Studium in Berlin

Sommersemester startet mit 6000 neuen Studenten

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Birgit Haas

Foto: Glanze

Seit Montag müssen Berlins Studenten wieder in die Hörsäle. Unter ihnen sind auch 6000 Neulinge. Morgenpost Online ist zwei von ihnen begegnet.

Mads sitzt vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Alleine. Der Däne hat seine erste Uni-Veranstaltung gerade erst hinter sich gebracht, zum ersten Mal seine neuen Kommilitonen gesehen. Näher kennengelernt hat er an seinem ersten Tag an der Humboldt-Universität noch keinen. Am Montag haben an den Berliner Universitäten und Hochschulen die Vorlesungen des Sommersemesters begonnen.

An der Freien Universität haben sich 4077 Studenten eingeschrieben, an der Humboldt-Universität sind es 509. Insgesamt begannen am Montag schätzungsweise 6000 junge Menschen ihr Studium in Berlin. Unter den neu Immatrikulierten sind nur wenige Abiturienten, Bachelorstudiengänge beginnen bis auf wenige Ausnahmen im Wintersemester. Die Erstsemester-Studenten sind entweder Master-Studenten. Oder sie kommen wie Mads aus dem Ausland. Mads ist erst am vergangenen Sonnabend von Kopenhagen nach Berlin gezogen, plant ein Semester Geschichtsstudium an der Humboldt-Universität, da sein Schwerpunkt neben der dänischen die deutsche Vergangenheit ist.

„Ostpolen im Zweiten Weltkrieg“ hieß die erste Übung, die Mads besucht hat. Der 26 Jahre alte Geschichtsstudent ist begeistert vom umfassenden Angebot der Humboldt-Universität. An der Hochschule in Kopenhagen sei die Auswahl nicht so groß.

Der Däne freut sich, in Berlin zu sein, hier ist es zehn Grad Celsius wärmer als in seiner Heimat, dort könnte er noch nicht im Freien sitzen, auch wenn die Sonne scheint. „Wegen dem guten Wetter heißt das hier wohl Sommersemester“, sagt Mads in fast akzentfreiem Deutsch. „Bei uns heißt das Frühlingssemester.“ Mads wartet auf seine Freundin. Sie ist der Grund, wieso er nach Berlin gezogen ist. Aber die Stadt mag er auch. „Hier ziehen sich alle leger an, es gibt keinen Kleidungszwang“, meint Mads. Das trage zur entspannten Atmosphäre bei.

Erst am Freitag hat Mads seine letzte Prüfung in Kopenhagen absolviert. „Semesterferien hatte ich leider nicht.“ Ähnlich geht es auch Tina. In der sechswöchigen Pause nach dem vergangenen Wintersemester hat die Jura-Studentin eine Arbeit verfasst. 40 Seiten wissenschaftliches Schreiben. „Fünf Wochen lang saß ich jeden Tag mindestens sechs Stunden in der Bibliothek“, sagt die 22 Jahre alte Studierende. Und in wenigen Wochen müsse sie sich auf die kommenden Prüfungen im Juli, am Ende des Sommersemesters, vorbereiten. Trotzdem sei es schön, dass nun das neue Semester beginnt. „Endlich füllt sich der Campus wieder mit Leben.“ Tinas Kommilitonen kommen in der Mehrzahl aus anderen Bundesländern, waren in den Semesterferien nicht in Berlin. Auch Tina ist keine Berlinerin, sondern kommt gebürtig aus Erfurt. „Da ist es mir allerdings zu eng geworden.“ Als junge Studentin könne man in Berlin viel mehr erleben als in Erfurt. „Da kennt auch jeder jeden, das schränkt schon ziemlich ein.“

Wegen der Liebe nach Berlin

Ein weiterer Vorzug: Die Humboldt-Universität sei für ihre juristische Fakultät bekannt. „Das ist schon was anderes als in Erfurt.“ Tina will sich in diesem Semester auf Verlags- und Medienrecht spezialisieren, sie ist sehr gespannt auf die Vorlesungen. Und da Tina „in der Küche nicht so begabt ist“, wie sie selbst sagt, macht es ihr auch nichts aus, dass das Angebot in der Mensa mal wieder „eher so naja“ sei. Vor ihrem Studium in Berlin hat Svenja in Hamburg studiert. „Es hört sich kitschig an, aber ich bin wegen der Liebe hergezogen“, sagt die 22 Jahre alte Hanseatin. Ihr Freund habe hier ein Unternehmen und baue ein Haus, deshalb habe er nicht nach Hamburg zu ihr ziehen können. Glücklicherweise hat Svenja in diesem Semester einen Studienplatz in Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität bekommen und konnte zu ihrem Freund nach Lichtenberg ziehen. Nach einem Tag an der neuen Universität fiel ihr nur ein Manko auf. „Schade ist, dass ich nicht mit dem Auto zur Hochschule fahren kann – hier gibt es absolut keine Parkmöglichkeiten.“

Auf dem Campus der HU findet sie sich gut zurecht. „Die Hamburger Uni ist viel größer und verwirrender.“ Obwohl es für die Quereinsteigerin keine Einführungsveranstaltungen hat. Dafür hat sie ihre Freundin Nadja, mit der sie gerade im Hof der Universität sitzt und den Sonnenschein genießt. Die 21 Jahre alte Kommilitonin gibt ihr alle Informationen, die man braucht zum Semesterstart. Auf ihre Zeit in Berlin ist Svenja gespannt. „Hier sind die Leute viel aufregender und unterschiedlicher“, sagt die junge Frau. Für sie ist es auch privat ein neuer Abschnitt.