bewegt werden.

Bettina Weitermann von der Gewerkschaft Ver.di betont, es sei das gute Recht des Pflegepersonals, auch Rettungsstellen und intensivmedizinische Bereiche zu bestreiken. Schließlich könnten Patienten in Berlin auch auf andere Krankenhäuser ausweichen. Wer dennoch in die Rettungsstellen der Charité komme, müsse lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Für ambulante Patienten hat die Charité unter 030 / 450 55 05 00 eine Info-Hotline eingerichtet.