Berlin-Touristen

Wohnungen werden zu Ferienappartements

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Isabell Jürgens

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

In Berlin blüht die Schwarz-Hotellerie. Mietwohnungen werden legal oder illegal an Touristen vermietet. Für die Eigentümer ist das eine gute Einnahmequelle, für die Anwohner ein Ärgernis.

„3 Zimmer FeWo, Brandenburger Tor nah, bis sechs Personen, ab 79 Euro pro Nacht, inklusive Bettwäsche und Handtücher.“ Wer sich im Internet auf die Suche nach einer Ferienwohnung in Berlins Mitte macht, stößt unweigerlich auf die Plattenbauten an der Wilhelmstraße, die zu DDR-Zeiten für die Politprominenz errichtet wurden.

Kein Einzelfall: Nach Schätzungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt es in Berlin mittlerweile rund 10.000 Ferienwohnungen, die meisten davon in zentralen Innenstadtlagen. Berliner Tourismusexperten sprechen seit Jahren von "Schwarz-Hotellerie". Um den Trend zu stoppen, hatte die Verwaltung vor knapp einem Jahr eine Verordnung erlassen, die den Hauseigentümer zu teuren Umbauten zwingt, wenn im Haus mehr als zwölf Betten an Touristen vermietet werden. Das Problem: Bislang gibt es keine Erkenntnisse darüber, in wie vielen Häusern das der Fall ist.

Die Mieterinitiative Wilhelmstraße hatte Donnerstagabend zu einer Versammlung in die Grundschule am Brandenburger Tor eingeladen, um Betroffene über die Umsetzung der neuen Verordnung zu informieren. Nach Zählung der Mieterinitiative werden rund 240 Wohnungen der insgesamt 900 Wohnungen an Touristen vermietet. „Bei uns in den Häusern werden wilde Partys gefeiert, Tag und Nacht gehen Fremde ein und aus, ein nachbarschaftliches Miteinander ist nicht mehr möglich“, berichtete Daniel Dagan über die Auswirkungen. Eingeladen hatte die Initiative auch Vertreter der B.Ä.R. Grundstücksgesellschaft, die vor sieben Jahren die einstmals landeseigenen Plattenbauten übernommen hatte. „Doch wie immer verweigert das Unternehmen jedes Gespräch.“ Die Hoffnung der Betroffenen, dass die strengeren baulichen Vorschriften, insbesondere zum Brandschutz, an ihrer Situation etwas verbessern könnten, wurde jedoch enttäuscht.

So musste Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) einräumen, dass bislang kaum etwas erreicht wurde. „Wir haben den Eigentümer angeschrieben und um eine Liste der als Ferienwohnungen genutzten Einheiten gebeten“, so Hanke. Zudem habe das Amt die baurechtlichen Unterlagen sämtlicher Gebäude angefordert. „Der Vermieter hat dagegen Widerspruch eingelegt, es läuft nun auf eine Konfrontation vor Gericht hinaus.“ Laut Hanke könnte es noch „sehr lange dauern“, bis der Vermieter reagieren muss. Die Auskunft sorgte bei den Anwohnern für ungläubiges Entsetzen. „Die Information, welche Wohnungen als Ferienunterkunft genutzt werden, lassen sich doch ganz leicht im Internet finden“, sagte eine ältere Dame. Hanke verwies jedoch auf Vorschriften, an die das Amt gebunden sei. „Wir werden die Verordnung aber bis zum bitteren Ende umsetzen“, versprach er.