Urteil

Tödliches Komatrinken - Wirt muss ins Gefängnis

| Lesedauer: 2 Minuten
Michael Mielke

Nach dem tödlichen Wetttrinken mit einem 16-jährigen Schüler hat das Berliner Landgericht den Wirt zu einer Haftstrafe von drei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Das Gericht sprach den 28-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig.

Im Prozess um eine tödliche Tequila-Trinkwette mit einem 16-Jährigen ist der angeklagte Berliner Kneipenwirt zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Das Berliner Landgericht entschied am Freitag, der 28-jährige Aytac G. habe sich der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht. Die Haftstrafe reduziert sich um zwei Monate, weil der Verurteilte lange in Untersuchungshaft saß.

Der Wirt hatte dem Gymnasiasten Lukas W. Ende Februar 2007 mehr als 45 Gläser Tequila serviert, selbst aber überwiegend Wasser statt Schnaps getrunken. Der Schüler war mit 4,4 Promille Alkoholgehalt im Blut ins Koma gefallen und fünf Wochen später im Krankenhaus gestorben.

Unmittelbar vor dem Urteil entschuldigte sich Aytac G. und sprach der Mutter des verstorbenen Jungen sein Beileid aus. „Es tut mir sehr, sehr, sehr leid“, sagte er. Die Tragweite seines Tuns sei ihm nicht bewusst gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine vierjährige Haftstrafe gefordert, die Verteidigung eine mildere Strafe, aber keinen Freispruch.

Der Wirt soll laut Anklage zudem zwischen 2005 und 2007 in 173 Fällen gesetzeswidrig Alkohol an Kinder und Jugendliche verkauft haben. Staatsanwalt Albers hatte ihm in seinem Plädoyer vorgeworfen, aus Gewinnsucht wiederholt harten Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt zu haben. Günstige Preise seien dabei sein Erfolgsmodell gewesen. Zudem hielt er ihm vor, er habe nach dem Todesfall versucht, die Tat durch Absprachen mit anderen Zeugen zu vertuschen.

Der Verteidiger Johannes Eisenberg gab hingegen zu bedenken, dass Lukas die Wette nüchtern verabredet hatte, trinkerfahren war und um die möglichen Folgen für seine Gesundheit wusste. Den tödlichen Ausgang habe aber keiner der Beteiligten einkalkuliert. Und dass Aytac G. seine Tat vertuschen wollte, sei völlig normal.

Die Vertreterin der Nebenklage und Anwältin der Mutter des Todesopfers, Adelaide Stronk, hatte berichtet, dass Lukas' Mutter seinen Tod bis heute nicht verarbeitet habe. Es sei ihr dringender Wunsch, dass die Tat in der Gesellschaft und bei den Behörden Problembewusstsein wecke.

Im Zusammenhang mit dem Urteil forderte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, eine striktere Umsetzung der Jugendschutzgesetze. „Das Problem ist, dass wir zwar die Gesetze und auch Sanktionsmöglichkeiten haben, aber wir haben einen Mangel im Vollzug“, sagte die SPD-Politikerin im Bayerischen Rundfunk. Die bestehenden gesetzlichen Regelungen hätten den Tod des Schülers in Berlin verhindern können, doch die Kontrolle vor Ort sei schwierig.