Hausbesuch

Doris und Hinrich Baller wohnen wie sie bauen

280 Quadratmeter groß ist das weitläufige Zuhause, in dem das Architekten-Paar seit etwa 20 Jahren lebt. Hier scheint der Himmel zum Greifen nah.

Das Erste, was ins Auge sticht, ist die Freitreppe. Kurz hinter dem Wohnungseingang führt sie auf eine zweite Ebene. Dort scheint der Himmel zum Greifen nah. Durch die bodentiefen und raumbreiten Fenster fällt der Blick auf den Lietzensee und den beschaulichen Park des Gartenbaumeisters Erwin Barth.

Doris und Hinrich Baller wohnen wie sie bauen: licht und mit Bezug zur Natur. Kein Wunder, der Ausbau des Dachstuhls eines Gründerzeit-Altbaus am Lietzenseeufer in Charlottenburg stammt aus der Feder der beiden Planer. 280 Quadratmeter groß ist das weitläufige Zuhause, in dem das Paar seit etwa 20 Jahren lebt. Bis auf die abgetrennten Toiletten und das Schlafzimmer erstreckt sich die Dachwohnung als offener und fließender Raum über Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus.

Fließend und flexibel halten die Ballers es auch mit der Nutzung der Räume. Wohnzimmer oder Arbeitszimmer? Solche Kategorisierungen sind hier fehl am Platze. So fallen die vielen Schreibtische auf. Überall stehen sie: Glastische, Holztische – davor unterschiedlichste Stühle. Viele des US-Designers Charles Eames, aber auch andere „Klassiker“ wie ein Hocker des Finnen Aalto oder der berühmte Kugelsessel seines Landsmannes Eero Aarnio.

Eine Mischung aus Dandy und Stadtindianer

„Wir lieben die Flexibilität, schließlich wohnen und arbeiten wir hier“, sagt Hinrich Baller. Mit seinem langen grauen Haar, dem lilafarbenen Hemd, einem schwarzen Lederpullunder und heller Karohose wirkt der schlaksige 74-Jährige wie eine Mischung aus Dandy und Stadtindianer. Dabei ist der Zweimetermann zu allererst eins: Gestalter. Und das mit Leib und Seele. „Wenn Sie solche Architektur machen wie wir, müssen Sie ganz und gar dabei sein, anders geht das gar nicht“, sagt Baller, der sich selbst auch als Künstler sieht. „Im Sinne der Gebrauchskunst“, erläutert Baller und macht mit einem Beispiel deutlich, was er meint: „Der Philosoph Ernst Bloch hat mal so wunderschön gesagt, eine Geburtszange muss glatt sein, aber eine Zuckerzange mitnichten.“

Dass zum Leben Hinrich Ballers, der mit seiner verspielten und schwungvollen Architektur das steinerne Berlin aufgelockert hat, auch die Musik gehört, ist ebenfalls unübersehbar. Unmittelbar hinter den Arbeitsplätzen mit den neuesten Computern steht ein alter Förster-Flügel – eines von insgesamt drei Klavieren Ballers. „Der Flügel ist von meiner Mutter, sie war Pianistin“, sagt Hinrich Baller. Musik sei unglaublich präzise, erläutert der 74-Jährige und lenkt unseren Blick auf eines der Geländer vor dem Fenster. „Vielleicht ist auch unsere Architektur so, wenn Sie zum Beispiel so ein Geländer sehen, das hat auch etwas sehr Präzises. Die meisten unserer Kollegen rattern da so ein Raster runter, das ist nicht unsere Welt. Wir wollen Wohnungen bauen, in denen sich die Menschen sauwohl fühlen.“