Frühlingswetter

Ein bisschen Frühling - Berliner ziehen aufs Land

DIe Saison ist eröffnet: Am Wochenende erlebten Gartencenter einen Ansturm an Hobbygärtnern. Gekauft werden vor allem Kräuter und Bioprodukte. Das Wetter soll mild bleiben.

Die Meteorologen hatten das Frühlingswetter für dieses Wochenende vorausgesagt und damit den Startschuss für die Garten- und Pflanzensaison gegeben. „Es ist warm, windstill, und die vergangenen Nächte waren frostfrei“, sagt Blumenhändler Michel Nas. „Jetzt geht's los.“ Er und sein Team von derzeit noch 15 Mitarbeitern sitzen morgens im Gartencenter „Der Holländer“ am Olympiastadion zusammen und frühstücken. Alle wissen, dass für sie jetzt sehr arbeitsreiche Wochen beginnen. Mehrere Lastwagenladungen werden täglich für Pflanzennachschub sorgen.

„Wenn die Vögel anfangen zu zwitschern, wollen die Menschen Blumen sehen.“ Der 38 Jahre alte Gärtner soll recht behalten. Schon kurz nach Ladenöffnung kommen die ersten Kunden. Familien mit Kindern, Paare, Männer und Frauen. Ausgerüstet mit Schubkarren, Einkaufslisten und Fachlektüre, beginnt für viele der Frühling im Garten oder auf dem Balkon.

„Die Kinder haben heute Lust zu pflanzen, und dann muss der gut erzogene Vater mit ihnen auch Pflanzen kaufen gehen“, sagt Lars Ackermann aus Spandau. Eva (6) und ihr Bruder Jan (4) füllen in dem Gartencenter ihre Minischubkarren mit Osterglocken, Hyazinthen und Tulpen. „Wir haben unseren eigenen Garten in dem Garten von Mama und Papa“, erzählen sie. „Da dürfen wir unsere Blumen pflanzen.“ Als „sehr teuer“ beschreibt Ackermann das Hobby Garten, dafür bietet es aber auch Entspannung sowie Freude und Verantwortung für die Kinder.

Kräuter erleben einen Boom

Mittlerweile sind alle Mitarbeiter des Gartencenters mit Kunden beschäftigt. Die beladen ihre Schubkarren mit Stiefmütterchen, Primeln, Narzissen und Tulpen. Gefragt sind auch Heckenpflanzen, Mandelbäume und die Zierkirsche. Zwischen den Gewächshäusern und dem gegenüberliegenden Parkplatz hat ein regelrechter Pflanzentransport eingesetzt. Säcke mit Muttererde, Pflanzen, Dünger und zahlreiche Arbeitsgeräte werden in Kofferräumen und auf den Dachträgern verstaut und befestigt. „Endlich Frühjahr, heute muss ich einfach raus“, sagt Andrea Kaie. Für ihre zwei Balkone hat sie Kräuter und Zierpflanzen eingepackt. Auch Nicole Böhnicke ist mit Tochter Charlize (5) unterwegs. „Wir suchen uns Stiefmütterchen aus und machen uns dann gemeinsam an die Gartenarbeit.“

Neben den Balkon- und Garten-Klassikern hat bei den Gartenkräutern ein regelrechter Boom eingesetzt. „Werden in einer Fernsehkochsendung bestimmte Kräuter verwendet, stehen am nächsten Tag die Kunden im Geschäft und wollen sie kaufen“, sagt Nas. Mittlerweile habe man rund 200 verschiedene Kräuter vorrätig. Nach Aussagen des Fachmanns geht der Trend immer mehr zur Selbstversorgung. Tomaten, Kräuter, Kirsch- und Apfelbäume werden von Jahr zu Jahr stärker nachgefragt. „Bio, Bio, Bio muss es sein“, sagt Nas. „Das ist kein Trend mehr, das ist ein Hype.“

Die „chemische Keule“ kommt für die meisten Gartenbesitzer nicht mehr in die Laube. Organische Dünger, Pflanzenschutz- und Pilzmittel auf Biobasis werden gekauft. Nur bei den Pflanzen und Gewächsen, zum Beispiel bei Obstbäumen, schrecken die meisten Kunden vor den vergleichsweise hohen Preisen zurück. „Biologisch qualitativ hochwertige Pflanzen zu züchten ist im Vergleich zu den herkömmlichen Standardzüchtungen schwer und zeitintensiv“, sagt Nas. „Die Preise sind höher, und das wollen Kunden oft nicht zahlen.“

Den Weg in ein Pflanzencenter haben Constanze und Wolfgang Krause noch vor sich. Gemeinsam mit Sohn José machen sie Frühjahrsputz in ihrem Garten in der Kolonie „Birkenwäldchen“ am Spandauer Damm. Vom Zwitschern der Vögel ist nichts zu hören. Rasenvertikutierer, elektrisch betriebene Heckenscheren, Bohrmaschinen und Stichsägen legen einen nicht gerade zarten Klangteppich über die Lauben und Gärten. „Es ist der erste Tag, an dem wir draußen etwas machen können“, sagt Constanze Krause. „Von 13 bis 15 Uhr ist Mittagsruhe. Vorher müssen wir noch ordentlich etwas schaffen.“ Vater Wolfgang bearbeitet den Rasen mit dem Vertikutierer, seine Frau harkt, und José fährt Moos und Wildwuchs mit dem Handkarren ab. Das Familienunternehmen in Sachen Gartenpflege hat alle Hände voll zu tun. Pflanzen können sie an diesem Wochenende noch nicht in die Erde bringen. „In der Kolonie wurde das Wasser noch nicht angestellt“, sagen sie. Der Großeinkauf in einem Gartencenter muss also noch ein paar Tage warten. „Auf den Einkauf freue ich mich am meisten“, sagt die 37 Jahre alte Hobbygärtnerin. „Es gibt so viele schöne Pflanzen. Da muss ich mich immer bremsen.“

Und die Aussichten für Berlins Gärtner sind gut: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bleibt es in dieser Woche frühlingshaft mild. Es kann vereinzelt regnen, Minusgrade sind auch nachts nicht in Sicht.