Andauernde Proteste

1200 Bürger demonstrieren gegen Flugrouten

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Michael Bee

Foto: Christian Hahn

Zur Demonstration nach Berlin-Lichtenrade kamen am Montagabend wieder Hunderte Flugroutengegner. Im Brandenburger Infrastrukturministerium wurden bisher 765 Einsprüche eingereicht, während die Fluglärmkommission über alternative Routen berät.

Sie lassen nicht locker, mittlerweile ist das Dutzend voll: Zum zwölften Mal trafen sich am Montagabend Flugroutengegner am S-Bahnhof Lichtenrade. Sie protestierten gegen die abknickenden Flugrouten am geplanten Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI). Nach der regen Teilnahme an der Großdemonstration am Flughafen Schönefeld am 23. Januar mit rund 16.000 Demonstranten kamen zur Lichtenrader Montagsdemonstration laut Polizeiangaben rund 1200 Menschen.

„Wir müssen verhindern, dass wir durch den Fluglärm krank werden“, forderte Gastredner Christoph Brodel auf dem improvisierten Podium. Der niedergelassene Narkosearzt aus Lichtenrade verwies bei seinen medizinischen Ausführungen auf renommierte Studien. Fluglärm sei erwiesenermaßen verantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Brustkrebs und Atemwegserkrankungen. Auch die Anzahl der Arzneimittelverschreibungen nehme in Flughafennähe drastisch zu. „Es gibt für den BBI keine klare Kosten-Nutzen-Rechnung im gesundheitlichen Bereich“, kritisierte Brodel. Von gesundheitlichen Schäden seien alle Bewohner des Berliner Südens gleichermaßen betroffen. Auf keinen Fall dürfte das Nachtflugverbot aufgeweicht werden, da insbesondere nächtlicher Fluglärm schwere gesundheitliche Schäden verursache.

„Je mehr ich das Ausmaß des BBI sehe, desto wütender werde ich“, rief Rednerin Martina Pohske von der Bürgerinitiative Mahlow-Nord vom Podium. Das ganze Projekt sei größenwahnsinnig, Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft versuchten sich auf Kosten der Bürger zu profilieren. „Die Länderchefs Wowereit und Platzeck müssen dieser Gigantomanie ein Ende setzen“, sagte sie. Die SPD-Politiker könnten nur dann mit einer Wiederwahl rechnen, wenn sie sich für die Belange der Flugroutengegner einsetzen würden.

Im September 2010 hatte die Deutsche Flugsicherung neue Grobplanungen für die BBI-Flugrouten vorgelegt. Diese sehen vor, dass die Routen bei parallelen Starts von Flugzeugen leicht abknicken. Bewohner im Süden Berlins befürchten dadurch hohe Lärmbelastungen. Sie waren bislang von geradeaus führenden Routen ausgegangen.

Derzeit berät die Fluglärmkommission alternative Routen. Der Spielraum ist eingeschränkt, weil internationale Sicherheitsvorgaben eingehalten werden müssen. Allerdings wird auch geprüft, ob es Ausnahmegenehmigungen für Routen geben kann, von denen möglichst wenig Menschen betroffen sind.

Die endgültigen BBI-Flugrouten werden voraussichtlich im März 2012 durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung veröffentlicht. Der BBI soll im Sommer 2012 eröffnet werden. Im Brandenburger Infrastrukturministerium (MIL) liegen derzeit 765 Anträge gegen die geplanten Flugrouten des künftigen Großflughafens vor. Das sagte ein Sprecher des Ministeriums. Laut MIL beantragen die 765 Einsprüche das „Wiederaufgreifen des Planfeststellungsverfahrens“ zum BBI. In Kürze werde das Ministerium darüber entscheiden, kündigte ein Sprecher an. Den Einsprüchen werden jedoch geringe Chancen eingeräumt.