Gewaltvideos und Porno

Berlins Jugenschützerin warnt vor Smartphones

In Berlin steigt stetig die Zahl der Jugendlichen, die im Vollrausch ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Jugendschutzreferentin Judith Schwarzburger ist beunruhigt über diesen Trend. Sie sieht auch in PCs und Smartphones Gefahren.

Foto: dpa / dpa/DPA

Wieder ist ein Jugendlicher mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein Passant hatte den hilflosen 16-Jährigen in der Nacht zu Sonnabend in der Joachimstaler Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf entdeckt. Er liegt auf der Intensivstation.

Die Zahl der Jugendlichen, die volltrunken ins Krankenhaus eingeliefert werden, steigt. Im ersten Halbjahr 2010 sind laut Techniker Krankenkasse 320 Jugendliche bewusstlos in Kliniken gebracht worden. Im ersten Halbjahr 2008 waren es 270. Eine Tatsache, die nun zum Arbeitsalltag von Judith Schwarzburger gehört. Die 40 Jahre alte Juristin und Sozialpädagogin ist die neue Jugendschutzreferentin Berlins. In dieser Woche hat sie ihren Job angetreten.

„Der neue Bußgeldkatalog ist ein starkes Signal“, sagt Schwarzburger. An ihrem ersten Arbeitstag, dem 1..Februar, sind die Bußgelder für den Verstoß gegen das Jugendschutzrecht drastisch angehoben worden. Bei Abgabe alkoholischer Getränke an Kinder müssen Veranstalter und Gewerbetreibende jetzt mit einem Bußgeld von 1500.Euro statt bisher 400.Euro rechnen. Bei Jugendlichen könnten sie mit 750.Euro zur Kasse gebeten werden, bisher waren es 300.Euro. Zugleich wurde das Personal der Ordnungsämter, die für die Kontrolle von Bars, Restaurants und Clubs zuständig sind, aufgestockt. 88 neue Mitarbeiter sollen nun unter anderem kontrollieren, dass Wirte keinen Alkohol an Minderjährige ausschenken und das Nichtraucherverbot einhalten.

„Es geht beim Jugendschutz und in der Jugendhilfe darum, Kinder stark zu machen“, sagt die kinderlose Referentin, die in Thüringen und Berlin aufgewachsen ist. Gemeinsam mit weiteren Fachstellen hat sie zudem Schulungen für Mitarbeiter der Berliner Ordnungsämter durchgeführt. Die Mitarbeiter sollten darauf vorbereitet werden, wie sie die Kontrollen durchführen und was bei der Durchsetzung des Jugendschutzes wirklich wichtig ist. Ein „guter Fortschritt“ sei das, so Schwarzburger.

Auf der anderen Seite weiß sie, dass dem Jugendschutz klare Grenzen gesetzt sind. Schwarzburger macht deutlich, dass auch ein engmaschiges Kontrollnetz die Aufmerksamkeit der Eltern nicht ersetzen kann. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Prüfung von Filmen und Computerspielen und die Vergabe der Siegel von FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) und USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Es geht um verstörende Filmsequenzen, die für Kinder nicht geeignet sind, um Gewaltverherrlichung und auch um Pornografie. „Möglicherweise ist die Welt durch die leichte Verfügbarkeit von Gewaltvideos und Pornografie im Internet gefährlicher geworden“, sagt Schwarzburger. Leichter macht das Internet ihre Arbeit jedenfalls nicht. Doch auch hier sieht die Referentin die Eltern in der Pflicht. „Wenn ich Angst um mein Kind habe, muss ich mir die Frage stellen, ob tatsächlich der PC oder der Laptop im Kinderzimmer stehen muss. Oder das moderne Smartphone in Kinderhand wirklich notwendig ist“, sagt sie.

In Prüfausschüssen werden Filme und Spiele ausführlich diskutiert, leicht falle den Prüfern die altersgemäße Freigabe nicht. Eines ist Schwarzburger allerdings wichtig: „Wir bieten keine pädagogischen Empfehlungen. Und wir betreiben auch keine Zensur. Es geht einzig und allein um den Schutz der Jugend“, sagt sie.