Boulevards der Stars

Der "Walk of Fame" hat schon Kratzer

Nur zwei Monate nach der Eröffnung des Boulevards der Stars ist der Glanz der Touristenattraktion bereits verflogen. Jetzt muss nachgebessert werden.

Mitten auf der Potsdamer Straße, zwischen Potsdamer Platz und Ben-Gurion-Straße, verläuft Berlins Boulevard der Stars. Doch schon zwei Monate nach der feierlichen Eröffnung der Flaniermeile, wirft der Zustand des Boulevards öffentlich Fragen auf. Jetzt haben auch die Initiatoren eingeräumt, dass an vielen Stellen der Touristenattraktion deutlicher Nachbesserungsbedarf besteht.

Stellt man sich heute auf den Mittelstreifen der Potsdamer Straße, also auf den Boulevard der Stars, scheinen die Glitzerwelt und der Luxus der Filmwelt weit entfernt. Viele der in den Boden eingelassenen Sterne sind bereits verkratzt. Die Schriftzüge mit den Namen der Stars, wie Wolfgang Petersen oder Billy Wilder, sind nur noch schlecht lesbar. An vielen Stellen liegen die rot gefärbten Kieselsteine, die eigentlich in den Beeten um die Bäume liegen sollten, auf dem Boulevard verteilt.

Auch der Bodenbelag aus einer weinroten Kunstharzschicht, die an einen roten Teppich erinnern soll, löst sich an vielen Stellen von der Erde. Dadurch werden die Sterne zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. Und die kaum drei Meter hohen Bäume, die den Boulevard nach links und nach rechts vom unaufhörlich vorbeirauschenden Verkehr abschirmen sollen, stehen, besonders in der dunklen Jahreszeit, etwas verloren da.

Initiatoren sehen Schäden

Georgia Tornow von der Boulevard der Stars gGmbH räumte gestern ein, dass der Zustand des Boulevards an einigen Stellen nicht so ist, wie man sich es wünscht. Dennoch relativiert sie viele der Vorwürfe. „Natürlich gibt es einige Stellen an denen wir noch nachbessern müssen und werden. Aber trotzdem kommen jeden Tag zahlreiche Menschen, um sich den Boulevard der Stars an zu sehen“, sagt Georgia Tornow.

Laut den Initiatoren soll der Boulevard ein Ort der Würdigung und der feierlichen Auszeichnung für deutsche Filmschaffende sein. Bedenkt man, dass unter anderen Legenden wie Romy Schneider oder Marlene Dietrich mit einem Stern auf dem Boden geehrt werden, dann sollte natürlich auch das Umfeld würdig sein.

Für Lars Krückeberg vom zuständigen Architekturbüro Graft kommt die Diskussion vor allem zum völlig falschen Zeitpunkt. „Ich möchte einen öffentlichen Platz sehen, der draußen ist, der zu dieser Jahreszeit einladend ist“, sagt Lars Krückeberg. „Außerdem handelt es sich um einen ganz normalen Ablauf. In den ersten Monaten nach der Fertigstellung, müssen an jedem Bauwerk Nachbesserungen vorgenommen werden.“ Für den Architekten sind die Steine aus den Baumbeeten das zentrale Problem. „Das lässt sich aber lösen, wenn wir uns mit den Bauherren auf eine Idee geeinigt haben“, sagt Krückeberg.

Reparaturarbeiten beginnen

Die Ausbesserungsarbeiten beginnen umgehend. Für den Kies aus den Baumbeeten wird über eine Lösung mit Gittern oder Abdeckungen nachgedacht. Dadurch sollen die Steine nicht mehr auf den Boulevard gelangen. Auf den Sternen werden die Namen nachgezogen. Die Oberfläche der Sterne wird so bearbeitet, dass die feinen Kratzer entfernt werden. Darüber hinaus sollen bislang noch fehlende Papierkörbe aufgestellt werden.

Neu justiert wurden bereits die zahlreichen Scheinwerfer entlang dem Boulevard. Sie leuchten jetzt gezielter auf die Sterne der Prominenten. Außerdem wurde eine Art Choreografie entwickelt. So werden nie alle Sterne gleichzeitig angestrahlt. Auf diese Weise sollen Besucher zum entspannten Flanieren eingeladen werden.

Der Potsdamer Platz gehört zu den schillerndsten Adressen in Berlin. Da steht das Ritz-Carlton mit edlen Einkaufsboutiquen im Erdgeschoß; Bahn- und Kollhoff-Tower ragen in die Höhe. Entlang der Potsdamer Straße erstreckt sich das Sony Center. Und besonders am Abend, wenn es dunkel wird, verleihen die unzähligen Lichter dem gesamten Areal ein weltstädtisches Flair.

Jedes Jahr findet hier auch die Berlinale statt. Genau der richtige Ort also, um deutschen Filmstars von gestern und von heute ein Denkmal zu setzten. Deshalb entstand auch genau hier, in Anlehnung an den Walk of Fame in Los Angeles, der Berliner Boulevard der Stars. Die Wahl des Ortes ist also wohl überlegt.

Der Boulevard bleibt langfristig

Christoph Katerbau vom Bauamt des Bezirksamts Mitte widerspricht darum auch den Gerüchten um die Zukunft des Standorts. Angeblich soll in einigen Jahren die Tramlinie M4 vom Alexanderplatz über die Leipziger Straße bis zum Kulturforum weitergeführt werden. Dann müsste der Boulevard den Straßenbahnschienen weichen. „Wir hätten hier doch niemals so etwas in Angriff genommen, wenn wir nach wenigen Jahren wieder umziehen müssten“, sagt Christoph Katerbau. „Für diese Bahntrasse kenne ich keinen konkreten Plan.“

Es wird noch einiges passieren am Boulevard der Stars. Schäden werden ausgebessert und Neuerungen installiert. Wenn dann im nächsten Frühjahr auch die Sonne wieder scheint, und die Bäume Blätter bekommen, dann wird der Gesamteindruck der Flaniermeile sicherlich auch wieder einladender sein. Das Berlin die richtige Stadt und die Potsdamer Straße der richtige Platz ist, da sind sich die Initiatoren trotz aller Kritik sicher.