Ausrüstung

Berlins Feuerwehr mietet neue Schutzanzüge

Berlins Feuerwehrleute werden bald besser vor Hitze und gefährlichen Stoffen geschützt sein. Leasing und Reinigung der neuen Brandschutzkleidung kosten die Stadt allerdings 1,3 Millionen Euro jährlich.

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Berlins Feuerwehrmänner und Rettungssanitäter bekommen neue Uniformen für knapp vier Millionen Euro. Wie sich jetzt herausstellt, muss die Feuerwehr aber auch eine hohe Summe für die Reinigung und Pflege der Brandschutzkleidung ausgeben. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) beantragte beim Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses für drei Jahre insgesamt 4,2 Millionen Euro an außerplanmäßigen Verpflichtungsermächtigungen für die Miete und das Waschen der besonders feuerfesten Hosen und Jacken.

Auf drei Wachen wird diese Kleidung schon erprobt

Seit gut einem Jahr läuft die Anschaffung der neuen Brandschutzkleidung. „Es handelt sich um eine wichtige Maßnahme des Arbeits- und Gesundheitsschutzes“, schreibt Körting an den Ausschuss, der das Geld bewilligen muss. Für insgesamt 3,38 Millionen Euro sollen nach und nach die alten blauen Uniformen, die noch aus den Jahren 1996/97 stammen und technisch überholt sind, gegen die neuen, sandfarbenen ausgetauscht werden. Die alten Anzüge haben laut einer Studie ohnehin nur eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren. „Hohe thermische Belastung, mechanische Einwirkung, häufiges Waschen und Trocknen lassen die Brandschutzkleidung altern und mindern so die Schutzwirkung“, so Körting.

Die neue, schwere Brandschutzkleidung ist aus einem besonders festen Material, dem „zurzeit besten Werkstoff“ Polybenzimidazol, schreibt der Innensenator. Auf drei Wachen wird diese Kleidung schon erprobt. Andere Feuerwehren, vor allem Werksfeuerwehren, nutzen diese Hosen und Jacken schon, die bis zu 1000 Grad aushalten können. Die neue Schutzkleidung ist auch widerstandsfähiger gegen Säuren, Laugen und organische Chemikalien. Im Gegensatz zu der bisherigen dunkelblauen Uniform lassen sich auf den hellen sandfarbenen Anzügen gesundheitsschädliche Rückstände wie Ruß besser erkennen. Einen Latz besitzen die Hosen nicht, dafür aber Knieschützer. Der Stoff ist zudem langlebiger und leichter als die alten Hosen aus Nomex-Material. Das Gewicht der Brandschutzkleidung ist bei länger dauernden Einsätzen von Bedeutung. Es wirke damit dem Hitzestress der Feuerwehrmänner entgegen. „Wer täglich für andere durchs Feuer geht, für den ist das Beste gerade gut genug“, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling.

Besondere Hygieneanforderungen

Für Berlins Berufsfeuerwehren sollen insgesamt 3165 Hosen und Jacken für den Einsatzdienst angeschafft werden. Hinzu kommen 720 Anzüge, die auf den Wachen von mehreren Männern genutzt werden können, sowie eine Reserve von 180 Uniformen. Die freiwilligen Feuerwehren sollen vorerst noch nicht mit der Hightech-Kleidung ausgestattet werden.

Neue Dienstkleidung sollen auch die Rettungssanitäter der Feuerwehr bekommen, weil auch diese Einsatzkräfte beispielsweise beim Herausschneiden von Unfallopfern in feuergefährliche Situationen kommen können. Die Rettungskräfte brauchten deswegen denselben Brandschutz wie die Feuerwehrmänner, schreibt Körting. In anderen Städten wie Frankfurt/M., Essen, München und Dortmund sind die Sanitäter bereits mit besonderer Brandschutzkleidung ausgestattet. Insgesamt 510 neue Uniformen will der Innensenator für die Sanitäter bestellen.

Doch mit einer einmaligen Anschaffung ist es nicht getan. Es entstehen weitere Kosten. „An die Pflege und Wartung der Rettungsdienstkleidung sind besondere Hygieneanforderungen zu stellen, die von der Berliner Feuerwehr nicht in Eigenregie abzudecken sind“, schreibt Körting. Rettungsdienstkleidung unterliege dem Infektionsschutzgesetz und den Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Mindestens einmal täglich, auf jeden Fall aber nach sichtbarer Verschmutzung, muss die Kleidung gewechselt werden. Bisher wurden die Uniformen von den Sanitätern gesäubert. „Das bisher praktizierte Pflegen, Waschen und Reinigen der Rettungsdienstkleidung auf der Wache oder im privaten Haushalt birgt die Gefahr des Verschleppens von Keimen und stellt für die Dienstkräfte und deren Familien ein unnötiges und nicht zu vertretendes Infektionsrisiko dar“, so der Innensenator. Das bisherige Verfahren müsse „zwingend“ optimiert werden. Eine Reinigung soll nun diese Aufgabe übernehmen. „Unterhalt, Pflege und Logistik der Rettungsdienstkleidung gehören nicht zum Kerngeschäft der Berliner Feuerwehr“, stellt Körting fest. Zudem sei es wirtschaftlicher, die Kleidung nicht zu kaufen, sondern von einem Anbieter nur zu mieten, der dann auch die Reinigung übernimmt.

Kein Gegenfinanzieren

Doch dieses Konzept ist nicht ganz billig. 1,3 Millionen Euro pro Jahr braucht die Feuerwehr für die Miete, die Pflege und das Waschen der Kleidung für die Sanitäter. Hinzu kommen Kosten von 100000 Euro pro Jahr für das Waschen und die Pflege der schweren Brandschutzkleidung. Körting will mit der Reinigungsfirma nun einen Drei-Jahres-Vertrag abschließen mit Gesamtkosten bis 2013 von 4,2 Millionen Euro. Dieses Geld sollen die Abgeordneten nun bewilligen. Bis 2016 rechnet der Innensenator mit Reinigungskosten von insgesamt 8,4 Millionen Euro. Gegenfinanzieren will die Feuerwehr diese Summe, indem sie auf die Neuanschaffung einiger Löschfahrzeuge, Lastwagen und Computer verzichtet.