Berliner Lokale

Nichtraucher wagen Versuch und sind geschockt

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Juliane Funkel

Foto: dpa

Die Nichtraucherinitiative "Frische Luft für Berlin" hat Kneipen in der Hauptstadt besucht und musste feststellen, dass trotz Rauchverbots vielerorts Zigaretten brennen. Allerdings muss man sich die Zahlen genau ansehen.

In Berlin ist das Rauchen in Restaurants und Kneipen verboten. Eigentlich. Glaubt man der Nichtraucherinitiative „Frische Luft für Berlin“ hält sich aber kaum jemand daran. Obwohl das strenge Berliner Nichtraucherschutzgesetz es den Menschen nur noch gestattet, in ausgewiesenen Raucherkneipen – ohne frisch zubereitete Speisen, Zutrittsverbot für Jugendliche – ihre Zigaretten anzuzünden.

Die Kämpfer für den Nichtraucherschutz wagten kürzlich einen Selbstversuch und besuchten 169 Lokale an der Uhlandstraße in Charlottenburg, an der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain und an der Neuköllner Weserstraße. Ihr Ergebnis: In 60 Prozent der Kneipen und Cafés wurde immer noch geraucht.

„Erschreckend“ sei das, schimpfte Johannes Spatz, Sprecher der Initiative. „Besonders da häufig Kinder und Jugendliche anwesend sind.“ Was er in seiner offiziellen Mitteilung verschwieg: 44 der 169 untersuchten Lokale waren Spielhallen. Dort werden keine Speisen angeboten, außerdem ist Personen unter 18 Jahren der Zutritt ohnehin untersagt.

Und auch das muss man wissen: Der Trend geht bei Jugendlichen in eine ganz andere Richtung. Rauchen ist „out“, nur noch 13 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen rauchen, ermittelt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einer repräsentativen Studie, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Die Zahl der jugendlichen Raucher hat sich damit in den letzten zehn Jahren fast halbiert, denn 2001 rauchten noch 28 Prozent.

Auch der Anteil der Raucher unter jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) sei mit 38 Prozent deutlich geringer ausgefallen als noch vor zwei Jahren (43 Prozent), hieß es. Derart niedrige Werte seien seit 30 Jahren nicht registriert worden. Die Rauchverbote, aber wohl auch die gestiegenen Tabakpreise zeigen deutliche Wirkung.

Die Bundeszentrale will ihre Präventions- und Aufklärungsarbeit dennoch fortsetzen. Genauso wie Johannes Spatz und seine Kollegen, die nun Unterschriften für noch mehr frische Luft in Berlin sammeln. Schließlich ist Wahlkampf in der Stadt, da wird jedes Thema zum Politikum. Nur bei den Zahlen der Initiative, da sollten die Politiker ganz genau aufpassen.