Bahnstrecke Berlin-Cottbus

Buntmetalldiebe verzögern Bauarbeiten

Die Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus wird länger gesperrt bleiben als geplant. Zahlreiche Metal-Diebstähle entlang der Sanierungsstrecke sind der Grund dafür. Betroffen von der Sperrung sind täglich mehr als 6000 Reisende.

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Bahnreisende zwischen Berlin und Cottbus müssen deutlich länger als bislang geplant Umwege und Busersatzverkehr einkalkulieren. Eigentlich sollte die besonders für Berufspendler und Ausflügler in den Spreewald wichtige Schienenverbindung ab Anfang Mai wieder durchgehend befahrbar sein. Doch nun wird der voll gesperrte Streckenabschnitt zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau (Dahme-Spreewald) wohl erst Mitte Juni wieder unter Strom genommen, bestätigte ein Bahn-Sprecher. Einzelheiten der geplanten Bauablauf-Änderungen sollen am Dienstag bekannt gegeben werden.

Die Bahn begründet den erheblichen Zeitverzug mit den zahlreichen Diebstählen entlang der Sanierungsstrecke. Nach Angaben der Bundespolizei haben Buntmetalldiebe in großem Stil Kupferkabel und andere bereits verbaute Metallteile gestohlen. „Schon bei Baubeginn ist es immer wieder zu Diebstählen gekommen, seit Dezember registrieren wir aber verstärkt entsprechende gezielte Aktionen“, sagte Bundespolizei-Sprecher Meik Gauer. Bahnstrecken sind seit Jahren bevorzugtes Ziel von Metalldieben, da sie nicht lückenlos überwacht werden können. Selbst an den ICE-Strecken von Berlin nach Hannover oder Hamburg sind regelmäßig Diebe unterwegs.

Aktiv sind überwiegend organisierte Banden, die Metallteile in großen Mengen stehlen und umgehend nach Osteuropa abtransportieren, wo sie gewinnbringend an Schrotthändler verkauft werden. Besonders begehrt sind Kupferkabel, die bei der Bahn als Strom- und Signalkabel eingesetzt werden. Wegen der hohen Nachfrage insbesondere aus China ist der Weltmarkt-Preis für Kupfer im vorigen Jahr von 6000 auf inzwischen rund 10000 Dollar pro Tonne gestiegen. Seit 2008 hat sich der Kupfer-Preis mehr als verdreifacht.

Die Bahnstrecke zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau ist seit Mai 2010 komplett gesperrt. Die Bahn will den 60 Kilometer langen Schienenstrang umfassend erneuern. Modernisiert werden auch acht Stationen entlang der Strecke. Finanziert wird das insgesamt 130 Millionen Euro teure Projekt fast komplett aus Mitteln des Konjunkturprogramms der Bundesregierung. Ziel ist es, dass sich die Fahrzeit für Bahnreisende von Berlin nach Cottbus um 20 auf 70 Minuten reduziert.

Betroffen von der Streckensperrung sind täglich mehr als 6000 Reisende, die in diesem Bereich die Regionallinien RE2 (Rathenow–Cottbus) und RB14 (Nauen–Senftenberg) nutzen. Für sie hat die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Für Pendler zwischen Cottbus und Berlin fahren zudem alle zwei Stunden Direktzüge über Calau.