Fahrplan-Umstellung

Berliner S-Bahn erklärt den Winter für beendet

Der Winterfahrplan der S-Bahn wird außer Kraft gesetzt. Nach den Zugausfällen schaltet das Unternehmen nun wieder einen Gang höher und fährt überall nach altem Takt. Dennoch verhängt der Senat ein Strafgeld.

Foto: DAVIDS / DAVIDS/DAVIDS/Darmer

Vom kommenden Montag an ist zumindest für die Berliner S-Bahn der Winter zu Ende. Auch wenn das Quecksilber der Thermometer gerade in den Nächten noch tief in den zweistelligen Minusbereich fällt, wird die Bahn-Tochter zum Wochenbeginn ihren umstrittenen Winterfahrplan – der eigentlich ein Bummelfahrplan ist – außer Kraft setzen. Von dann an gelten wieder Abfahrts- und Ankunftszeiten wie vor dem 24. Januar, als die S-Bahn ihren Zügen das generelle Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde verordnet hat.

Für die täglichen Nutzer der S-Bahn kann die Fahrplan-Umstellung erhebliche Verbesserungen mit sich bringen. So werden etwa die Züge der Ringbahn-Linien S41 und S42 von Montag an während des Berufsverkehrs wieder im Fünf-Minuten-Takt statt nur alle zehn Minuten fahren. Auch auf die Linien nach Potsdam, Spandau und Wartenberg kehrt wieder der gewohnte 10-Minuten-Takt zurück. Und die S25 fährt wieder durchgehend alle 20 Minuten von Teltow Stadt nach Hennigsdorf.

Im Gegenzug stellt die S-Bahn allerdings alle sogenannten Ergänzungsverkehre ein. So fahren die Züge der Regionallinien RE6 und RB13 nur noch bis Berlin-Spandau. Derzeit sind diese Linien bis nach Gesundbrunnen beziehungsweise bis zum Hauptbahnhof verlängert. Auch die zusätzlichen Fahrten der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) von Basdorf nach Gesundbrunnen entfallen.

Der am 24.Januar von der S-Bahn eingeführte Winterfahrplan ist eigentlich eine weitere Facette der seit zwei Jahren anhaltenden Krise des Unternehmens. Konkret war er eine Reaktion auf das neuerliche Winterdesaster der S-Bahn. Eis und Schnee hatten vor allem im Dezember zu teils chaotischen Zuständen geführt. Reihenweise waren Zugfahrten ausgefallen oder hatten sich verspätet, weil Antriebe und Bremsen nicht wintertauglich waren.

Als besonders störanfällig erwies sich die Besandungsanlage der modernsten S-Bahn-Baureihe 481, die dafür sorgen soll, dass Züge bei Notbremsungen rechtzeitig zum Stehen kommen. Sie froren in großer Zahl ein und versagten so ihren Dienst. Aus Sicherheitsgründen dürfen in diesem Fall die Züge nicht schneller als 60 km/h fahren, auf vielen Linien vor allem mit längeren Streckenabschnitten war so der Normal-Fahrplan nicht mehr zu halten.

Da der Not-Winterfahrplan genau auf dieser reduzierten Höchstgeschwindigkeit basiert, konnte die S-Bahn im Februar ihr Angebot spürbar verbessern. Die durchschnittliche Pünktlichkeit ist von unter 60 Prozent auf mehr als 97 Prozent gestiegen. „Der Winterfahrplan hat unseren Fahrgästen die erhoffte Stabilität und Zuverlässigkeit im Zugverkehr gebracht“, konstatiert S-Bahn-Chef Peter Buchner.

Genau aus diesem Grund hatte sich das S-Bahn-Management auch für eine Verlängerung des Winterfahrplans mindestens bis Mitte März ausgesprochen. Motto: „Lieber langsamer und seltener, dafür aber berechenbar.“ Doch die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, die die Leistungen der S-Bahn bestellen und zu erheblichen Teilen auch bezahlen, hatten sich für eine schnellstmögliche Rückkehr zum alten Fahrplan ausgesprochen.

Das war allerdings Anfang Februar, als der Winter gerade eine Verschnaufpause eingelegt hatte. Inzwischen ist der Dauerfrost zurück und damit auch das Risiko, dass der S-Bahn-Betrieb wieder zusammenbricht. Denn die vielfältigen technischen Probleme, die zu den Zugausfällen führten, sind bislang nicht gelöst. So gibt es zwar bei der S-Bahn verschiedene Versuche, die frostanfälligen Sandbehälter zu beheizen. Doch eine technisch ausgereifte und – was beinahe noch wichtiger ist – eine vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassene Lösung gibt es nicht. „Frieren die Anlagen erneut ein, darf wieder nicht schneller als 60 km/h gefahren werden – mit allen Konsequenzen, die dazu gehören“, bestätigte am Mittwoch ein S-Bahn-Sprecher.

„Bei unserer Entscheidung hatten wir zwischen noch möglichen Wintereinbrüchen und den berechtigten Ansprüchen der Brandenburger und Berliner Fahrgäste an die S-Bahn abzuwägen“, begründete damals Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vögelsänger (SPD) das Votum für eine Ende des Winterfahrplans. „In der Summe hat sich die Mehrheit der Beteiligten dafür ausgesprochen, wieder mehr zur Normalität zurückzukehren.“

Immerhin hat es die S-Bahn in den vergangenen Wochen geschafft, die Verfügbarkeit ihrer Triebwagen zu stabilisieren. Für den regulären Fahrplan-Betrieb stehen derzeit relativ konstant knapp 420 Zwei-Wagen-Einheiten und damit rund zwei Drittel der Fahrzeugflotte zur Verfügung. Die S-Bahn kann damit rund 90 Prozent aller bestellten Fahrten absichern, allerdings größtenteils nur mit verkürzten Zügen und damit mit weniger Platz für die Fahrgäste. Der Betrieb von zwei Linien – der S45 (Flughafen Schönefeld–Südkreuz) und der S85 (Waidmannslust–Grünau) – bleibt komplett eingestellt.

Aufgrund der bestehenden Angebotseinschränkungen hat der Berliner Senat auch im Februar ein Strafgeld verhängt. Die Abschlagszahlung von monatlich knapp 20 Millionen Euro wird um 4,5 Millionen Euro gekürzt. Bereits im Januar hatte das Land zwölf Millionen Euro weniger ausgezahlt. Die eingesparten S-Bahn-Mittel sollen aber weiter für den öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden.

Der ab 28. Februar gültige S-Bahn-Fahrplan ist ab sofort im Internet unter www.s-bahn-berlin.de sowie in den Auskunftssystemen von BVG und VBB abrufbar. Telefonische Infos: (030) 297–43333.