Hausbesuch

Jan Kleihues mag es schlicht und klar

Der Planer von Bauten wie das Concorde-Hotel in Charlottenburg oder der BND-Neubau in Mitte ist in Gestaltungsfragen penibel. Das zeigt sich auch in seiner Wohnung.

Jan Kleihues mag es schlicht und klar. Küchengeräte sind ihm ein Graus. „Die sind meist hässlich und sehen alle anders aus.“ Zum Beispiel die Espressomaschine seiner Frau. „Schauen Sie mal, das Ding ist doch ein Albtraum“, sagt Kleihues und zeigt – auf eine ganz normale Espressomaschine.

Der Planer von Bauten wie das Concorde-Hotel in Charlottenburg oder der BND-Neubau in Mitte ist in Gestaltungsfragen penibel. Auch in der eigenen Küche. Deren Design ist Marke Kleihues, er hat sie selbst entworfen. Hässliche Teile wie Toaster oder Eierschnellkocher versteckt der ordnungsliebende 48-Jährige – in der von ihm fast liebevoll genannten „Frühstücksschublade“, Messbecher & Co in der „Backschublade“. Einzig das, „was man ständig fürs Kochen braucht“ wie Töpfe oder Messer, hängt sichtbar an der Wand und: ein Fuchs.

Als wäre er gerade vor der Tür geschossen worden, hängt der Vierbeiner kopfüber. Die Schnauze reicht fast in die Gemüseschüssel. „Den gibt’s am Wochenende“, sagt Kleihues und lächelt. „Ich koche gern, aus Zeitmangel aber leider viel zu selten“, sagt der Vater von drei Kindern. Und wie er da so vor dem extragroßen Spülbecken steht und von Fischen erzählt, die sich hier bestens ausnehmen und mit der Profibrause ausspülen lassen, fällt die Vorstellung vom geschmack-vollen Essen im Hause Kleihues nicht schwer.

Zartes Lindgrün an den Wänden

Die Familie isst im erweiterten Wohnraum an dem großen lindgrünen Tisch mit Blick ins Grüne und sitzt auf den roten Verner-Panton-Stühlen. Die Kunststoff-Stapelklassiker aus einem Guss. In der Küche war dafür kein Platz. „Sie war eben so“, sagt Kleihues, der den Raum belassen-, die Wand zwischen Ess- und Wohnzimmer aber herausgenommen hat. Farbtupfer, wie die rote Brotdose oder die zartgrünen Flächen an den Küchenwänden, sind Einfluss der Frau von Jan Kleihues. Die Modedesignerin und Inhaberin eines Einrichtungsgeschäftes in Charlottenburg hat bis auf die Küche die gesamte Innengestaltung des Hauses übernommen. „Ich mag da nicht lange herumdiskutieren und habe das meiner Frau überlassen“, sagt der sonst so penible Kleihues ganz gelassen. Der gleich an die Küche angrenzende Wohnbereich im Erdgeschoss trägt denn auch ihre Handschrift. Mit den braunen Sofaelementen, den riesigen Sitzkissen, den Kuhfellen auf dem Eichenparkett und dem schwarzen Klavier wirkt der große Raum wohnlich: Auf dem Sideboard aus Nussbaum liegen Jazz-CDs – „die sind von meiner Frau“ –, auf der Corbusierliege eine Zeitung, hier wird gelebt.

Seit 2004 wohnt Jan Kleihues mit seiner Frau, den Kindern sowie Hund „Yumba“ und einer Katze in dem etwa 100 Jahre alten Altbau, in dem er bereits seine Kindheit verbrachte. Dass Jan Kleihues nach Stationen im Ausland und mehreren Domizilen in Kreuzberg oder Mitte wieder nach Zehlendorf an den Schlachtensee zurückgekehrt ist, hat praktische Gründe: „Das Haus war schon da und für die Kinder fanden wir es hier draußen besser“.

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