Radioaktivität

So gefährlich war die verseuchte Stargader Straße

Anwohner und Passanten hatten sich besorgt gefragt, wie gefährlich die radioaktiv verseuchte Stelle auf der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg war. Prüfergebnissen zufolge lag die Belastung durch ein am Abend entdecktes Messgerät für Dichtigkeitsprüfungen bei 10 Millisievert. Was das bedeutet.

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Straßenstück in Prenzlauer Berg radioaktiv verstrahlt

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Die Strahlenbelastung durch ein Stück Asphalt auf der Stargader Straße in Prenzlauer Berg war gering. Experten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit untersuchten am Montag die Stelle. Ihren Ergebnissen zufolge lag die Belastung unmittelbar über der Strahlenquelle bei 10 Millisievert. Wie ein Sprecher des Landesamtes mitteilte, sei die Strahlung allerdings nur punktuell gewesen und konzentriert an einer Fuge zweier Asphaltplatten ausgetreten. Die Strahlenquelle wurde etwa 40 Zentimeter unter der Straßendecke vermutet.

Zum Vergleich: Die natürliche Belastung eines Menschen beträgt in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr (effektive Dosis). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie im einzelnen von 1 bis zu 10 Millisievert. Würde sich jemand 50 Minuten lang genau über der verseuchten Fläche in Prenzlauer Berg aufhalten, bekäme er eine Strahlenmenge ab, die 100 Flügen von Frankfurt nach Tokio und zurück entspräche. Denn in großen Höhen ist die Strahlung deutlich höher.

Am Montagabend konnte dann Entwarnung gegeben werden. Die radioaktive Quelle entpuppte sich als Messgerät für Dichtigkeitsprüfungen. Das teilte der Sprecher des Landesamts für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Robert Rath, mit. Die für den Verkehr gesperrte Stargarder Straße war von einem Spezialteam aufgebrochen und die Fundstelle untersucht worden. Das dabei in geringer Tiefe entdeckte kleine Metallstück „von der Größe einer Zigarette“ strahle Cäsium 137 ab, so Rath. Es sei bisher unklar, wie es dorthin gekommen war. Das Messgerät werde zum Beispiel eingesetzt, um die Dichtigkeit von Rohren und Schweißnähten zu überprüfen. „Das Messgerät hat an dieser Stelle jedenfalls nichts zu suchen.“

Die Fachleute der Behörde, besonders aber die Anwohner, reagierten erleichtert auf Meldung, dass die Ursache gefunden wurde. Das Landesamt hat inzwischen Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wie Sprecher Robert Rath sagte. Ermittler sollen klären, wie die strahlende Substanz unter die Stargarder Straße kam, und wer dafür verantwortlich sei.

Bei einer Routineüberprüfung war am Sonntag an der Stargader Straße die Strahlenquelle im Erdboden entdeckt worden. Das Deutsche Rote Kreuz hatte die deutlich erhöhten Strahlenwerte am Straßenrand festgestellt. Die etwa vier Quadratmeter große Fläche wurde mit Bleiplatten abgedeckt. Um die Strahlung weiter abzudämmen, wurde später zunächst ein Fahrzeug einer Landesbehörde über der Stelle geparkt und mit Bauzäunen abgesperrt.

Zur weiteren Untersuchung trafen Experten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit ein. Auch das Landeskriminalamt untersuchte die Fläche, es werde wegen „Freisetzung ionisierender Strahlung“ ermittelt, so ein Vertreter. Um den Vorfall genauer zu untersuchen und weitere Messungen durchzuführen, wurden das Fahrzeug und die Bleiplatten später wieder entfernt. Die Stargader Straße wurde zwischen Pappelallee und Lychener Straße für den Verkehr gesperrt. Eine vom Landesamt beauftragte Spezialfirma begann noch am Montagabend mit der Bergung der vermuteten Strahlenquelle.

Anwohner hatten am Montagmorgen besorgt und irritiert auf den Vorfall reagiert. „Ich bin heute Morgen erst von einer Nachbarin informiert worden. Von offizieller Seite hat man uns überhaupt nichts mitgeteilt“, sagte Verena Siegel, deren Geschenkladen gegenüber des betroffenen Bereichs liegt. „Die Feuerwehr sagt zwar, die Strahlung sei nicht gefährlich, trotzdem fühlt man sich ziemlich unwohl.“ Zudem sei an dem Absperrungszaun am Montag keinerlei Information angebracht gewesen – „was, wenn Kinder dort gespielt hätten?“

Auch Fachleute der Landesanstalt für Personendosimetrie und Strahlenschutzausbildung (LPS) waren vor Ort, allerdings nur aus privatem Interesse. Ihre Messgeräte hatten sie dennoch mitgebracht. Sie zeigten etwa zehn Meter von der Absperrung einen Wert von 0,7 Mikrosievert pro Stunde. „Das entspricht etwa dem Dreifachen des Normalwerts“, sagte eine Mitarbeiterin der LPS. Dennoch hielt sie die Gefährdung der Anwohner für gering. „Die Art von Strahlen, die hier austritt, verliert schnell an Durchschlagskraft“, die angrenzenden Wohnungen könnten daher kaum von der Strahlenbelastung betroffen sein. Auch für die Ursache der Strahlung hatte die Physikerin bereits eine Vermutung. So würden bei der Verlegung von unterirdischen Rohren oft minimal radioaktive Strahler verwendet, um die Dichtheit der geschweißten Nähte zu überprüfen. „Möglicherweise ist ein solcher Strahler in den Rohren vergessen worden“, so die Fachfrau vor der Klärung der Ursache. Auch die illegale Entsorgung von strahlenden Schwermetallen in einer Baugrube komme als Ursache in Frage. Anlass zur Beunruhigung sei aber nicht gegeben, zumal die Experten der Landesanstalt ohne Strahlenschutzanzüge angerückt waren.

Dennoch belagerten während der Messungen zahlreiche beunruhigte Passanten und Anwohner an den Absperrungen die Polizei, um Auskünfte zu erhalten.