Lärm und Schmutz

Müllkippe in Grünau belästigt Anwohner

Gestank, Lärm und Ratten: Die Beschwerden über ein Müll-Areal an der Grünauer Straße im Bezirk Treptow-Köpenick nehmen zu. Doch unzumutbare Belastungen gibt es nach Angaben der Behörden nicht.

Große und kleine Lastkraftwagen rumpeln im Minutentakt über die Regattastraße und Grünauer Straße zum alten Betonwerk Grünau. Wenn es warm ist, wehen Abfallgerüche von dort herüber. An der Grünauer Straße 210 ist in den vergangenen Jahren ein riesiges Müllgelände herangewachsen. Bauschutt und Haushaltsmüll, Altpapier, Kompost, Verpackungen, Bodenabfälle und Gleisschotter werden abgeladen und auf verschiedenen Wegen getrennt und aufbereitet. Anwohner fühlen sich zunehmend gestört. Durch den Geruch und durch Ratten, die sich auf dem Betriebsgelände herumtreiben.

Vor allem aber vom Lärm der Lkw, die anliefern oder abfahren. „Schon früh morgens werden Container verladen, an rasselnden Ketten“, erzählt ein Betroffener. Die Fahrzeuge rollen vor allem über Grünauer Straße, Regattastraße und Wassersportallee, wenn sie vom Adlergestell zum Werksgelände und zurück wollen. Die zweite Zufahrt, die über den Glienicker Weg führt, wird derzeit wenig benutzt. Denn sie ist bis 2013 Baustelle. Eine Verkehrszählung 2009 hat ergeben, dass etwa 400 Lkw pro Tag auf der Grünauer Straße fahren, etwa 500 auf der Regattastraße und bis zu 800 auf der Wassersportallee.

Fünf Firmen lagern und verarbeiten Abfälle auf dem 300.000 Quadratmeter großen Gelände. Eine Firma bereitet Bauschutt und ausgehobenen Boden zu Recyclingmaterial auf. Ein weiteres Unternehmen reinige schadstoffbelastete Böden mit mikrobiologischen Verfahren. In anderen Anlagen werde Hausmüll gesiebt und getrennt und gemischte Abfälle von Baustellen sortiert. Die Senatsgesundheitsverwaltung und das Bezirksamt Treptow-Köpenick kontrollieren und überwachen die Anlagen. Anwohner sind aus Sicht der Behörden gesundheitlich nicht gefährdet.

Lärmbelästigung durch die Anlieferung sei bei Industrieflächen nicht zu vermeiden, teilte Staatssekretär Benjamin Hoff von der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus mit. Unzumutbare Belastungen durch Lärm oder Luftschadstoffe gebe es nicht, hieß es aus dem Bezirksamt Treptow-Köpenick.

Anwohner Gunnar Ulrich sieht das anders. Er erzählt von Wolken aus weißem Staub, die bei Westwind vom Müllgelände in Richtung seiner Wohnung ziehen. Er beklagt sich über lebende und tote Ratten in seiner Umgebung, und über Nagespuren, die die Tiere in Plastikteilen hinterlassen. Die Ratten ernähren sich vom Hausmüll, der zum Recycling auf das Gelände gebracht wird, und nutzen die weitverzweigten Kanäle im Untergrund.

Doch Gesundheitsstadträtin Ines Feierabend (Linke) teilte mit, dass die ansässigen Unternehmen regelmäßige Schädlingsbekämpfung vornehmen und Kontrollen durchführen. Weiterführende Maßnahmen innerhalb des Gebietes seien unangemessen, sagte sie auf Anfrage des Bezirksverordneten Matthias Schmidt (SPD). Die Beschwerden über das große Müllgelände beschäftigen zunehmend die Lokalpolitik. Die Bezirksverordnetenversammlung hat jetzt beschlossen, dass der Lkw-Verkehr mit dem Ziel Betonwerk auf der Regattastraße und der Wassersportallee reduziert werden soll. Der Durchgangsverkehr für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen soll unterbunden oder Tempo 30 angeordnet werden. Den Antrag hatten die Fraktionen von Linke und SPD initiiert. Vom ehemaligen Betonwerk gehe eine Belastung für die Anwohner aus, sagt der Verordnete Schmidt. Es solle politischer Wille sein, das Gelände langfristig anders zu nutzen.

Die Grünauerin und frühere Bezirksverordnete Brigitte Gelbke sieht das skeptisch. Das Areal sei seit vielen Jahren als Gewerbegebiet ausgewiesen, sagt sie. „Wenn man das nicht mehr will, dann müsste man den Flächennutzungsplan ändern.“ Dies könne nur durch das Abgeordnetenhaus geschehen und würde mindestens fünf Jahre dauern. „Aber ich zweifele, dass der politische Wille dafür da ist.“ Außerdem müssten die Firmen, die dort arbeiten, Rechtssicherheit haben. Doch Geruchsbelästigung und der starke Lkw-Verkehr seien unbestreitbar. Anwohner und Politiker hatten das Gelände im Dezember 2010 besichtigt. Davor sei es umfassend gesäubert worden, sagen einige Grünauer. Senat und Umweltamt sollten im Frühjahr unangemeldet kontrollieren, schlägt Brigitte Gelbke vor. „Sei es auch nur, um die Bekämpfung der Ratten nicht aus dem Auge zu verlieren.“

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