Wertheim-Areal

Anwohner blockieren Projekt am Leipziger Platz

Auf dem Wertheim-Areal am Leipziger soll für 470-Millionen ein riesiger Gebäudekomplex mit einer 120 Meter langen, überdachten Einkaufspassage enstehen. Doch nun wird der Berliner Investor Harald Huth ausgebremst. Anwohner klagen gegen das Megaprojekt.

Jahrelang war die riesige Brache am Leipziger Platz im Herzen der City Ost hinter Werbeplanen verborgen. Als der neue Eigentümer des ehemaligen Wertheim-Areals im Januar die Planen entfernen und im April die ersten Bagger anrollen ließ, keimte Hoffnung auf, dass die achteckige Platzanlage zwischen Wilhelmstraße und Potsdamer Platz endlich ihr wichtigstes Bauteil erhält. Doch so schnell der Berliner Harald Huth zunächst startete, jetzt wurde er erst einmal ausgebremst. „Drei Nachbarn haben Widerspruch gegen den Bauvorbescheid eingelegt“, informierte der Investor die Politiker im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses. Solange diese nicht vom Tisch seien, werde er mit dem Bau nicht beginnen.

Das Megaprojekt am Leipziger Platz beziffert Huth mit rund 470 Millionen Euro. Unterteilt in zwölf Gebäudeteile, sollen ober- und unterirdisch insgesamt 152.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen. Wirtschaftliches Herzstück des Bauvorhabens ist eine 120 Meter lange, überdachte Einkaufspassage mit 150 Geschäften. Ergänzt wird das Projekt durch rund 170 Wohnungen, die überwiegend an der Voßstraße liegen. Drei Anlieger der Voßstraße sind es auch, die Widerspruch eingereicht haben. Dabei geht es nach Informationen dieser Zeitung vor allem um den künftigen Lieferverkehr für das Einkaufszentrum. Denn dieser soll, genauso wie der Zufahrtsverkehr zu dem Parkhaus mit insgesamt 800 Plätzen, über die Voßstraße abgewickelt werden.

„Gerade weil wir die Wohnungen im Bereich Voßstraße ansiedeln, haben wir natürlich ein ausgesprochenes Interesse, die Belästigungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Huth. Schließlich seien gut 30 Prozent der oberirdisch genutzten Fläche von knapp 90000 Quadratmetern für Wohnungen vorgesehen. „Sie können sich vorstellen, dass wir da auf vernünftige Mieteinnahmen angewiesen sind.“ Nach seinen Berechnungen wird das neue Quartier rund 2500 Fahrzeugbewegungen mit sich bringen. Die Nachtruhe sei dadurch aber nicht gefährdet. „Die meisten Fahrten erfolgen während der Öffnungszeiten des Centers zwischen 10 und 21Uhr“, so Huth.

Die Bauzeit für das Gebäudeensemble will Huth möglichst kurz halten. Üblich seien bei Vorhaben dieser Größe 48 bis 60 Monate. „Wir wollen den gesamten Komplex in 36 Monaten fertigstellen“, so der Investor. Sollte man sich mit den klagenden Nachbarn einigen, wolle man noch 2010 mit den eigentlichen Bauarbeiten beginnen. „Ende März habe ich den Bauantrag gestellt, üblicherweise dauert es bis zur Genehmigung ein halbes Jahr“, so Huth. Die Genehmigung für die Baufeldfreimachung hat er bereits, die ersten Arbeiten haben begonnen.

Die Planungen auf dem Wertheim-Areal standen bislang unter keinem guten Stern. Vor vier Jahren hatte die durch die Finanzkrise in Schieflage geratene Orco-Gruppe das 22000 Quadratmeter große Grundstück für 75 Millionen Euro erworben. Nach Plänen des Berliner Architekten Jan Kleihues sollte ein edles Stadtquartier entstehen. Dann ging dem Immobilienunternehmen das Geld aus. Harald Huth übernahm die Regie und beauftragte die Architekturbüros Manfred Pechtold, nps Tchoban Voss und PSP Architekten und Ingenieure mit dem neuen Konzept.