BBI

Flugsicherung plädiert für scharfe Flugroute

Durch eine ungewöhnlich scharfe 90-Grad-Kurve von der Südbahn Richtung Osten könnte die Gemeinde Zeuthen bei Starts erheblich vom Fluglärm entlastet werden. Air Berlin und Lufthansa zeigen sich kooperationsbereit, doch die Anwohner bleiben skeptisch.

Foto: dpa / dpa/DPA

In der Diskussion über die Abflugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld hat sich die Deutsche Flugsicherung am Montag deutlich für die 90-Grad-Abflugkurve von der Südbahn in Richtung Osten ausgesprochen. „Wir haben die Route geprüft“, sagte der Berliner DFS-Chef Hans Niebergall am Montag anlässlich der Sitzung der Fluglärmkommission. Die Prüfung habe gezeigt, dass bei 114 für 2012 dort geplanten täglichen Abflügen 112 die kurze Kurve fliegen können und es damit zu einer „signifikanten Entlastung der Gemeinde Zeuthen“ kommt. Auch sei das „Konfliktpotenzial, dass startende mit anfliegenden Flugzeugen kollidieren könnten, „beherrschbar“. Die beiden großen Airlines Air Berlin und Lufthansa haben Niebergall zufolge bereits signalisiert, dass sie bereit sind, die ungewöhnlich scharfe Kurve kurz nach dem Start zu fliegen.

Den ehemaligen Diepenseern, die wegen des BBI-Baus ihr Dorf verlassen mussten und im Königs Wusterhausener Ortsteil Deutsch Wusterhausen eine neue Heimat fanden, machte Niebergall am Montag Hoffnung. Die 90-Grad-Kurve werde weitere anderthalb Kilometer entfernt von Deutsch Wusterhausen geführt, so dass dort keine Lärmbelastung zu befürchten sei. Diese Sorge hatten die Deutsch Wusterhausener in der Vergangenheit mehrfach geäußert.

Aus Sicht der DFS ist mit der Entscheidung für die 90-Grad-Kurve der gradlinige parallele Abflug von beiden Bahnen Richtung Osten, und somit die Ausnahmeregelung, so wie er in München praktiziert wird, vom Tisch. „Wir sehen nun keinen gewichtigen Grund, von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch zu machen“, sagte Niebergall. Eine Ausnahmegenehmigung für dieses Flugverfahren, das trotz gleichzeitiger Starts von beiden Bahnen den Geradeausflug erlaubt, will die DFS nun nicht mehr beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung beantragen. Als Grund führt sie die „überzeugende Anzahl“ von Flügen an, die sich mit der 90-Grad-Kurve abwickeln lassen.

Skepsis in Zeuthen

Anfang April will die DFS den Zeuthener und Schulzendorfern Vertretern in der Fluglärmkommission die Route an einem Simulator in Frankfurt/M. demonstrieren. Allerdings herrscht Skepsis, ob die beiden Kommunen die 90-Grad-Kurve akzeptieren und nicht eher für die Ausnahmeregelung nach Münchner Vorbild votieren.

Die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, signalisierte bereits am Montag, dass die scharfe Abflugkurve nicht ohne Widerspruch hingenommen werden wird. Befürchtet wird, dass Piloten die Kurve nicht so scharf nehmen werden und daher doch Zeuthen streifen könnten.

Dem Gremium gehören 34 Mitglieder an, darunter Vertreter potenziell von Lärm betroffener Kommunen sowie von Flughafen und Fluggesellschaften. Sie können die Deutsche Flugsicherung (DFS) bei der Planung der Flugrouten beraten, jedoch nicht mitentscheiden.

Die Kommissionsvorsitzende wie auch die DFS betonten am Montag, dass es grundsätzlich noch keine Entscheidungen zu den einzelnen Routenführungen gibt. Nach wie vor stünden 32 alternative Abflugrouten für die vier Richtungen in der Kommission zur Diskussion. Dennoch gilt Richtung Osten die 90-Grad-Kurve von der Südbahn und der Geradeausflug von der Nordbahn als konsensfähig.

Für die Abflüge in Richtung Westen wird der Geradeausflug von der Nordbahn mit leichtem Schwenk nach Norden in Höhe von Ludwigsfelde und der abgeknickte 15-Grad-Abflug von der Südbahn als realistisch angesehen. Vorteil dieser Variante: Ludwigsfelde, Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow werden vom Fluglärm startender Maschinen verschont.

Um die Wannseer und Potsdamer vor Lärmbelastungen zu schützen, könnte nach Angaben der Flugsicherung bereits in Höhe von Ludwigsfelde ein Punkt festgelegt werden, wo Maschinen eine Höhe von mindestens 1700 Meter erreicht haben müssen, um dann Richtung Berlin und damit nach Osten zu drehen. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“; Marela Bone-Winkel, lehnt diese Route am Montag ab. „Da der BBI zu einem Drehkreuz Richtung Osten ausgebaut werden soll und der Flugverkehr damit steigt, wollen wird diese Route nicht“, sagte Bone-Winkel.

Die Kommission will bereits am 28. März erneut zusammenkommen und sich auf dieser Sondersitzung „ausschließlich und ausführlich“ mit dem Zusammenspiel der Abflüge und Anflüge beschäftigen. „Möglicherweise kommen wir dann schon zu ersten Ergebnissen und Prioritäten für einzelne Routen“, sagte die Kommissionsvorsitzende.

Flugverbot über Forschungsreaktor

Angesichts der aktuellen Ereignisse in Japan fordert die Bürgerinitiative Weltkulturerbe Potsdam die Berliner und Brandenburger Landesregierungen auf, „sofort eine weit reichende Flugverbotszone über dem wissenschaftlichen Atomreaktor Helmholtz-Zentrum in Berlin Wannsee zu veranlassen“. Die Flugverbotszone müsse einen Radius von acht Kilometern haben und sofort verhängt werden und später insbesondere auch für den neuen BBI Schönefeld gelten, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Markus Peichl.

Indessen hat Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Montag im Verkehrsausschuss bekräftigt, dass der BBI pünktlich am 3. Juni 2012 in Betrieb geht. „Die Baukosten liegen innerhalb des Finanzierungsplans. Der Baufortschritt liegt im Zeitplan“, sagte die Senatorin auf Anfrage der Grünen. „Mir liegen keine Erkenntnisse vor, dass es zu Bauverzögerungen kommt. Ich erwarte keine unangenehmen Überraschungen“, sagte die Senatorin.