Ex-Finanzsenator

Thilo Sarrazin kritisiert Verwaltung Berlins

Der frühere Berliner Finanzsenator und Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin findet Berlin "toll". Der Erfolg der Stadt liege aber nicht an der Berliner Regierung sagte er im Interview mit Morgenpost Online - und erhob auch Vorwürfe gegen die Bundeskanzlerin.

Der Ex-Finanzsenator und ehemalige Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeworfen, sein Buch aus machtpolitischen Gründen kritisiert zu haben. „Die Aussage der Bundeskanzlerin, mein Buch sei nicht hilfreich, war machtpolitisch orientiert“, sagte Sarrazin im Interview mit Morgenpost Online. „Indem sie mich ins Eck gestellt hatte, wollte sie verhindern, dass irgendjemand aus ihrer Partei mir zustimmte. Das ist ihr auch weitgehend gelungen“, sagte Sarrazin weiter.

Dagegen habe es offenbar in der CSU die Vorgabe aus der Spitze gegeben, sich nicht negativ zu Sarrazin zu äußern. „Die Politik hat zunächst versucht, mich zur Unperson zu erklären. Das ist aber gescheitert. Dann haben sie versucht, unter Ausklammerung meines Namens die gefühlte Unzufriedenheit selbst aufzufangen“, sagte der Bestseller-Autor. „SPD-Chef Sigmar Gabriel wollte integrationsunwillige Ausländer ausweisen. So etwas habe ich in meinem Buch nicht geschrieben. Die Kanzlerin sagte, Multikulti ist gescheitert. Das Wort kommt in meinem Buch nicht vor, das läuft für mich unter Polit-Folklore. Ich achte darauf, ob es Ansätze gibt, Inhalte zu verändern.“

Zugleich griff Sarrazin indirekt den Berliner Senat an: „Berlin hat doch nicht deshalb Erfolg, weil es gut regiert wird. Berlin hat Erfolg, obwohl es in der Qualität von Politik und Verwaltung seit Jahrzehnten große Mängel gibt. Die Führungsqualität und das durchschnittliche Leistungsniveau erreichen in vielen Berliner Verwaltungen keine bundesdeutschen Standards. Ich finde Berlin trotzdem eine ganz tolle Stadt mit guten Perspektiven und bin sicher, dass es auch künftig jedwede Art von Regierung überleben wird.“

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