Winterfahrplan

S-Bahn will Nachtverkehr verbessern

| Lesedauer: 4 Minuten
Markus Falkner

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Entscheidung über eine Verlängerung des umstrittenen Winterfahrplans fällt an diesem Freitag. Es sieht allerdings schon jetzt so aus, als müssten sich die Fahrgäste noch zwei Wochen mit dem Schleichtempo der S-Bahn arrangieren.

Wie lange fährt die S-Bahn noch im Schleichtempo? Offiziell gibt es auf diese Frage frühestens am Freitag eine Antwort. Dann will das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg über eine Verlängerung des sogenannten Winterfahrplans entscheiden, der seit eineinhalb Wochen die Höchstgeschwindigkeit der Züge auf 60 Kilometer pro Stunde begrenzt. Mindestens bis zum 27.Februar soll der Fahrplan gelten. Und danach? „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt ein Sprecher der S-Bahn.

Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Fahrgäste noch mindestens zwei Wochen länger mit verlängerten Fahrzeiten leben müssen. Laut Internet-Kursbuch der Deutschen Bahn gelten die aktuellen Pläne bis zum 13. März. Zudem arbeitet die S-Bahn nach Angaben des Sprechers bereits an Nachbesserungen im mehrfach kritisierten Wochenend-Nachtverkehr. Wie berichtet, fahren die Nachtzüge auf mehreren Strecken statt wie üblich alle 30 Minuten nur noch im 40-Minuten-Takt. Vor allem in den Außenbezirken und im Umland führt das zu langen Wartezeiten beim Umsteigen auf Busse anderer Verkehrsunternehmen. Vom 25.Februar an – also nur zwei Tage vor dem theoretischen Ende des aktuellen Notfahrplans – soll sich die Situation verbessern. Die nächtlichen Züge nach Potsdam (S7) und Spandau (S3) sowie zwischen Blankenfelde und Bernau (S2) sollen den Angaben zufolge dann häufiger fahren. Auch verhandelt die S-Bahn noch mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) über eine Anpassung der Busfahrpläne an die geänderten Fahrzeiten. All das seien aber keine Hinweise auf eine bereits beschlossene Verlängerung der Gültigkeit des Winterfahrplans, heißt es von der S-Bahn. So habe die Befristung der Kursbuch-Angaben lediglich „systemtechnische Gründe“, sagt der Sprecher. Sollte am Freitag anders entschieden werden, werde man die Angaben sofort ändern.

Branchenkenner erwarten aber, dass die S-Bahn eine Fortsetzung des Bummelverkehrs durchaus anstrebt. Immerhin fahren die Züge seit der Einführung am 24. Januar erstmals seit dem Wintereinbruch im Dezember weitgehend planmäßig. Und ein Ende des Winters ist nicht in Sicht. „Es kann ja jederzeit frostiger werden und schneien“, sagt ein Insider. „Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, den Winterfahrplan abzuschaffen und wenig später ein neues Chaos zu erleben, wenn ein paar Schneeflocken fallen.“ Ob die Länder und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sich dieser Meinung anschließen werden, ist nach Informationen dieser Zeitung offen.

Berlins Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erwartet von der S-Bahn mehr als einen zwar langsamen, aber weitgehend zuverlässigen Betrieb. „Die S-Bahn muss endlich verlässliche Szenarien entwickeln, wie sie extreme Wettersituationen bewältigen will“, sagt Junge-Reyers Sprecher Mathias Gille. Nach wie vor sei unklar, wie sich neuerliche Schneefälle und starker Frost auf die Fahrzeugverfügbarkeit auswirken würden. Die Senatsverwaltung hält auch an ihren Forderungen nach weiteren Verbesserungen im Nachtverkehr fest, wie Gille bestätigt. Dazu zählt auch, dass die S-Bahn ihren Fahrgästen ein Taxi zahlen soll, wenn die Wartezeiten zu lang werden. Das lehnt die Bahn-Tochter ab und empfiehlt stattdessen, zur Sicherheit lieber einen Zug früher als nötig zu nutzen.

Unterdessen können Fahrgäste der S-Bahn an diesem Wochenende erstmals von dem neuen Entschädigungspaket profitieren, das in der Vorwoche vorgestellt und von Senat, Politikern und Fahrgastvertretern als unzureichend kritisiert wurde. Einzelfahrscheine gelten am Sonnabend und Sonntag als Tagesticket. Die Regelung erstreckt sich auf alle vier Februar-Wochenenden und den 5. Juni. Als Tageskarten gelten auch Abschnitte der Vierer-Karte und das Einzelticket für Fahrräder. Stammkunden müssen sich indes noch gedulden, bis auch sie entschädigt werden. Erst im November fahren sie einen Monat kostenlos.