Müllentsorgung

Orange Tonne kommt für alle Berliner Haushalte

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Gilbert Schomaker

Sie soll Metall, Holz, Altkleider und Elektrogeräte schlucken - die Orange-Box der Berliner Stadtreinigung. Der neue Behälter für wiederverwertbare Stoffe ist kostenlos. Die Gebühren für Restmüll steigen in den nächsten Jahren.

Die Gebühren für den Hausmüll und Straßenreinigung in Berlin steigen ab Januar, wenn auch nur gering. Im Durchschnitt müssen die Berliner 0,7 Prozent mehr für die Abfuhr der grauen Tonnen und 0,9 Prozent mehr für die Straßenreinigung bezahlen. Das sehe die neuen Tarife vor, die die Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) Vera Gäde-Butzlaff am Mittwoch vorstellte. Gleichzeitig wird es ab nächstes Jahr eine neue Mülltonne geben: die Orange-Box. „Wer dann Müll trennt, kann sogar Geld sparen“, sagte Gäde-Butzlaff.

In die Orange-Box soll nämlich Müll, der bisher in der Restmülltonne landete, gesammelt und verwertet werden. Dabei handelt es sich um Alt-Textilien, defekte Elektrogeräte, Metalle und Holz. Für die zusätzliche orangefarbene Tonne müssen die Berliner nichts bezahlen. Werden diese Stoffe nicht mehr über den Restmüll entsorgt, kann gegebenenfalls die Abfuhr der grauen Tonne auf von einem wöchentlichen auf einen zweiwöchentlichen Rhythmus umgestellt werden. Das lohnt sich vor allem für große Mietshäuser oder Wohnsiedlungen mit hohem Abfallaufkommen. „Wer Müll vermeidet, kann deutliche Beträge sparen“, erklärte BSR-Finanzvorstand Lothar Kramm.

Zwei Beispiele: Eine Großwohnanlage mit 35 Haushalten hat zwei große 1100-Liter-Container mit jeweils zwei Leerungen pro Woche. Kommt nun ab 2011 die Orange-Box, könnte dort ein Container in Größe von 660 Litern mit einer 14-tägigen Leerung aufgestellt werden. Dadurch könnte sich das Restmüllaufkommen deutlich verringern, so dass ein 1100-Liter-Container durch einen 660-Liter-Container ersetzt werden kann. Nach Berechnungen der BSR zahlt man dann statt 142,93 nur noch 125,97 Euro pro Haushalt und Jahr. Das entspricht einer Minderung um 13,4 Prozent. Ohne die Trennung zahlt der Mieter oder Wohnungseigentümer in der Großwohnanlage 145,46, also 1,8 Prozent mehr pro Jahr. Ein anderes Beispiel: Ein Einfamilienhaus hat eine 120-Liter-Restmülltonne. Bisher zahlt sie dafür pro Jahr 150 Euro. Die Tariferhöhung von 2,2 Prozent führt zu Gebühren von 153,88 Euro. Bei optimaler Trennung, so die BSR, kann durch die Orange-Box möglicherweise die Tonnengröße von 120 Liter auf 60 Liter reduziert werden. Das brächte eine Ersparnis von 16,7 Prozent. Die jährlichen Gebühren lägen dann bei 128,16 Euro.

Mitarbeiter bringen mehr Leistung

Allerdings ist fraglich, ob die Müllmengen der Restmülltonnen wirklich um solche Volumen verringert werden können, dass die Mieter und Hausbesitzer kleinere Restmülltonnen oder andere Abfuhrrhythmen nutzen können. Auch wird es die Erhöhung der Gebühren ab 1. Januar geben. Die Orange-Box wird aber erst nach und nach ausgeliefert. „Wir wollen den Berlinern, die die neue Tonne bei uns bestellen, innerhalb von drei Monaten eine Recyclingtonne für vor Ort liefern“, sagte Gäde-Butzlaff am Mittwoch. Gleichzeitig sagte sie aber auch, dass man das logistisch sinnvoll machen müsse, also gebietsweise vorgehen wird. Um die Einführung der Umsonst-Tonne zu finanzieren, haben sich die Mitarbeiter der BSR bereit erklärt, zweimal sechs Prozent mehr Leistung zu bringen. Das heißt, dass die Mitarbeiter mehr Tonnen in derselben Zeit leeren müssen.

Die Gebühren für die Biogut-Tonne bleiben unverändert. Um 50 Prozent gesenkt werden die Komforttarife, die für Mülltonnen in Höfen oder mit langen Wegen zur Straße gelten. Um einen Euro auf vier Euro steigen die Gebühren für Laubsäcke. Die Sperrmüllgebühr steigt von 25 auf 30 Euro.

Kritik an den neuen Tarifen und der Einführung der Orange-Box, die bisher nur als Pilotversuch lief, kam vom BSR-Konkurrenten Alba und den Grundstücksverbänden. „Das neue Tarifkonzept der BSR ist eine Mogelpackung. Anstatt die Restmüllgebühren für die Bürger endlich zu senken, erhöht die BSR diese Tarife – da hilft auch eine angeblich kostenlose orange Kiste nichts! Der Absenkung bei einzelnen Großkunden-Tarifen stehen höhere Kosten für den normalen Hausmüll, Sperrmüll und Laubsäcke gegenüber. Die neuen BSR-Gebühren führen so zu einer weiteren Belastung der Einfamilienhausbesitzer“, sagte Alba-Sprecherin Verena Köttker. Alba und die BSR streiten sich gerade vor Gericht, wie mit dem Wertstoffmüll umgegangen werden soll. Alba befürchtet, dass die BSR mit der Ausweitung der kostenlosen Orange-Box die eigene kostenlose Gelbe Tonne plus vom Markt verdrängt, noch bevor eine Bundesregelung zum Wertstoffmüll in Kraft tritt.

Eckhart Beleites, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), sagte: „Die Werststofftonne gibt es nicht umsonnst. Der Bürger wird über die Preiserhöhung für den normalen Müll um zwei Prozent für den Unterhalt der Wertstofftonne zur Kasse gebeten. Dies ist eine unzulässige Quersubventionierung, gegen die wir als Verband mit allen Mitteln vorgehen werden.“ Darüber hinaus handele es sich hier um einen eindeutigen Wettbewerbsverstoß. Es werde versucht, eine kommunale Monopolstellung weiter auszubauen, der der Bürger dann schutzlos ausgeliefert sei, so Beleites. Und weiter: „Wir erwarten, dass die privaten Mitbewerber wie Alba oder Bartscherer gegen diesen berechnenden Akt der Wettbewerbsverzerrung mit allen juristischen Mitteln konsequent vorgehen.“

BSR-Chefin Gäde-Butzlaff sagte dagegen: „Wir wollen keinen Gewinn erwirtschaften. Wir garantieren den Berlinern als Anstalt öffentlichen Rechts günstige Tarife.“