Sanierung

Howoge verteidigt XXL-Mieterhöhungen in Buch

Die landeseigene Howoge will 2300 Wohnungen in Berlin-Buch sanieren. Die Kosten dafür bekommen die Mieter zu spüren – mit kräftigen Mieterhöhungen. Allerdings will die Howoge auf Härtefälle Rücksicht nehmen. Der Berliner Mieterverein ist skeptisch.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge hat am Freitag ihre Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen für rund 2300 Wohnungen im Ortsteil Buch verteidigt. Von April dieses Jahres an bis Ende 2013 sollen neben vielen anderen Objekten auch die Wohnungen und Häuser an der Walter-Friedrich-Straße 53–57 und 59–63 sowie die Häuser an der Franz-Schmidt-Straße 12–18 saniert und modernisiert werden. Nach Angaben des Unternehmens werden rund 100 Millionen Euro investiert. Das hat Folgen für die Mieter. Sie müssen sich auf drastische Mieterhöhungen einstellen.

Die Howoge nennt ein Rechenbeispiel: Die aktuelle durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt 4,28 Euro pro Quadratmeter bei einer Wohnfläche von 60 Quadratmetern. Der Mietspiegel weist einen Quadratmeterpreis von 5,48 Euro aus. Auf diesen Preis rechnet das Unternehmen 0,42 Euro Energieeinsparung für den Quadratmeter drauf. Dann zahlt der Mieter 5,90 Euro netto kalt für den Quadratmeter. In der Summe sind das 1,62 Euro pro Quadratmeter mehr. Dann kostet diese Wohnung nicht mehr 256,80 Euro netto kalt, sondern 354 Euro. Das sind knapp 100 Euro mehr im Monat.

„Die Auswirkungen auf die Mieter entsprechen den Preisvorgaben des Senats“, sagt Geschäftsführer Reinhard Baumgarten. „Sie sind an den Leitlinien des Senats ausgerichtet.“ In Härtefällen würde man sich individuell auf die Mieter einstellen.

Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, sagt dagegen: „Es ist äußerst problematisch, was da an Zahlen vorgelegt wird.“ Er kritisiert, dass die Obergrenze des Mietspiegels als Basis für die Erhöhung genommen wird. „Die Mieterhöhung sollte maximal die ortsübliche Miete innerhalb der Spanne des Mietspiegels plus zehn Prozent betragen.“ Es gebe rund 70 Merkmale zur Ermittlung der ortsüblichen Miete, so der Chef des Mietervereins.

Bei dem Projekt in Buch erfolge die Gebäudesanierung mit dem Ziel, zeitgemäße Wohnstandards und energieeffiziente Gestaltung zu schaffen, so die Wohnungsbaugesellschaft. Die Liste ist lang. Von Balkonanbau über Dachinstandsetzung und Modernisierung der Heizungsanlage bis hin zu Dämmung, Fenstereinbau und Aufzugsmodernisierung. Die Miete bei einem Neumieter wird sich an dem Mietspiegel 2011 orientieren. Dieser ist aber noch nicht fertig gestellt.

Derzeit stünden rund 20 Prozent der Wohnungen leer, so die Gesellschaft weiter. Man gehe aber von einem Leerstand von bis zu 50 Prozent bis zu Beginn der Arbeiten aus. „Wir werden versuchen, die Mieter von unseren Arbeiten zu überzeugen und werden alle Schritte völlig transparent machen“, sagt Baumgarten. Man lasse sich mittlerweile von Transparency International beraten. „Am kommenden Montag ist die erste Mieterversammlung, am 24. Januar dann die nächste.“