Großfeuer in Spandau

Millionenschaden bedroht Firmen-Existenz

Nach dem Brand an der Marina Lanke in Spandau nehmen nun Experten die Untersuchungen auf. Die Feuerwehr berichtet von widrigen Verhältnissen während der Löscharbeiten. Der Schaden gefährdet die Existenz der ansässigen Unternehmen.

Einen Tag nach dem verheerenden Großfeuer auf der Anlage der Marina Lanke in Spandau haben die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) und die Gutachter der Versicherung ihre Arbeit aufgenommen. Sowohl die Brandursache als auch das Ausmaß des entstandenen Schadens sind derzeit noch unklar. Versicherungsexperten gehen allerdings nach ersten Untersuchungen davon aus, dass mit einem Gesamtschaden in Millionenhöhe gerechnet werden muss. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass der Brand für einige der auf dem Gelände ansässigen Firma massive, unter Umständen gar existenzbedrohende Folgen haben kann.

Besonders hart trifft es nach Angaben von Peter Twelkmeyer, dem Vorstand der Marina Lanke Berlin AG zwei Jungunternehmer, die sich auf die Restaurierung historischer Boote spezialisiert haben. Beide haben erst vor kurzem ihre Arbeit in der völlig niedergebrannten Werkstatthalle der Anlage aufgenommen. Ein erstes Schiff eines Kunden, das die beiden Existenzgründer überarbeiten wollten, wurde ein Opfer der Flammen, ein weiteres Schiff sollte ursprünglich am Dienstagmorgen angeliefert werden. „Die beiden haben sich mit viel Elan und großem Engagement an die Arbeit gemacht, für sie ist das jetzt natürlich ein herber Schlag, nach dem niemand genau weiß, wie es mit diesem jungen Unternehmen weiter geht“, sagte Twelkmeyer am Mittwoch.

Betroffen ist auch eine Schlosserei, die sich um Wartung und Reparaturen von Schiffsmotoren kümmert und bislang ebenfalls die abgebrannte Werkshalle nutzte. Nach Auskunft von Twelkmeyer verfügt dieses Unternehmen allerdings über einen Werkstattwagen, mit dem sich der Reparaturbetrieb zumindest provisorisch aufrechterhalten lässt. Im Laufe der letzten Jahre haben sich etwa zehn Firmen auf dem Gelände der Marina Lanke niedergelassen. Die Betreiber AG selbst ist nach Ansicht von Twelkmeyer hingegen „mit einem blauen Auge“ davongekommen. Drei ihrer Schiffe, die im Charterbetrieb eingesetzt wurden, sind bei dem Brand ebenfalls völlig zerstört worden, elf weitere blieben unbeschädigt. „Damit lässt sich der Charterbetrieb im Wesentlichen aufrecht erhalten“, sagte Twelkmeyer am Mittwoch. Auch der Hafenbetrieb könne nahezu ohne Einschränkungen fortgeführt werden. Glücklicherweise, so der Vorstand er Betreibergesellschaft, sei die Haupthalle, genutzt als Winterlager für zahlreiche Boote von dem Brand verschont geblieben.

Widrige Bedingungen für Feuerwehr

Das Feuer, dessen Folgen für viele betroffene Firmen noch gar nicht vollständig abzusehen sind, brach Dienstag früh gegen 4 Uhr im Verwaltungsgebäude der Marina Lanke aus und sprang schnell auf die Werkstatthalle über. Kurze Zeit später waren die ersten Löschzüge vor Ort, nach und nach wuchs die Zahl der eingesetzten Feuerwehrmänner auf mehr als 120 an. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch immer wieder detonierende Gasflaschen in der Werkstatthalle, die verhinderten, dass die Löschkräfte in die Halle vordringen konnten. Es dauert noch bis zum späten Nachmittag, bis die Brandstelle schließlich unter Kontrolle war.

Denn nicht nur die vielen explodierenden Gasbehälter haben die Arbeit der Feuerwehr erheblich beeinträchtigt, es gab noch etliche weitere Widrigkeiten, überwiegend Spätfolgen, des Wintereinbruchs mit Schneemassen und Eis. Die Löschzüge konnten nur mühsam den Weg zum Brandort nehmen, der Zufahrtsweg zur Marina Lanke entpuppte sich als reine Eisfläche. Noch mehr Probleme hatte das zur Unterstützung angeforderte Löschboot, das sich mühsam an den unzähligen auf der Havel treibenden Eismassen vorbeikämpfen musste. Im Bereich der Marina war der Fluss zudem von einer dicken Eisschicht bedeckt. Die musste erst aufgebrochen werden, um die Tauchpumpen zum Ansaugen von Löschwasser einsetzen zu können.

„Man steht am Ufer der Havel und überlegt angestrengt, wie man an Löschwasser kommt“, beschrieb ein Feuerwehrmann am Mittwoch sarkastisch aber durchaus treffend die Probleme. Zu allem Überfluss gehörte der einzige im Umfeld verfügbare Hydrant zu einer so genannten Stichleitung, einer Abzweigung einer Hauptleitung. „Solche Stichleitungen liefern lediglich 800 bis 1000 Liter Wasser in der Minute, für Einsätze dieser Größenordnung werden allerdings 4000 Liter Wasser pro Minute benötigt“, erklärte Feuerwehrsprecher Wolfgang Rowenhagen am Mittwoch. Ob ohne diese Probleme die Löscharbeiten schneller erfolgt und der Schaden geringer ausgefallen wäre, ist unklar. An der Meinung von Peter Twelkmeyer ändert das indes nichts. „Ich habe die Löscharbeiten über Stunden verfolgt und muss sagen, die Feuerwehr hat einen guten Job gemacht“, versicherte der Marina-Vorstand.

Auf ihn und seine Mitarbeiter kommt in den nächsten Wochen noch viel Arbeit zu. Die Brandstelle sieht nach wie vor verheerend aus. Aufräumarbeiten, mit denen Twelkmeyer am liebsten sofort beginnen würde, sind vor allem in der Werkshalle erst möglich wenn die Ermittlungen des zuständigen Brandkommissariats und die Untersuchungen der Gutachter abgeschlossen sind. Danach will er zusammen mit seinen Mitarbeitern „die Ärmel aufkrempeln und das Herzstück der Marina wieder aufbauen“. Momentan bleibt ihm nicht viel mehr, als Kunden und Geschäftspartner auf der Internetseite über die weitere Entwicklung in der der Anlage auf dem Laufenden zu halten.