Kreuzberg

Anlieger wollen ihre Wiese am Marheinekeplatz

Der Streit um die zukünftige Gestaltung des Marheinekeplatz in Kreuzberg geht in die nächste Runde. Der Vorschlag eines Architekturbüros, den Platz zu pflastern, stößt bei Anwohnern auf taube Ohren.

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Hundehaufen auf der Wiese, Flohmarkt-Stände im Rosenbeet, immer mehr Restauranttische auf der Freifläche: Anwohner am Marheinekeplatz in Kreuzberg haben viel zu kritisieren. Eine grundlegende Veränderung wünschen sie jedoch nicht. Das hat eine Diskussion am Donnerstagabend gezeigt, auf der das Architekturbüro Hanke mehrere Entwürfe zur Umgestaltung des Marheinekeplatzes vorstellte: mit Pflaster, mit Tennenbelag anstelle der Grünfläche, mit einer Holzbühne und größerem Spielplatz.

Das Ergebnis: Die Grünfläche soll bleiben, aber nicht mehr von Hunden, sondern von Menschen genutzt werden. Auch den Flohmarkt soll es weiterhin geben, aber zeitlich begrenzt. Eine Bühne wollen die Nachbarn auf keinen Fall. „Dann haben wir die Admiralbrücke hier“, sagte ein Anwohner. Auch der Vorschlag, Bäume zu fällen, um alte Sichtachsen wieder herzustellen, stieß auf Ablehnung.

Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) will nun prüfen, ob er ein Verbot zum Mitführen von Hunden auf der Grünfläche erlässt. „Damit man sich wieder auf den Rasen legen oder Picknick machen kann.“ Doch dazu müssten Schilder für diese kleine Fläche aufgestellt werden. Dieses Verbot gelte bereits auf vier Grünflächen in Friedrichshain, darunter auf der Weberwiese, so Panhoff.

Die Vertreter der Passionskirche wünschen sich einen barrierefreien Zugang zum Gotteshaus. Deshalb soll die Fläche davor durch farbiges Pflaster hervorgehoben werden. Auch die unübersichtliche Verkehrssituation will Stadtrat Panhoff verbessern. Kritisiert wird vor allem ein Abschnitt auf der Bergmannstraße: Autofahrer kommen aus Richtung Marheineke-Markthalle und kreuzen den Radweg. „Dann müssten sie den Radfahrern die Vorfahrt gewähren“, sagt Panhoff. Weil dies oft missachtet werde, könnte ein Stopp-Schild aufgestellt werden.

Eine zunehmende Kommerzialisierung der Fläche kritisiert Ascan Tesdorpf. Er lebt seit 1995 am Platz. Der Flohmarkt am Wochenende, ein Weihnachtsmarkt, die Touristen und Flaneure auf der Bergmannstraße und die Tische vor den Cafés der Marheineke-Markthalle hätten dazu geführt, dass der Platz immer stärker genutzt worden sei. „Er hat gelitten.“ Tesdorpf arbeitet in der Initiative „Rettet den Marheinekeplatz“. Sie hat die Pflege des vernachlässigten Rosenbeetes übernommen. „Der Platz soll wieder mehr der Nachbarschaft zur Verfügung stehen“, sagt der 49 Jahre alte Architekt. Er arbeitet in einer von fünf Arbeitsgruppen, die sich mit der Umgestaltung des Marheinekeplatzes beschäftigen. In einigen Monaten soll es erneut ein Treffen mit Vertretern des Bezirksamtes geben. Auch die Architektenentwürfe sollen nach den Wünschen der Anwohner überarbeitet werden, kündigt Stadtrat Panhoff an. Ziel sei, den Platz zu „qualifizieren“. Dazu will er Mittel aus dem Plätzeprogramm beantragen. Panhoff: „Voraussetzung dafür ist eine Planung, die mit den Anwohner abgestimmt ist.“

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