Studie

In der Krise gewinnt Berlin bei den Touristen

Das Gastgewerbe zählt zu den konjunktursensibelsten Branchen in Deutschland. Wie das Sparkassen-Tourismusbarometer jetzt zeigt, ist der Deutschlandtourismus von der weltweiten Krise kaum betroffen. Unter den Top-Metropolen ist Berlin der Gewinner. Doch es gibt auch namhafte Verlierer.

Foto: Amin Akhtar

In deutschen Hotels haben erstmals mehr Gäste übernachtet als in den klassischen Urlaubsländern Spanien und Italien. In den ersten acht Monaten 2009 waren dies rund 346,6 Millionen Übernachtungen. Spaniens Hotelbesitzer verzeichneten rund 2 Millionen, Italien sogar rund 33 Millionen Übernachtungen weniger. Das geht aus dem Tourismusbarometer hervor, das der Deutsche Sparkassenverband jetzt in Berlin vorstellte.

Mit einen Minus von 0,8 Prozent verliert Deutschland in diesem Zeitraum auch wesentlich weniger bei den Übernachtungszahlen als etwa Spanien mit 7,7 Prozent und Bulgarien mit 11,9 Prozent. Grund hierfür sei die in Deutschland konstant hohe Zahl von Gästen aus dem eigenen Land, die den europaweit drastischen Rückgang hierzulande kompensierte.

Bei den Inlandsübernachtungen ist Deutschland Spitzenreiter im europäischen Vergleich. „Aber nur jede 16. Übernachtung wird durch einen ausländischen Gast getätigt“, sagte der Verbandspräsident Heinrich Haasis. Das sei europaweit der letzte Platz.

Trotz der europäischen Spitzenposition hat sich die wirtschaftliche Situation im deutschen Gastgewerbe verschlechtert: Vor allem wegen geringer Urlaubsbudgets der Reisenden und steigenden Kosten ging den Angaben zufolge der Umsatz um 6,4 Prozent zurück. Insbesondere das Beherbergungsgewerbe, das stark von Geschäftsreisen abhängig ist, verzeichnete mit 8,4 Prozent zwischen Januar und August 2009 einem starken Rückgang.

Am meisten verloren die Hoteliers in Nordrhein-Westfalen (-10,8 Prozent) und Sachsen (-10,2 Prozent). Der Krise trotzte lediglich Mecklenburg- Vorpommern mit einem leichten Umsatzplus von 0,2 Prozent.

Die Gewinner und Verlierer

Der Gewinner unter den Reisezielen innerhalb Deutschlands sind die Metropolregionen Berlin und Hamburg. Mit 12,3 Millionen Übernachtungen und einen Zuwachs von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnete die Hauptstadt von Januar bis August den größten Zuwachs unter allen europäischen Großstädten, gefolgt von Hamburg mit 5,0 Prozent, Stockholm (+ 4,3 Prozent) und Barcelona (+3,5 Prozent).

Osteuropäische Städte verloren am stärksten: Prag zählte 11,4 Prozent und Budapest 12,6 Prozent Übernachtungen weniger. Sie konnten in den vergangenen Jahren zunehmend vom Ausbau der Billig-Flugverbindungen und einem geringen Preisniveau profitiert haben, leiden unter der Wirtschaftskrise.

Aber auch an den Top-Städten Europas wie Madrid (-6,2 Prozent), Wien (-7,0 Prozent) oder Paris (-8,5 Prozent) müssen sich Rückgängen stellen.