Umstrittene Unterrichtsmethode

Schlichter soll Streit um Ursula Sarrazin beilegen

Der Streit um den Unterrichtsstil der Ehefrau von Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin polarisiert längst nicht mehr nur die betroffenen Eltern. Jetzt wurde ein Sonderschlichter im Fall der Grundschullehrerin eingesetzt.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER / Jörg Krauthöfer

Im Streit um den Unterrichtsstil der Grundschullehrerin Ursula Sarrazin ist jetzt ein Sonderschlichter eingesetzt worden. Es handelt sich um Erhard Laube, in der Bildungsverwaltung für Personalangelegenheiten zuständig. Ein erstes Schlichtungsgespräch fand am Montagnachmittag statt. Anwesend waren neben dem Abteilungsleiter Schulaufsicht, Erhard Laube, die Lehrerin Ursula Sarrazin und der Schulleiter der Reinhold-Otto-Grundschule, Joachim Syska. Das hat die Bildungsverwaltung am Montag mitgeteilt. Die Lehrerin und der Schulleiter sind von Erhard Laube aufgefordert worden, die wechselseitig erhobenen Vorwürfe zu belegen und gegebenenfalls dazu Stellung zu nehmen.

Dialog mit allen Betroffenen führen

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), sagte, dass eine Schulkonferenz – eine solche war ursprünglich für den Montagnachmittag in der Reinhold-Otto-Schule geplant, um eine Lösung im Fall Sarrazin zu finden – nicht über die erhobenen Vorwürfe und eventuell daraus folgende Konsequenzen entscheiden könne. Das sei Gegenstand eines rechtlich geregelten Verfahrens. Ziel des Schlichtungsgesprächs mit Erhard Laube war es laut Stoffers, „die für die pädagogische Arbeit in der Schule belastende Situation zu beenden, mit den Betroffenen den Dialog zu führen und den gestörten Schulfrieden wieder herzustellen.“ Ergebnisse des Schlichtungsversuchs sind am Montag nicht bekannt geworden.

Wie Stoffers weiter mitteilte, haben alle in der Vergangenheit gegen Frau Sarrazin gerichteten Beschwerden nach ihrer Prüfung keine Grundlage für dienstrechtliche Konsequenzen geboten. „Bildungssenator Zöllner geht davon aus, dass durch sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung eine Klärung der öffentlich diskutierten Vorgänge erzielt und die notwendige Ruhe für eine konstruktive Schularbeit an der Reinhold-Otto-Schule wieder voll und ganz hergestellt werden können“, sagte Stoffers.

Wie berichtet, hatten sich mehrere Eltern über den Unterrichtsstil von Ursula Sarrazin beschwert und ihr vorgeworfen, Kinder zu demütigen und unter Druck zu setzen. Nach Aussage der Eltern, die eine Versetzung der Pädagogin fordern, hatte sich schließlich auch Schulleiter Joachim Syska hinter sie gestellt. Er bekam daraufhin viele Drohmails. Die Bildungsverwaltung hat diesbezüglich in der vergangenen Woche Strafanzeige erstattet.

Die Diskussion um die Unterrichtsmethoden der Ehefrau von Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) polarisiert indes längst nicht mehr nur die betroffenen Eltern, sondern führt bundesweit zu Schlagzeilen. So berichtet jetzt auch der aktuelle „Spiegel“ über den Streit um ihre Unterrichtsmethoden.

Die Betroffene selbst gab sich am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung gelassen. „Die Stimmung bei Eltern, Schülern und Lehrern hier ist gut“, sagte Ursula Sarrazin auf ihrem Heimweg nach der fünften Unterrichtsstunde. Sie war gerade dabei, einen Stapel Klassenarbeiten in ihren Fahrradkorb zu packen. „Ich arbeite ganz normal. Der Rest wird sich finden“, sagte sie. Sämtliche Vorwürfe der Eltern hat Ursual Sarrazin bislang vehement als falsch zurückgewiesen.

Nicht alle an der Reinhold-Otto-Grundschule in Westend geben sich indes so gelassen wie die in die Kritik geratene Pädagogin selbst. „Die Frau verbreitet eine Stimmung der Angst an der Schule und muss weg“, sagte eine Mutter vor der Schule. Vergangenes Jahr sei ihr heute elfjähriger Sohn von Frau Sarrazin in Mathematik unterrichtet worden. Das Jahr sei eine einzige Katastrophe gewesen. „Die Hälfte der Klasse ist um zwei Noten nach unten gerutscht“, berichtete die Mutter. Die Eltern seien entsetzt gewesen, die Kinder unglücklich. Auf einem Elternabend, auf dem sowohl Frau Sarrazin als auch der Schulrektor anwesend gewesen seien, habe daraufhin ein klärendes Gespräch erfolgen sollen. „Stattdessen ist der Abend eskaliert, Frau Sarrazin hat niemanden ausreden lassen“, so die Mutter. Die Lehrerin sei schlicht nicht kritikfähig, sie könne nicht zuhören. Auch auf den Vorwurf, sie fördere nur die Leistungsträger und lasse die Schwachen durchfallen, habe sie an dem Abend nicht eingehen wollen.

Die Mutter sagte aber auch, dass Ordnung und Disziplin an der Schule grundsätzlich in Ordnung seien. „Aber wer Kindern mit einem Lineal auf die Finger haut, der übertreibt einfach.“ Nachdem sich die Klagen über die angeblich viel zu strengen Unterrichtsmethoden von Ursula Sarrazin gehäuft hätten, hätten die Eltern sich das – insbesondere nach der gescheiterten Aussprache – nicht länger gefallen lassen wollen, so die verärgerte Mutter weiter. Sie hätten dafür gesorgt, dass die Grundschullehrerin die Klasse abgeben musste.

Eltern wollen sachliche Diskussion

Nicht alle Eltern sind jedoch bereit, sich an der Kritik an Ursula Sarrazin zu beteiligen. „An jeder Schule gibt es bestimmte Lehrer, die kritisiert werden – das ist doch ganz normal“, sagte zum Beispiel Corinna Korolev, deren zwei Töchter beide von Sarrazin unterricht werden. Die beiden Mädchen jedenfalls kämen gut mit der Grundschullehrerin zurecht – wenngleich sie gelegentlich davon erzählten, dass andere Schüler schlecht behandelt werden würden.

Corinna Korolev sagte, sie habe den Eindruck, dass „eher alte Unverträglichkeiten als ein aktueller Anlass“ Auslöser des Konfliktes seien. Und überhaupt, so äußerte sich die 43-Jährige, schlage der Fall nur deshalb solche Wellen, weil nun einmal der Name Sarrazin im Spiel sei. Niemand der Eltern sei selber mit im Klassenzimmer gewesen und Zeuge der angeblichen Vorfälle. Manche Kinder beschwerten sich schnell, wenn mehr Fleiß von ihnen gefordert werde. Es sei notwendig, so Korolev, sachlich zu diskutieren und keine Kampagne gegen die Lehrerin in Gang zu setzen.

Für heute war ein Gespräch zwischen Frau Sarrazin und den Eltern der Klasse 4b geplant, von denen die aktuellen Vorwürfe stammen. Ob das Treffen stattfinden wird, war Montagabend noch ungewiss. Ein Elternvertreter sagte, dass die Eltern auf klärende Gespräche hoffen. Dabei gehe es nicht nur um die gegenwärtigen Vorwürfe gegen Frau Sarrazin, sondern auch um Vorfälle aus der Vergangenheit, die bisher nicht aufgearbeitet worden seien.